13.01.2022 - 10:46 Uhr
EschenbachOberpfalz

Wo Christbäume länger stehen bleiben dürfen

In diesen Tagen liegen viele Christbäume schon an den Straßenrändern – manchmal wie ein Häufchen Elend, manchmal fast tadellos. Wenn sie Glück haben, dürfen sie aber auch noch länger in den guten Stuben bleiben.

Die Nordmanntanne in der St.-Josef-Kirche in Weiden ist heuer über zehn Meter hoch. Bis Lichtmess bleibt der Baum stehen.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

In der Zeit nach Dreikönig sind im Landkreis Neustadt und in Weiden die Abholtrupps unterwegs und sammeln Christbäume ein. Doch manche Leute lassen sie länger als nur zwei oder drei Wochen im Wohnzimmer stehen. Wir haben uns bei einigen umgehört.

Martin Gottsche, Eschenbach

Martin Gottsche, Leiter des Forstreviers Eschenbach, hat zu Hause eine Kiefer als Christbaum. Sie steht dort schon seit Anfang Dezember, sieht noch tadellos aus und würde "wahrscheinlich auch noch vier Wochen halten". Am kommenden Wochenende kommt sie trotzdem raus.

Martin Gottsche, Leiter des Forstreviers Eschenbach, hat seinen Christbaum schon Anfang Dezember aufgestellt. Es ist eine Kiefer, frisch geschlagen nach dem Mondkalender. "Die hält länger durch und würde wahrscheinlich auch noch vier Wochen halten." Nach sechs Wochen ist aber an diesem Wochenende Schluss. Denn: "Die Vorfreude auf Weihnachten ist größer als die Nachfreude", sagt Gottsche.

Den Baum so lange stehen zu lassen, sieht der Forstmann als Zeichen der Wertschätzung an. Außerdem hat ein heimischer Waldbaum auch eine ganz andere "Qualität gegenüber einer Tanne aus dem Ausland, die schon im Oktober geschlagen wird". Nun steht noch die "feierliche Christbaumverbrennung" samt Verabschiedung an. Der Stamm wird zersägt und kommt in einen Feuertopf im Garten, Äste und Nadeln bringt Gottsche zurück in den Wald.

Christina und Werner Rosner, Flossenbürg

Die Nordmanntanne von Christina und Werner Rosner aus Flossenbürg darf ebenfalls bis 2. Februar bleiben.

Christina und Werner Rosner hatten sich "seit langem mal wieder für eine Nordmanntanne entschieden". Bei einem Anbieter aus der Region haben sie den Baum am dritten Adventswochenende ausgesucht und abgesägt, "allein das ist schon ein schönes Erlebnis". Bis Lichtmess bleibt er stehen, "weil es so Tradition ist, aber das machen ja nicht mehr so viele", sagt Christina Rosner. Auch wenn er mit zunehmender Zeit "nur noch zum Bestaunen ist und nicht mehr zum Anfassen, weil er so nadelt", schmunzelt die Flossenbürgerin. "Wir hoffen aber, dass er durchhält." Neben traditionellen Weihnachtskugeln in Rot und Silber hängen auch solche am Baum, die die Familie aus Urlauben mitgebracht hat. "So entstehen noch einmal im Kopf schöne Erinnerungen", erzählt Rosner.

Heimisch, ökologisch, frisch: So soll ein Christbaum sein

Neustadt an der Waldnaab

Außerdem fallen ihr immer noch Geschichten ein, in denen sich Bäume freuen, Christbäume sein zu dürfen. "Viele trennen sich schon am zweiten Weihnachtsfeiertag von ihrem Christbaum, ich könnte das nicht. Für mich selbst steckt noch so viel von dem tiefen Weihnachtsgefühl der Freude, der Zufriedenheit und des guten Essens mit der Familie in dieser Zeit. Und der geschmückte Baum strahlt dazu ein gemütliches und stimmungsvolles Ambiente in den Raum aus. Wir freuen uns jeden Abend über den Lichterglanz in unserem Wohnzimmer." Von der Straße aus ist der Baum übrigens gut zu sehen, Passanten oder Autofahrer freuen sich, "gerade abends, wenn er leuchtet". Nach dem 2. Februar heißt es dann Abschied nehmen, der Stamm landet später Stück für Stück im Holzofen.

Anna Plank, Vohenstrauß

Bei der Vohenstraußerin Anna Plank darf eine Nordmanntanne noch bis Ende Januar Christbaum sein.

Anna Plank hat ebenfalls eine frisch geschlagene Nordmanntanne, die sie noch bis Ende des Monats stehen lassen will. Allerdings kommt es auf den Zustand des Baums und das Wetter an. "Falls es draußen wärmer wird oder sonnig, dann kommt er früher raus." Wegen Heizungsproblemen war es im Zimmer diesmal zu warm, der Baum ist daher nicht mehr in bester Verfassung. "Aber abends ist es noch schon, wenn er noch da ist, dann ist es noch heimelig." Und in ihrem Elternhaus sind als Christbäume oft Fichten bis Ende Januar im Zimmer geblieben, obwohl sie schon genadelt haben.

Die Vohenstraußerin findet es außerdem wichtig, "die Weihnachtszeit einzuhalten". Gar nicht gefällt ihr, dass es jetzt in den Geschäften schon Osterhasen gibt. Nicht immer schon einen Schritt weiter sein sondern das genießen, was ist, lautet demnach ihre Devise. "Aber da haben viele Leute wohl nicht mehr die Muße", vermutet Plank. Manche ausgedienten Christbäume, die jetzt an den Straßenrändern der Dinge harren, tun ihr richtig leid, weil sie noch gut aussehen. Bei ihrer Tanne wird sie am Ende die Äste abzwicken und im Frühling in den Grüngutcontainer im Bauhof entsorgen. Der zersägte Stamm kommt auch hier in den Holzofen.

Pfarrer Markus Schmid, St. Josef Weiden

Die Nordmann-Tanne in der St.-Josef-Kirche in Weiden ist über zehn Meter hoch. Bis Lichtmess bleibt der Baum stehen.

Die die aus einem Privatgarten stammende, über zehn Meter hohe Nordmanntanne in der St.-Josef-Kirche mit mehr als 500 Lichtern, 250 von den Schulschwestern der Pfarrei gebastelten Strohsternen und 75 mundgeblasenen Glaskugeln aus Neustadt bei Coburg ist noch bis Lichtmess zu bewundern. Aber warum darf ein Christbaum eigentlich so lange stehen bleiben? Pfarrer Markus Schmid weiß die Antwort: "Die Weihnachtszeit endet am Sonntag nach Dreikönig. Vor der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil dauerte die Weihnachtszeit noch bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn (Maria Lichtmess). Das ist der 40. Tag nach Weihnachten."

Dann "erinnern wir uns daran, wie Maria und Josef, dem damaligen Brauch üblich, das Jesuskind in den Tempel gebracht haben, wo der greise Simeon und die betagte Hanna prophetisch über das Kind sprechen und Jesus sozusagen das erste Mal seinem Volk Israel begegnet", informiert der Geistliche. "Insofern gehört dieses Fest, an dem auch die Kerzen gesegnet werden, noch zu den weihnachtlichen Erzählungen. Deswegen lassen wir den Christbaum noch bis Lichtmess stehen, entzünden die Kerzen aber nach dem Fest der Taufe Jesu nur noch einmal am 2. Februar."

Das Stehenlassen bis zu diesem Datum ist für Schmid außerdem "Zeichen der Wertschätzung all jenen gegenüber, die die Christbaumaktion mit viel Aufwand und Herzblut stemmen". Der Baum wird am 3. Februar abgebaut und dann zum Feuerplatz für das Johannisfeuer gebracht. "Viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung bestärken uns, die Christbaumaktion auch weiterhin so beizubehalten. Der Christbaum in seiner Pracht erfreut das Herz der Gläubigen, hüllt die Kirche in stimmungsvolles Licht, unterstreicht ihre unverwechselbare Schönheit und lässt die Seele zur Ruhe kommen."

Auch bei einigen Oberviechtachern stehen die Christbäume noch in den Wohnzimmern

Oberviechtach
In diesen Tagen liegen vielerorts Christbäume zur Abholung bereit. So auch diese beiden. Der vordere sieht eigentlich noch tadellos aus, der hintere eher nadellos.
Service:

Christbäume entsorgen

  • Christbäume, die länger stehen bleiben, können wie alle größeren Gartenabfälle zerkleinert und in Grüngutcontainer gegeben beziehungsweise zu Grüngutsammelplätzen gebracht werden
  • Im Landkreis Neustadt beginnt die Grüngutsaison je nach Wetter wieder Mitte März

Quelle: Landratsamt Neustadt

 

 

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