24.08.2018 - 15:18 Uhr
EschenbachOberpfalz

Ein Hobby am Haken

Man nehme Mais, Getreide und trockene Semmeln, mische es zusammen und stelle es eine Woche in die Sonne - und fertig ist das perfekte Menü. Finden zumindest die Angel-Youtuber Lukas und Max.

Gesprächsstoff haben Lukas (links) und Max beim Angeln genügend.
von Marion Espach Kontakt Profil

Eschenbach. Gut: "Es schaut eklig aus und riecht auch so", geben sie zu. Karpfen, Wels und Rotauge scheint es aber zu schmecken. Die Tremmersdorfer Lukas Ring und Max Rodler sind leidenschaftliche Anger - und für den großen Fang nehmen sie einiges in Kauf. Auch, stinkende Köder vorzubereiten. "Je schlimmer sie riechen, desto besser. Da gehen die Fische wie blöd drauf ab."

Mit einem Köder allein ist es aber nicht getan. Bis ein Fisch anbeißt, heißt es meistens erstmal: warten. Sehr lange warten. "Manchmal sitzt man zehn Stunden da, und es passiert nichts", erklärt der 16-jährige Max. Und manchmal hat sich auch nach einer durchgeangelten Nacht noch nichts getan. "Dann packst du deine Ausrüstung ein und kommst ohne Fisch heim", meint Lukas (15).

Verschwendete Zeit ist es für sie trotzdem nicht. Für die beiden Tremmersdorfer ist Angeln nämlich mehr als nur Fischefangen: mit Freunden gemeinsam Zeit verbringen, lachen, zur Ruhe kommen, die Natur genießen. "Wenn dann noch was anbeißt, ist das nur die Krönung", erklärt Max. Doch nicht jeder sieht das so. Lukas hat schon oft gehört, dass es doch langweilig sei, dazusitzen und zu warten, bis man einen Fisch fängt. In Geduld mussten sich die Jugendlichen aber auch üben, bevor sie zum ersten Mal die Angel auswerfen durften. Für ihren Angelschein haben sie ein halbes Jahr zweimal wöchentlich die Schulbank gedrückt, gelernt und Literatur gewälzt. "Sechs Bücher mussten wir lesen", erinnert sich Lukas. Inzwischen besitzen beide seit etwa drei Jahren den Schein.

Ein Angelschein ist aber kein Garant für einen Fang. Bevor Lukas und Max ihre ersten Fische - Rotaugen, wie sie sich erinnern - aus dem Wasser ziehen konnten, mussten sie viel üben. "Allein für die Wurftechnik habe ich ungefähr ein viertel Jahr gebraucht", erinnert sich Lukas. Ein guter Lehrmeister war und ist sein Vater, zweiter Vorsitzender des Sportanglervereins (SAV) Eschenbach. Klar, dass da auch der Sohn und dessen Kumpel Max Vereinsmitglieder sind.

Beide haben schon viel Zeit und Geduld in ihr Hobby investiert. Sie wissen aber auch: Ausgelernt haben sie noch lange nicht. Umso größer war - oder ist - der Stolz auf so manchen Fang. "Ich hab' mal einen 1,10 Meter langen Karpfen geangelt", erinnert sich Max. Bei Lukas ist es ein "besonders schöner" Spiegelkarpfen, auf den er heute noch stolz ist. Für die zwei macht einen guten Angler aber nicht die Größe oder Schwere des Fangs aus, sondern wie er mit dem Tier umgeht. "Manche behandeln den Fisch wie Abfall", kritisiert Max. Denn wie alle Tiere sollten auch sie respektvoll behandelt und schmerzlos getötet werden. Lukas und Max sind leidenschaftliche Angler, seit sie ungefähr drei und fünf Jahre alt waren. Diese Leidenschaft wollen sie mit anderen teilen. "Es ist uns wichtig, jungen Leuten zu zeigen, wie faszinierend Angeln ist", erklärt Lukas. Und weil sie wissen, wie schwierig es vor allem für Neulinge ist, wollen sie ihnen helfen - mit einem eigenen Youtube-Kanal. "In Youtube gibt es Videos zu allem, warum also nicht auch dazu?", erklären sie ihre Idee.

Bisher haben sie unter ihrem Youtube-Channel "Allround Fishing" sechs Videos veröffentlicht. Die Themen: Hechtfischen, Angeln mit Boilies, einem speziellen Köder oder Karpfen. Die Resonanz: "Ziemlich gut. Ein Video hat sogar über 10.000 Aufrufe", freuen sie sich. Und nicht nur befreundete Angler landen auf ihrem Channel, sondern auch Fischer aus Frankreich, Italien und Österreich. Zum großen Fang können sie mit den Videos aber niemandem verhelfen. Dazu braucht es Geduld - und einen übelriechenden Köder.

Hier geht's zum Youtube-Kanal "Allround Fishing":

Boom im Wasser:

Angeln ist langweilig? Von wegen: Rund 440 Mitglieder zählt der Sportanglerverein (SAV) Eschenbach aktuell, über 200 mehr als noch vor etwa 10 bis 14 Jahren. Doch woher kommt die wachsende Begeisterung für Fisch und Angelrute? „Unser Verein ist attraktiver geworden“, erklärt SAV-Vorsitzender Martin Schusser. Konkret heißt das: Das Angebot an Gewässern hat zugenommen, der Verein legt Wert auf Gewässer- und Artenschutz und züchtet viele Fischarten selbst nach. „Vor allem die Eigenzucht ist bei unseren Verein ein Novum“, betont der Vorsitzende. Ein Aspekt, der seiner Meinung nach eine wichtige Rolle spielt: „So entwickelt sich ein Verein weiter“, ist sich Schusser sicher.

Der Eschenbacher Angelverein hat in den letzten Jahren viel vorangebracht. Doch wie viele Vereine hat auch der SAV zu kämpfen – und zwar um den Nachwuchs. „Die Jugendarbeit ist schweres Brot“, gibt Schusser zu. Umso wichtiger sei es deshalb, neue Mitglieder zu gewinnen und vor allem auch zu halten. Der Vorsitzende legt daher Wert darauf, dass der Angelverein auch nach außen hin präsent ist und den Mitgliedern Abwechslung bietet. „Wie beispielsweise bei unseren Fischerfesten.“ Das fördere – und das sei beim Angeln ein wichtiger Aspekt – auch das Miteinander unter den Vereinsmitgliedern. Langeweile gar nicht erst aufkommt.

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