29.05.2020 - 13:34 Uhr
EschenbachOberpfalz

Gemütliche Wanderung auf dem "Weg des Lebens"

Was tun an den freien Tagen zu Pfingsten? Coronabedingt sind große Ausflüge eher die Ausnahme. Da ist eine erholsame Pfingstwanderung oder eine gemütliche Radltour in heimatlichen Gefilden eine gute Alternative.

Eine Tour entlang des Naturschutzgebietes "Eschenbacher Weiherkette" eröffnet Wanderern und Radlfahrern Einblicke in eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt.
von Robert DotzauerProfil

Auf einer bemerkenswert landschaftlich, geschichtlich und kulturhistorisch geprägten Strecke zu wandern oder zu radeln, das garantiert der „Weg des Lebens“. Er führt durch die Georegion „Oberpfälzer Hügelland“ und entstand in Zusammenarbeit mit den Gemeinden im Vierstädtedreieck, dem Geopark Bayern-Böhmen, den Bayerischen Staatsforsten und dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald.

Auf 50 Kilometern radeln oder wandern die Besucher durch 5000 Millionen Jahre der Geschichte des Lebens. Mehr als 20 Zeitstationen - dreisprachig in Deutsch, Tschechisch und Englisch - informieren auf Europas einzigem Themenweg dieser Art über die Entwicklungsschritte von der Entstehung der Erde bis in die Gegenwart. Eindrucksvolle Bilder von bekannten internationalen Grafikdesignern führen in die Urzeit oder den Mikrokosmos.

Ein kleines Teilstück von sieben 7 Kilometern Länge eröffnet sich auf familiengerecht ausgebauten Forststraßen und Waldwegen ab dem Parkplatz "Holzmühle". Die Strecke entlang des Naturschutzgebietes „Eschenbacher Weiherkette“ gewährt faszinierende Einblicke in Tier- und Pflanzenreichtum. Sie thematisiert die Verbundenheit des Menschen mit der ihn umgebenden Natur und überrascht nicht nur mit Schautafeln und Wegmarken zur Geschichte des Lebens, sondern auch mit kulturhistorischen Stationen.

Schon die Hinweistafeln der bayerischen Forstverwaltung am Start- und Zielpunkt am Parkplatz "Holzmühle" mit Zufahrt über die Staatsstraße 2122 nur wenige hundert Meter vom renommierten Fischlokal "Holzmühle" entfernt haben einen hohen Informationswert. Die Routenführung unterscheidet zwischen einer Kurzstrecke von zirka vier Kilometern (Weg eins), die vom Parkplatz entlang der Weiherkette zur Haarkapelle und auf dem Höhenweg vorbei an der Sendetzky-Kapelle wieder zurück zum Start-/Zielpunkt führt, und einer sieben Kilometer langen Strecke (Weg zwei).

Der Radl- und Wanderspaß für jedermann weckt besonders auf der längeren Tour Neugierde. Schon die Informationstafeln am Anfang geben zum Teil geschichtliche Erläuterungen über das Land der vielen Teiche und Kraftorte. Im Vordergrund stehen dabei die Besonderheiten des Naturschutzgebietes, die Haar-Kapelle, die Rote Marter und die historische „Bi-Stubm“.

Dem gesundheitsbewussten Naturfreund begegnet entlang von Straß-, Kulmberg-, Stock- und Böllerweiher zunächst eine beschauliche Urlandschaft mit großer Tier- und Pflanzenvielfalt. Die Entstehungsgeschichte dieser Wasserwelt reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück.

An der Haarkapelle setzt sich dieses Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne fort. Die Sandsteinstufen am Eingang sind schon abgetreten: ein Hinweis auf die vielen Besucher, die seit langer Zeit im Gebet bei der Muttergottes Trost und Hilfe suchen. In der Stille des Waldes schätzen die Gläubigen den lauschigen Platz um das Maria-Himmelfahrts-Kirchlein als Ort der Entspannung, der Erholung und des Gebets.

Einige Sagen und Legenden ranken sich um die Vorgeschichte der Kapelle. Es sind spannende Geschichten über finstere Gesellen, die einem Pfarrer auf dem Weg zu einem Sterbenden auflauerten, oder über einen Bauern, der sein vorloren gegangenes Ochsengespann nach einem Stoßgebet zur Muttergottes wiederfand.

Die „Rote Marter“ bildet eine weitere Station auf dem "Weg des Lebens". An einer mittelalterlichen Straßenkreuzung diente der Bildstock der Orientierung im Gelände. „Sagenhaft“ ist die Schilderung über eine verübte Bluttat. Eine Erzählung handelt vom Schicksal eines Försters, für den sich Räuber eine besondere Folter ausgedacht hatten: An Händen und Füßen gefesselt, ließen sie den Forstmann mit dem Kopf nach unten über einem Ameisenhaufen hängen.

Eine zufällig beim Holzsammeln vorbeikommende alte Frau aus Ernstfeld befreite den als sehr streng eingestuften Förster aus seiner tödlichen Gefahr, heißt es in der Legende. Aus Dankbarkeit soll der Waldhüter die "Rote Marter" errichtet haben. Den Bildstock zieren mit den Bildnissen von Hubertus, Leonhard, Christopherus und Georg gleich vier Heilige.

Ein Muss ist der Abstecher zur „Bi-Stubm“. Sie umrankt ein weiteres Geheimnis. Der einzigartige Steinkreis aus Sandstein-Mauerwerk mit etwa zehn Meter Außendurchmesser beschäftigt seit langer Zeit die Wissenschaft. Erkundungsgrabungen mit dem auch auf dem Rauhen Kulm tätigten Archäologen Dr. Hans Losert und Studenten der Universität Bamberg lassen auf eine Waldimkerei aus dem 15. Jahrhundert schließen. Bereits eine 1432 ausgestellte Urkunde weist die „Zeidelweide“ als Eigentum von Pfalzgraf Johann aus. In einer Landkarte von 1530 ist der Platz als „Bi-Stubm“ eingezeichnet.

Andererseits lässt die stattliche Mauerdicke von rund einem Meter eine wehrhafte Nutzung vermuten. Noch ist völlig unklar, welchem Zweck dieser gemauerte Ring einmal gedient haben könnte. Jedenfalls erzählen die Steine der „Bi-Stubm“ eine spannende Geschichte, die vor Ort auf einer Infotafel ausführlich aufgezeigt wird.

Die sieben Kilometer lange Teilstrecke des „Weg des Lebens“ ist mit diesem spektakulären und noch zu lüftenden Geheimnis längst nicht zu Ende. Zurück auf dem Hauptweg geht es in Richtung der Ortschaft Haar. Kurz Innehalten gilt es an der Waldkapelle der Familie Sendetzky. Zum Verschnaufen und zum Auspacken der Brotzeit lädt einige hundert Meter weiter ein rustikaler Pavillon des Staatsforstes ein.

Am öffentlichen Parkplatz „Holzmühle“ endet die erlebnisreiche Tour. Mit dem Besuch der gleichnamigen Gaststätte wird sie schließlich zur Genusstour. Also schnell hineinschlüpfen in die Wanderschuhe oder 'rauf aufs Rad. Der Körper verlangt nach Bewegung, der Geist nach Abwechslung.

Die Rote Marter umgibt eine schaurige Legende.
Auch die Gründungsgeschichte der Haarkapelle ist sagenumwoben.
Auf dem Weg des Lebens erfahren die Per-Pedes-Jünger und Biker viel über die Geschichte des Lebens.
Die Rote Marter umgibt eine schaurige Legende.
Eine Wandertafel des Staatsforstes am öffentlichen Holzmühl-Parkplatz gibt den Besuchern Orientierung.
Ein Hauch von Mittelalter begegnet dem Besucher an der "Bi-Stubm".

Ein weiterer Tipp für Wanderer

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