27.11.2020 - 11:10 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbacher Straßenpflaster auch vor 150 Jahren schon Diskussionsthema

Die SPD-Fraktion brachte zuletzt im Stadtrat Eschenbach einen Antrag wegen des Straßenpflasters am Stadtberg ein. Ein Thema, das es in Eschenbach auch früher schon gab, wie ein Blick in die Historie beweist.

Marienplatz 1957: Die Pflasterung hatte noch Vorkriegsqualität
von Walther HermannProfil

In seiner Oktobersitzung hatte sich der Stadtrat mit einem Antrag der SPD-Fraktion auf "Auswechslung des Pflasterbelags ost- und westwärts des Rathauses in einen Asphaltbelag und Instandsetzung des Übergangs Pflasterbelag im Bereich des Vermessungsamtes" zu befassen. Da noch ein Zweifel zum Ablauf der Bindefrist der Förderung der innerstädtischen Straßenbaumaßnahme im Rahmen der Altstadtsanierung bestand, wurde der "Asphaltantrag" der SPD bis zur Klärung von Förderkriterien und -fristen bei der Regierung der Oberpfalz zurückgestellt.

Der Zustand der innerstädtischen Straßen sorgt seit 150 Jahren für reichlich Gesprächsstoff. Erkannte das Bezirksamt bei einer Besichtigung im Jahr 1878 "von Wildwasser zerstörte" Seitenstraßen und stellte den Vergleich mit einer "Pfütze" an, wünscht sich die SPD-Fraktion in einem Antrag an den Stadtrat die Entfernung des Straßenpflasters, um das Rathaus zugunsten einer Bitumenauflage. Der Magistrat, die Gemeindebevollmächtigten der Stadt und das königliche Bezirksamt hatten im 19. Jahrhundert in Sachen Straßenpflaster andere Sorgen. Es bestanden erhebliche Finanzierungsprobleme zur Schaffung eines "ordentlichen Pflasters" auf der ruinösen Hauptstraße und zur Sanierung der Nebenstraßen.

In den "Eschenbacher Stadtboten" der Jahre 1988 und 1989 befasste sich Bruno Uhl, damals Geschäftsleiter im Rathaus, umfassend mit den Eschenbacher Straßenpflasterungen von 1874 bis 1950. Als Grundlage dafür dienten ihm nur noch spärliche Unterlagen im städtischen Archiv. Dazu gehörte ein Akt "Das Straßenpflaster der Stadt Eschenbach und die Herstellung des Trottoirs", der ab Januar 1874 teilweise Aufschluss gibt über die Geschichte des Straßenpflasters in Eschenbach. Uhl berichtet von einem Protokoll über eine gemeinsame Sitzung des Magistrats und der Gemeindebevollmächtigten vom 5. Mai 1874, in dem vermerkt ist, dass zur Finanzierung einer Pflasterung im Jahr 1854 Erlenbäume abgehauen und verkauft wurden. Er erwähnt auch, dass bereits vor 1836 und soweit feststellbar bis 1909 Pflasterzoll von allen Auswärtigen, die das Straßenpflaster in Eschenbach mit Tieren und Fuhrwerken berührten, eingehoben wurde.

Eingehend befasst sich Uhl mit dem Dilemma, das dem Magistrat am 20. April 1874 mit Eingang einer Anordnung des Bezirksamts entstand. Mit der Abschrift eines Gutachtens des Königlichen Straßen- und Flußbauamtes Amberg wurde der sofortige Vollzug zur Beseitigung der seit Jahren bestehenden Übelstände bis zum 1. August angeordnet. Das Gutachten bezieht sich auf die Brandkatastrophen der Jahre 1867 und 1868 und fordert, nachdem bereits sämtliche Brandstätten neu aufgebaut sind, vor allem in Ledergasse und Wassergasse die Planierung und Nivellierung, die Tieferlegung eines gepflasterten Grabens und das Schmälern einer Dungstätte um einen Meter zugunsten der Gassenerweiterung.

Der Kostenvoranschlag des Bayreuther Pflastermeisters Andreas Ernst vom 24. April 1874, den dieser im Auftrag des Bezirksamts für die "ruinöse Hauptstraße" und sämtliche Seiten- und Nebengassen erstellte, belief sich auf 22.291 Gulden und 3 Kreuzer. An Materialbedarf waren geschätzt 3439 Haufen Pflastersteine und 3434 Fuder Sand. An Schutt wären 1866 Fuder abzufahren gewesen. Zu den in dem Kostenvoranschlag enthaltenen Zahlenangaben führt Uhl aus: "Umgerechnet auf heutige Maße ergeben die veranschlagten Straßen- und Gassenflächen etwa 23.500 Quadratmeter und die Ableitungsrinnen 1000 Quadratmeter.

Der heutige Flächeninhalt von Flurnummer 33/2 mit Karls- und Marienplatz, Brunn- und Färbergasse, Stadtmauerweg, Wasser- und Ledergasse samt sämtlichen Seitenstraßen zum Stadtplatz beträgt 30.389 Quadratmeter. Berücksichtigt man dabei, dass in dem Kostenvoranschlag sogenannte chaussierte Straßen, die nicht gepflastert werden sollten, bestanden, so dürfte sich der Kostenvoranschlag fast auf den gesamten heutigen Altstadtbereich erstreckt haben.

Die im Sommer 1874 begonnenen Reparaturarbeiten reichten dem Bezirksamt nicht aus. Sie wurden als "höchst notdürftig" und als keineswegs geeignet bezeichnet, "den bestehenden großen Übelständen auf die Dauer abzuhelfen". Die Nebenstraßen seien in einem Zustand, "welcher dem einer Dorfstraße gleichkommt". Eingehend beleuchtet Uhl die damalige Finanzlage der Stadt und die begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten der angeordneten Straßenpflasterungen. Er geht ein auf die Inhalte eines langen und regen Briefwechsels zwischen Magistrat und Bezirksamt, auf die Geldbeschaffungsversuche der Stadt und die mitunter mühsame Beschaffung von Pflastermaterial.

Zu Letzterem schreibt er: "Auf Anfrage des Bezirksamts vom 18. Juli 1877 berichtete der Magistrat am 20. Juli, weshalb die Pflasterung 'so langsam Fortgang nimmt'. Schuld war der Mangel an Pflastersteinen. Der Ziegeleibesitzer Specht aus Grafenwöhr habe sein Versprechen, Pflastersteine 'in Gmünd auszumitteln' nicht gehalten. Dazu sei der Bayreuther Pflastermeister mit Akkordarbeiten vollauf in Anspruch genommen und anderswo Arbeiter nicht zu haben."

Der kommunale Akt "Das Straßenpflaster der Stadt Eschenbach" enthält auch Beschwerden von Anliegern, die das Bezirksamt zum Anlass nahm, am 1. Juni 1978 einen Teil der Ortsstraße zu besichtigen. Dazu scheibt Uhl. "Es fand dabei, dass der Seitenweg, durch welchen man von der Hinteren Burgergasse an dem Anwesen Hs.Nr. 11 des Johann Höllerl (heute Ledergasse 12) und Hs. Nr. 112 des Lorenz Rohrer (Ledergasse 11) vorbei in die untere Ledergasse gelangt, durch ein von deren unweit oberhalb gelegenen Brunnen abfließendes Wasser und durch das sich erst angesammelte Wildwasser in der Weise aufgerissen und zerstört ist, dass ein Passieren der Fuhrwerke zumal bei dem abschüssigen Terrain fast unmöglich ist und während dem Winter fast fortwährend eine Eisdecke liegt.

Für das Jahr 1880 enthält der Akt Angaben, dass der Magistrat im Mai die Pflasterungen fortsetzen ließ. Dabei wurde mit der Pflasterung des Trottoirs auf der linken Seite der "oberen Stadt" begonnen. Die rechte Seite folgte im Juli 1880. 26 Hauseigentümer hatten wieder den Gehsteig auf ihre Kosten zu pflastern.

Mit der Pflasterung des Stadtplatzes von Eschenbach im angehenden 19. Jahrhundert befasste sich Albert Furtner in der Publikation "Heimat Eschenbach 1997". Bei seinen Forschungsarbeiten war er im Staatsarchiv Amberg auch auf einen Akt der Pflastergeschichte Eschenbach gestoßen, der mit einem Schreiben des Stadtmagistrats an das Königliche Landgericht Eschenbach vom 17.8.1809 beginnt: "Die unterfertigte Communal Administration ist gesonnen, das stark ruinierte Pflaster allhier heuer noch einer Haubt Reparatur zu unterlegen. Da solches vorzüglich durch die dermahlen vom Grünhunder Wald herkommenden schweren Holz- und Streuwägen der Bewohner von Tremmersdorf, Höfen und Haselbrunn mit verdorben wird; so ist es auch billig, daß dieselben auch hierzu einen Beitrag machen weil sie Pflasterzoll frey belassen wurden. An das königliche Landgericht wird nun das gehorsamste Anliegen gestellt, daß obige jenseitige Unterthanen aufgefordert werden möchten, daß die selbe von dem nächst dem Barbaraberg sich befindlichen Pflastersteine und zwar unmasgebig dem Hoffuß nach eine verhältnismäßig Fuder Zahl herbeizuführen haben."

Im weiteren Verlauf seines Beitrags berichtet Furtner, dass die übergeordnete Behörde von der Notwendigkeit einer Straßenpflasterung nicht überzeugt war und die Communal Administration in Eschenbach eine Zurechtweisung bezüglich der angestrebten Baumaßnahme erhielt. Denn in einem Schreiben des General Commissariats des Mainkreises vom 2.5.1815 heißt es: "Da durch Eschenbach keine Commerzialstraße (womöglich eine Art Handelsstraße) führt, sohin ein kostspieliger Pflasterbau in Eschenbach kein bedingtes und unvermeidliches Bedürfnis ist, so müßte die Verwendung einer so beträchtlichen Summe hierauf von mehr als 5 000 fl (Gulden) umso mehr als eine Verschwendung angesprochen werden als die Commun Kasse die erforderlichen Mittel hierzu nicht besitzt." Die weitere Forschungsarbeit bringt Furtner zu dem Schluss, dass "noch im Jahr 1816 mit der Pflasterung des Stadtplatzes und der Straße von Eschenbach begonnen wurde."

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Eschenbach
Karlsplatz 1950er Jahre: Für die Pflasterung neben der Durchgangsstraße waren Kieselsteine verwendet worden, zwischen denen sich sogar leichter Graswuchs entwickelte.
Die SPD-Stadtratsfraktion beantragt das Pflaster um das Rathaus durch einen Asphaltbelag zu ersetzen.
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