10.09.2019 - 16:40 Uhr
Oberpfalz

Erinnerungen an das "Rannerzejhgn"

Zu den bäuerlichen Arbeiten im Herbst zählt auch die Rübenernte. Der Heimatpfleger der Gemeinde Ursensollen, Josef Schmaußer, denkt mit ein wenig Grauen daran zurück.

Diese Aufnahme entstand bei Streitbühl (Gemeinde Edelsfeld). Das „Ranner hauen“ war zwar sehr unbeliebt, aber alle Familienmitglieder mussten zusammenhelfen, um dem Unkraut Herr zu werden. Das Foto stammt aus dem „Eisengau“ Nr. 24/2005 „Bevor der Bulldog kam – vom Leben in einem Oberpfälzer Dorf“ von Karl Regler aus Edelsfeld.
von Josef SchmaußerProfil

Die Vorarbeiten für eine gute Rübenernte begannen schon im zeitigen Frühjahr. Im Hausgarten säte die Bäuerin große Mengen an Runkelrüben. Waren die Sprösslinge groß genug und das Wetter entsprechend, bepflanzte man damit die vorbereiteten Beete auf dem Feld.

Die kleine Pflänzchen wurden sorgfältig ausgezogen, in Kretzeln (aus Weiden oder Draht) geschlichtet und mit einem nassen Sack gegen Austrocknung geschützt. Die ganze Familie musste helfen, mit einem umgebundenen Grastuch die Pflänzchen in regelmäßigen Abständen in die Beete zu bringen.

Folgte eine Trockenperiode, musste man die Jungpflanzen gießen. Das Wegackern, Hacken und Zuackern geschah in der gleichen Weise wie bei den Kartoffeln. Mit Grauen denke ich an das Rübenhacken (wir sagten "Ranner hauen") in der heißen Junisonne. Die Eltern achteten sehr darauf, dass man mit der Hacke ja nur das Unkraut traf und keine Pflänzchen weg hackte.

Die Rüben- oder Rannerernte (in manchen Gegenden sagte man auch "Runkel") fiel in die letzte September-, beziehungsweise in die ersten Oktoberwochen. Da war es teilweise schon recht kühl und die Finger wurden bei der Ernte schnell klamm.

Bei der Rübenernte packten die Bauern jeweils eine Rübe, rissen sie am Schopf aus dem Boden und klopften sie gegeneinander, um das Erdreich abzuschütteln. Nun legte man die "Ranner" genau nebeneinander. Eine andere Person schnitt mit einem alten Messer "das Bloder" (die Blätter) ab. Verdorrte und verfaulte Blätter wurden gleich aussortiert.

Die Runkeln lud man nun auf den Wagen und lagerte sie im Ranner- oder Runkelkeller. Bei Platzmangel wurde manchmal auch auf dem Feld eine Miete angelegt. Dabei hat man die Rüben mit Stroh und Erde gegen den Frost geschützt und dann möglichst noch vor dem Winter heimgebracht. Das "Bloder" wurde extra heimgefahren und als Grünfutter zugefüttert.

Die Rüben wurden dann auf dem Hof mit einer Handschnitzelmaschine für die Tiere zerkleinert. Jedem Kind auf dem Hof war seine tägliche Arbeit zugeteilt.

Brauchtum:

Geistern - schon vor "Halloween"

Natürlich hatte in den ausgehenden 1950er und beginnenden 1960er Jahren von uns Kindern auf den Dörfern niemand eine Ahnung von Halloween. Dieser Brauch kam erst in den Oberpfälzer Dörfern auf, als der Englischunterricht in der Grundschule eingeführt wurde (eine Lektion befasst sich ausführlich mit dem Brauch aus den USA – der eigentlich aus Europa kommt) und man in Orten in der Nähe der Truppenübungsplätze das amerikanische Brauchtum kennenlernte. Auch wir Kinder in den Dörfern höhlten besonders große Rüben aus, schnitten eine Fratze mit Augen, Nase und Mund ein und stellten eine Kerze in den schaurigen Kopf. Damit erschreckten wir Nachbarskinder, die in der Dunkelheit des Abends noch zum Milchholen, zum Bäcker oder einem der beiden Krämer im Ort geschickt wurden. (schß)

Das Weg- und Zuackern mit dem Häufelpflug wurde mit einem Zugtier allein bewältigt. Damit wurde zugleich viel Unkraut vernichtet. Das Foto stammt aus dem „Eisengau“ Nr. 24/2005 „Bevor der Bulldog kam – vom Leben in einem Oberpfälzer Dorf“ von Karl Regler aus Edelsfeld.
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