07.04.2021 - 15:16 Uhr
EschenbachOberpfalz

Von Aschermittwoch bis Pfingsten: Absolution im Wandel der Zeiten

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Die Beichte während des Osterfestkreises gehörte bis vor nicht allzu langer Zeit zu einem wichtigen kirchlichen Ritus. Im Vergleich zu den heutigen Bußgottesdiensten war die Sühne der Bürger für ihre Verfehlungen früher deutlich härter.

Die Beichtstühle von St. Laurentius waren vor 40 Jahren noch weniger dekorativ, jedoch besonders zu Ostern rege frequentiert.
von Walther HermannProfil

Die österliche Zeit beginnt am Aschermittwoch und endet zu Pfingsten. Während dieses Osterfestkreises wurden die Bußgottesdienste für die meisten Gläubigen inzwischen zu einer rege genutzten Alternative. Im Vergleich dazu herrschte vor 400 Jahren ein strenges religiöses Reglement, das auch in den weltlichen Bereich hineinreichte.

Vor nahezu 20 Jahren hatte Heimatforscher Albert Furtner für eine Mitgliederversammlung des Heimatvereins eine Auflistung von Strafen vorgestellt, die alle Lebensbereiche umfassten. Zu den religiösen Verfehlungen führte er auf: „Conradt Koz von uns zu Metzenhof wurde um 30 fl gestraft, weil er im April 1630 es unterlassen hat zu beichten und zu kommunizieren“, oder „Caspar Buechfelder zu Eschenbach wurde drei Tage und Nächte bei Wasser und Brot ins Gefängnis gesteckt, weil er zur österlichen Zeit nicht gebeichtet und kommuniziert hatte“.

Ausschank bestraft

Als religiöse Verfehlung wurde auch die Auswirkung großer Freude geahndet: „Michl Kholer Rathsbürger hat sich weil seine Frau niedergekommen war angetrunken. In diesem Zustand lief er zum Pfarrer um die Taufe zu bestellen und um das Sacrament zu begehren. Er tat dies aber in seinem Zustand einer unwürdigen Weise; er konnte sich aber später daran nicht erinnern. Er wurde daher mit 1 fl 30 X gestraft.“ Beispiel einer weiteren Haftstraße: „Hans Schärmbacher Bürger von Eschenbach hat am Hl. Pfingsttag unterm Gottesdienst an fremde lutherische Mezger aus Nürnberg Bier ausgeschenkt. Die Fremden sind sehr laut geworden und fingen zu schreien an. Dies ärgerte die anderen Bürger. Schärmbacher wurde für 6 Stunden ins Gefängnis gesteckt.“

Besinnliches und Skurriles rund um Ostern

Amberg

Wie wäre nach damaligen Maßstäben wohl das Verhalten eines Eschenbacher Zwillingspärchens beurteilt worden, das inzwischen zirka vier Jahrzehnte zurückliegt. Die schlitzohrigen Mädchen interessierten sich, wie ein anderer Beichtvater ihre Verfehlungen wohl beurteilen und eine andere Buße aussprechen würde. Sie entschlossen sich daher nach der Beichte beim Herrn Pfarrer zu einem erneuten Sündenbekenntnis im vorderen Beichtstuhl, in dem ein Pater aus Speinshart die Beichte abnahm. Die Mädchen wollten wissen, was ein Klostermann zur Buße aufgibt.

Mit einer "Kandl" traktiert

Handgreiflichkeiten waren offensichtlich im 17. Jahrhundert nichts Besonderes. Albert Furtner wusste zu berichten: „ Hanns Paumann Bürgers und Schneiders Weib ist um 1 fl 4 ß 4 d gestraft worden, weil sie die hiesige Schuelmeisterin blutrünstig geschlagen“ oder „Hans Viechtl von Netzaberg hat bei einer Bierzeche den Peter Becher zu Stegenthumbach nicht nur mit Schlägen traktiert sondern auch mit einer Kandl. Er mußte 2 fl Strafe erlegen“.

Folgen hatte auch üble Nachrede. Beweise dazu lieferte Furtner mit: „Sebastian Regners Eheweib hat die Löwin beim Verhör eine Schlampe und ein Lusch genannt. Sie wurde zu 1 / 2 Tag in der Geigen verurteilt“ oder „Hans Albersdorfer und Hans Heinl Tagwerker von Kleinkotzenreuth nannten den Claudius Noe Bürger von Eschenbach einen Schelmen. Sie mußten dafür 1 / 2 Tag ins Gefängnis“.

Umtriebige Schlossergattin

Bei seinen Nachforschungen war Furtner auf mehrere Geschichtchen gestoßen, die er unter “Sexualdelikte“ zusammenfasste. 1651: „Es wurde bekannt, daß Hans Meier, Sohn des Mathes Mayer Bürger und Schneider zu Eschenbach mit der Margaretha Weiß, dem Eheweib des Schlossers Georg Weiß Leichtfertigkeit vorgehabt hatte, dadurch, der Schlosserin Mann ihn auf dem Boden bei seinem Web – doch nicht in Verübung eines bösen Werkhs - erdappt hatte, er wollte ihn außerdem noch aus dem Fenster werfen. Der Meier Hans wurde daher für 8 Tage in Eisen und Banden ins Gefängnis gesperrt.

Die Schlosserin aber, wie bekannt wurde, hat ihren Mann, nachdem dieser mit dem jungen Hans Meier vorher in seinem Haus Bier getrunken und Tabak geraucht hatte, mit ‚rauchen Worten‘ ins Bette geschickt. Da ihr Mann nicht gleich Folge leistete drohte sie ihm mit einem Leuchter: ‚Pack dich ins Beth, oder bei den tausend schlappers, ich schmeiß dir den Leuchter an den Kopf‘. Der Schlosser ging darauf. Sie hingegen winkte dem jungen Meier auf den Boden und hat ihn zur ‚Leichtfertigkeit angereizt‘. Sie wurde zur Strafe einen halben Tag in die Schandsäule geschlagen.“

Keinen Wein für den Pfarrer

Unter „Sonstiges“ berichtete Furtner noch: „1657: Michael Kholler Rhatsbürger und Gastgeb wurde um 1 fl 30 X gestraft, weil er am Pfingsttage keinen Wein hatte. Dies war Ursache dafür, daß der Herr Pfarrer die Messe nicht celebrieren konnte noch daß die Procession statt fand.“

Info:

Währungsangaben:

  • fl – Gulden (= 60 Kreuzer)
  • X – Kreuzer (= 60 Heller)
  • ß – Schilling
  • d – Pfennig
  • hl –Heller
  • 1 fl + 30 X = 1 Reichstaler
  • Preisvergleich: 1 Schaf kostete 1 Gulden, 1 Kalb 6 Gulden
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