13.11.2019 - 12:16 Uhr
EschenbachOberpfalz

Altlandkreis Eschenbach ist Teil des Drogensumpfes

Ecstasy-Pillen und Cannabis-Plantagen: Der Altlandkreis Eschenbach ist Teil des Drogensumpfes. "Es gibt keine weißen Flecken, überall sind Konsumenten", sagt Eschenbachs Polizeichef. Drei Fälle zeigen das Ausmaß.

Zwei größere Cannabis-Plantagen hat die Eschenbacher Polizei seit Juli entdeckt.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Zwei größeren Rauschgiftdelikten kommt die Eschenbacher Polizei Ende Oktober auf die Spur. Unter anderem 200 Ecstasy-Pillen stellte eine Streife bei einer Verkehrskontrolle in Pressath sicher. Weil es im Auto nach Marihuana roch, wurde neben dem Fahrer auch das Auto durchsucht. Außer den Tabletten kamen noch andere Mittel zum Vorschein.

Nur einen Tag zuvor erregte ein Fall in Eschenbach Aufsehen. Die Polizei hat einen Hinweis bekommen, dass ein 35-Jähriger sich selbst in Gefahr bringen könnte, berichtet Werner Stopfer, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Eschenbach. Im Zuge der Fahndung haben die Polizisten die Wohnung des Mannes aufgesucht. Ihn fanden sie dort zwar zunächst nicht, dafür aber eine Cannabis-Plantage und getrocknetes Marihuana im Kilogrammbereich. "In der Zeit, als die Kollegen noch vor Ort waren, ist der 35-Jährige zurückgekommen. Er hatte offensichtlich davon erfahren, dass wir in der Wohnung sind, und war hoch aggressiv", teilt Stopfer mit. Der Mann sei auch auf einen Polizisten losgegangen. "Der Kollege ist noch in ärztlicher Behandlung. Es besteht der Verdacht, dass der 35-Jährige eine ansteckende Krankheit hat, die durch Blutkontakt übertragen wurde", berichtet der Polizeichef.

Eltern drogenkonsumierender Kinder erzählen

Weiden in der Oberpfalz

Den dritten größeren Drogen-Fall datiert er auf Juli. In einer Wohnung in Grafenwöhr fanden die Beamten eine Cannabis-Plantage und zudem getrocknetes Marihuana, ebenfalls im Kilogrammbereich. "Es war professionell gemacht", beschreibt Stopfer. Ein 37-Jähriger und zwei weitere Tatverdächtige (47 und 48) stehen in Verdacht, die Plantage aufgebaut zu haben. "Wir gehen aufgrund der Menge davon aus, dass das Rauschgift nicht nur zum Eigenverbrauch gedacht war, sondern auch zum Verkauf." Die Ermittlungen laufen noch.

"Dieses Jahr haben wir überwiegend Cannabis-Konsumenten", berichtet Stopfer über die aufgedeckten Rauschgiftdelikte im Dienstbereich der Eschenbacher Polizei. "Synthetische Drogen wie Crystal sind seit dem vergangenen Jahr nicht so erkennbar, aber ich will da keine Entwarnung geben, weil es eine große Dunkelziffer gibt." Es sei sowieso schwierig, einen Trend festzumachen, eben wegen der unbekannten Fälle. "Wir haben teilweise sehr unterschiedliche Zahlen."

Aufspüren können die Beamten Drogenkonsum meist über "normale Kontrollen in Fahrzeugen", erzählt Stopfer. "Die Kollegen, die sich mit Rauschgift beschäftigen, haben sehr gute Erfahrungen, kennen die Strukturen, wer mit wem unterwegs ist." Bei Kontrollen werde auch auf Reaktionen geachtet, die Pupillen genau angeschaut. "Es beginnt oft im Kleinen: Man trifft jemanden, der ein Gramm dabei hat und bei der Befragung legt er offen, wo er es her hat. Man beginnt mit einer Person und am Ende hat man 15 bis 20 Verdächtige, die mit drinstecken", beschreibt er die zeitintensiven Ermittlungen. Dabei komme es aber auch vor, dass so mancher der Konsumenten das Nachdenken anfange und den Weg durch den Drogensumpf verlasse, sagt Stopfer.

Einen Ort, wo Drogenkonsum erhöht vorkomme, gibt es im Vierstädtedreieck nicht: "Wir haben einmal da einen Schwerpunkt und einmal dort. Aber es gibt keine weißen Flecken." Selbst in den kleinsten Orten werde Rauschgift konsumiert. Dieses Problem bestehe schon seit Jahren und sei keine aktuelle Erscheinung. "Wir haben Mütter, die schwer drogenabhängig sind, Langzeitkonsumenten", erzählt Stopfer. "Letztes Jahr gab es in Eschenbach sogar einen Drogentoten." Das Rauschgift werde viel aus dem Darknet oder aus Tschechien bezogen, meint er. Umso wichtiger seien stetige Kontrollen, um zu verhindern, dass sich die Szene komplett festsetze."Es gehört ein bisschen Glück dazu und der nötige Biss, an einer Sache dran zu bleiben."

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