15.08.2019 - 18:00 Uhr
EschenbachOberpfalz

Hans Rupprecht aus Eschenbach leistet Entwicklungshilfe in Indien

Hans Rupprecht aus Eschenbach will den Menschen in Nagaland ein besseres Leben ermöglichen. Deshalb fliegt er als Entwicklungshelfer in die abgelegene Bergregion im Nordosten Indiens. An einfache Lebensverhältnisse ist er bereits gewöhnt.

Freut sich schon auf seine Reise nach Indien: Hans Rupprecht zeigt seiner Frau Petra Bilder aus Nagaland.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Große Sorgen mache sie sich nicht um ihren Mann, wenn er in Indien unterwegs ist, sagt Rita Rupprecht und lächelt. Als ehemaliger Berufssoldat mit Einsätzen im Kosovo und in Afganistan sei Hans Rupprecht ohnehin an einfache Lebensverhältnisse gewöhnt. In ein paar Wochen ist es wieder so weit: Dann fliegt der Frühpensionist das fünfte Mal nach Zubza, um drei Monate lang in der Bergregion im Nordosten Indiens Entwicklungshilfe zu leisten. In dem kleinen Ort Peducha, wo Rupprecht in einem Kloster der Salesianer Don Boscos unterkommt, könne es durchaus passieren, dass er für einige Tage keinen Internet-Empfang habe und nicht erreichbar sei. Dann gelte das Motto: "Solange du nichts von mir hörst, ist alles in Ordnung."

Besonders gefährlich sei es in dem Bundesstaat Nagaland nicht, sagt der 58-Jährige. Zudem kenne er die Region mittlerweile ziemlich gut. Die Kommunikation mit den Einheimischen sei kein Problem. Mit den Jüngeren unterhalte er sich auf Englisch. Die älteren Nagas sprechen vor allem in ihrer Stammessprache. "Im Nagaland leben zwölf Stämme, die jeweils eine eigene Sprache sprechen." Im Gegensatz zum restlichen Indien seien die meisten von ihnen Christen. Das erleichtere den Umgang.

Eine andere Lebenswirklichkeit

Nach Indien flog der gelernte Küchenmeister aus Eschenbach das erste Mal im Jahr 2014. Damals hatte er in unserer Zeitung eine Anzeige des Entwicklungshelfers Walter Rinderer gelesen, worin dieser einen Begleiter suchte. Rupprecht war sofort begeistert. Er habe damals den Einheimischen vermitteln wollen, wie sich Lebensmittel konservieren lassen. Außerdem hatte er die Idee, einen Felsenkeller zu bauen, um darin Nahrung kühl lagern zu können. "Aber in Nagaland herrscht eine andere Lebenswirklichkeit als bei uns." Mit seinen Vorschlägen sei er zwar zunächst auf Interesse gestoßen. Dieses flaute jedoch ebenso schnell wieder ab. "Die Nagas essen hauptsächlich Reis. Die Männer gehen in den Dschungel und erlegen, was es gibt: Schlangen, Vögel, Affen. Konservierung entspricht nicht deren Lebensweise. Sie leben von heute auf morgen."

Doch Rupprecht glaubt: Es ist nicht sinnvoll, den Menschen seine eigenen Vorstellungen aufzudrängen. "Man muss sie akzeptieren und machen, was sie wirklich wollen." Deshalb hat er sich Zeit genommen, um ihre Lebens- und Denkweise kennenzulernen. "Es geht immer auch darum, Vertrauen aufzubauen. Das Leben ist dort anders, als wir es hier gewöhnt sind. Es gibt kein Hotel, keine Wirtschaft. Jeden Dienstag ist Markt, bei dem insgesamt vier Händler Bekleidung, Schuhe und Lebensmittel wie Fleisch, Gemüse und Fisch verkaufen."

In Peducha gebe es fünf Fahrzeuge, der Rest gehe zu Fuß. Ein Schulkind habe einen täglichen Schulweg von eineinhalb Stunden. Das kann durchaus gefährlich sein, etwa wenn zwischen April und August Monsun herrscht und Bergrutsche alltäglich sind. Die Menschen leben in einfachen Bambushütten mit einem Dach aus Wellblech. Darin gibt es einen Wohnraum mit offener Feuerstelle und einen Schlafraum. Dort schläft die ganze Familie auf gestampftem Lehmboden. In der Regel teilt sie sich eine Bettdecke. "Auf 1200 Höhenmetern kann es nachts sehr kalt werden."

Hans Rupprecht will helfen

Rupprecht will den Menschen helfen, etwa dabei, eine Wasserversorgung zu installieren. "Momentan leben sie vom Fluss, aber es gibt keine Rückhaltebecken. Die Frauen transportieren das Wasser in einem Korb, den sie am Stirnband tragen." Während seiner vergangenen Aufenthalte ist es ihm gelungen, in der Schule und Konvents Wasserfilter zu installieren. "2016 haben wir einen Kinderspielplatz gebaut, der über Spenden aus Eschenbach finanziert wurde: den "Children's Park Eschenbach". In einem Blätterhaus, Schaukelkorb, auf Rutschen, Schaukeln oder einem Reck können sich die Kinder austoben. Kürzlich hat Rupprecht eine Spende erhalten, mit der er zusätzlich ein Kinderkarussell errichten lassen wolle. "Das wäre ein Novum im ganzen Land."

Außerdem plant er, das Altarbild der Kirche zu verschönern. Er will bei der Reisernte mitarbeiten und helfen, eine Zwischenfrucht zu pflanzen, um die Phasen sinnvoll zu überbrücken, in denen die Reisfelder brach liegen. Dafür nimmt er Saatgut für Gemüse, Obst oder Blumen mit. Außerdem hat er immer Zahnbürsten und Decken im Gepäck. Den Schülern bringt er rechnen, lesen und schreiben bei. "Ich werkle den ganzen Tag. 70 Prozent der Dinge, die ich den Leuten beibringe, setzen sie auch um. Insbesondere die Jungen sind sehr unvoreingenommen."

"Die Stimmenwelt im Urwald ist bombastisch", schwärmt er. "Man hört Vögel und Krächzlaute, die ich nicht definieren kann, weil ich die Tiere nicht kenne." Er freue sich auch auf die Menschen. "Das Dorf erwartet mich. Wenn ich ankomme, winken alle." Dann blickt er auf: "Für die Reisekosten komme ich persönlich auf. Das Geld aus den Spenden fließt ausschließlich in Aktionen vor Ort." Petra Rupprecht sieht ihren Mann an, während er in Fotoalben blättert. Ein wenig sorge sie sich schon. Aber sie sei daran gewöhnt. Er lächelt: "Ich komme genau zum Geburtstag meiner Frau zurück."

Den Kindergarten "Children's Park Eschenbach" haben die Entwicklungshelfer mithilfe von Spenden finanziert. Hier soll demnächst ein Kinderkarussell entstehen.
Dank der Wasserfilter können Kinder sauberes Wasser trinken.
Beim "Hornbill-Festival" zeigen die Nagas ihre traditionellen Trachten.
In Körben, die die Frauen an Riemen an der Stirn befestigen, transportieren sie Lebensmittel und andere Dinge.
Hand in Hand für Nagaland:

Gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos sucht Hans Rupprecht Paten, um die Schulen in Zubza und Peducha zu unterstützen und damit die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen in Nagaland zu verbessern. Mit einem Betrag von 80 Euro jährlich können Interessierte einen Beitrag zur schulischen Ausbildung der Kinder leisten. Idealerweise läuft die Patenschaft für die gesamte Schulzeit, maximal bis zur elften Schulklasse. Die Eltern in Zubza und Peducha zahlen zusätzlich einen kleinen Beitrag als Wertschätzung der schulischen Ausbildung selbst.

Interessierte wenden sich an Hans Rupprecht über die Telefonnummer 09645/6317 oder per Email an hans.rupprecht[at]t-online[dot]de. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage www.zubza.de.

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