18.03.2021 - 11:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Ostern folgt die Beichtkontrolle

Zur Vorbereitung auf das Osterfest dient auch die Osterbeichte. Wenigstens einmal im Jahr sollte der "echte Christ" zur Beichte gehen. Nach Ostern kommt mancherorts der Pfarrer in die Familien, um die Beichtzettel zu kontrollieren. Es soll vorgekommen sein, dass sie im Wirtshaus für eine Mass Bier die Besitzer wechselten.

Ausschnitt aus einem Beichtzettel von 1951.
von Josef SchmaußerProfil

Das Osterfest ist im christlichen Jahreskreis das Hauptfest. Viele Bräuche, manche bereits vergessen oder nicht mehr praktiziert, begleiten die Zeit vor und nach Ostern. Uralte, vorchristliche Formen sind im Herzen des Volkes unvergessen geblieben, teils verwandelt, mit neuen Symbolen überlagert und im christlichen Familien- und Volksleben teilweise tief verwurzelt.

Die Gläubigen sind angehalten, sich auf dieses Hochfest entsprechend vorzubereiten. Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Fastenzeit heißt nicht nur, weniger essen und trinken, sondern überhaupt weniger für sich selbst fordern und verbrauchen. Der Sinn: Der ganze Mensch soll frei und gesund werden, sich selbst wiederfinden. Das Einüben und Verwirklichen, was wir durch die Taufe geworden sind: der neue Mensch, in dem Christus sichtbar wird. Das Gesetz Christi: nicht fordern, sondern schenken; loslassen, sich selber lassen und wie durch den Tod hindurch das neue, größere Leben gewinnen.

In Sack und Asche

Beim Zeichnen mit dem Aschenkreuz spricht der Pfarrer: "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst." Zur Buße geht man sprichwörtlich "in Sack und Asche".

Das 40-tägige Fasten ist seit dem 4. Jahrhundert bezeugt. Die Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern sind die Fastenzeit. Eigentlich sind es 44 Tage, aber die Sonntage sind ausgenommen. Fasten gibt es bei allen Weltreligionen: "Ändere dich selbst - und die Welt wird sich ändern. Reinige dich! - und die Welt wird dir heilig werden", lautet ein Spruch aus Indien.

Starkbierzeit

Doch die Menschen, auch früher die Mönche, waren erfinderisch. Die fünfte Jahreszeit, die Starkbierzeit, ist angebrochen. "Flüssiges bricht das Fasten nicht!", hieß und heißt das Motto. Frater Barnabas (eigentlich Valentin Stephan Still, geboren 1750 in Nittenau) wirkte auch im ehemaligen Paulanerkloster in Amberg. Später wurde er an das Paulanerkloster in München versetzt.

Im 18. Jahrhundert wurde es üblich, den bayerischen Kurfürsten zum alljährlichen Anstich des Starkbiers auf dem Nockherberg einzuladen und ihm mit den Worten "Salve pater patriae, bibas princeps optime!" ("Sei gegrüßt, Vater des Vaterlands! Trinke, bester Fürst!") die erste Maß zu kredenzen.

Pater Barnabas starb im Jahre 1798 in Au, einem Stadtteil von München. Seit den 1950er Jahren wird die Tradition des "Politiker-Derbleckens" medienreif präsentiert und dem jeweiligen bayerischen Ministerpräsidenten der erste Krug Bier mit den historischen Worten überreicht.

D'Beicht', macht leicht!

Zur Vorbereitung auf das Osterfest dient die Osterbeichte. Einmal im Jahr wenigstens sollte der "echte Christ" zur Beichte, zur Osterbeichte, gehen. Sogar Psychologen bestätigen: "D'Beicht', macht leicht!"

Der im April 2017 verstorbene, unvergessene Amberger Stadtpfarrer von St. Martin und Präses der dortigen Kolpingsfamilie, Monsignore Franz Meiler, würzte seine Predigten gerne mit humorvollen Anekdoten oder Witzen. Bei seiner letzten Predigt auf dem Amberger Bergfest 2016 gab er zum Thema Beichten diese "einfühlsame" Beichtgeschichte zum Besten: Eine Bäuerin schickte ihren Ehemann zur Osterbeichte. Der Pfarrer, der sein Ohr und Herz nahe bei den Menschen hatte, fühlte die "Bedrängnis", als sich der Bauer im Beichtstuhl niederkniete. "Was homma denn?, fragte der Geistliche. "Na, wos ma halt so hot!", presste der Bauer hervor. "Na, dann homm as schou! Ego te absolvo!" So würde wohl jeder gerne beichten.

Sünden "wej fern"

Eine weitere Geschichte zum Thema Beichten geht in ähnliche Richtung: Nach den Eingangsworten im Beichtstuhl öffnete das Bäuerlein sein Herz: "I hob ja niert vü. Wej fern!" (wie letztes Jahr). Der Pfarrer etwas unwirsch: "Naa, guater Mann, so gejht des niert!" "Also, dann halt wej vorfern!" (wie vorletztes Jahr) lautete die kurze Beichte.

Damit die Ortsgeistlichen auch kontrollieren konnten, dass ihre jugendlichen und erwachsenen Schäflein dieser Christenpflicht nachgekommen waren, wurden Beichtzettel verteilt, manche sogar mit einer Perforation versehen, welche der Pfarrer dann nach Ostern bei Hausbesuchen abtrennte, damit keine "Wiederverwendung" möglich war.

Geldspenden

Diese Hausbesuche nach Ostern dienten auch dem Kontakt mit seinen Gläubigen. Dem Pfarrer wurde auch eine Geldspende, die je nach den finanziellen Möglichkeiten der Familien von 5, über 10 bis 20 Mark reichte, übergeben. Der Pfarrherr schenkte den Kindern dann ein Heiligenbildchen. Diese Tradition endete in unserer Gegend so um 1965. Manche im Dorf nahmen das Beichten nicht so ernst und verhökerten ihren Beichtzettel im Wirtshaus für eine oder zwei Mass Bier. Die Osterbeichte war auch nach den Osterfeiertagen noch möglich. "Dou kumma nou bloß meja die Rossdöibm", wurde geneckt - also die Leute mit den größeren Sünden, eben die "Pferdediebe".

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