Eschenbach
22.02.2019 - 13:39 Uhr

Jäger betreiben mit Schwarzwild Katz-und-Mausspiel

Die Jagdgenossenschaft Eschenbach bestätigt in der Jahreshauptversammlung Vorsitzenden Georg Karl für weitere fünf Jahre im Amt. Er muss sich somit einem Problem annehmen, das immer größer wird.

Georg Karl (sitzend, Dritter von links) leitet für weitere fünf Jahre die Jagdgenossenschaft. Zum „Dauerbrenner“ Schwarzwild nimmt Martin Gottsche (sitzend, links) in der Jahreshauptversammlung Stellung. Bild: rn
Georg Karl (sitzend, Dritter von links) leitet für weitere fünf Jahre die Jagdgenossenschaft. Zum „Dauerbrenner“ Schwarzwild nimmt Martin Gottsche (sitzend, links) in der Jahreshauptversammlung Stellung.

Das Schwarzwildproblem nimmt zu, wie Forstmann Martin Gottsche berichtete. Er bezeichnete Schwarzwildschäden als "Dauerbrenner". Seine Prognose 2018 "Es wird schlimmer" revidierte er und ersetzte sie wegen großflächiger Schäden durch das Wort "Katastrophe". "Wir betreiben ein extremes Katz-und-Mausspiel", lautete seine Lagebeurteilung. Gottsche sprach von Funkkamera und Nachsichtgeräten, die neuerdings zum Einsatz kommen und trotz 25 erlegter Sauen "noch nicht den gewünschten Erfolg brachten".

Der Forstmann bedauerte, dass hinsichtlich der Bejagungs-Intensität "noch nicht alle mit uns gehen" und sah Probleme durch den angrenzenden Truppenübungsplatz. "2019 wird es noch schlimmer werden", prognostizierte er und begründete dies mit der hohen Eichelmast des Vorjahres und dem hohen Ausgangsbestand an Sauen. Er appellierte an die Jagdgenossen, weiterhin miteinander zu sprechen und wurde deutlich mit der Aussage: "Was wir hier treiben, geht weit über ein Hobby hinaus." Für das Jahresgeschehen fand er die ironische Bezeichnung "Zirkus".

Hoher Bestand

Während einer Aussprache wurde erkennbar, dass die nördlich gelegenen angrenzenden Jagdreviere über einen hohen Sauenbestand verfügen. Dem Vorschlag "Drückjagd" entgegneten die Jäger mit Bedenken zu Voraussetzung und Aufwand. Für das Revier Ackermann/Riemke fasste sich Anton Ackermann kurz und erklärte, dass das Schwarzwildproblem in diesem Revier nicht so schlimm sei. Er dankte für die gute Zusammenarbeit mit den Jagdgenossen und vermeldete: "Rehwildabschuss erfüllt, 25 Sauen erlegt." Problematisch sei es jedoch beim vorgegebenen Abschuss von Rotwild.

Lebensräume erhalten

Kurz fiel der Bericht von Vorsitzendem Georg Karl aus. In seiner Rückschau sprach er Mulch-Maßnahmen an, die jedoch wegen der langen Trockenheit geringer ausfielen als in den Vorjahren. "Vielleicht war es auch eine Folge des Vortrags von Wildlebensraum-Berater Balduin Schönberger in unserer Mitgliederversammlung im März 2018 ", mutmaßte Karl. Der Angehörige des Landwirtschaftsamts Amberg hatte davon gesprochen, dass viel Saubermachen die Natur kaputt macht, darum gebeten "Wir müssen viel schlampiger werden" und gefordert, Wildlebensräume zu erhalten. Dazu hatte er Fördermaßnahmen vorgestellt.

Karl berichtete außerdem von Wegeinstandsetzungs-Arbeiten im Bereich Breitenlohe und freute sich über die Nutzung des Holzspalters der Genossenschaft. Das jüngste Verbissgutachten kommentierte er mit "Es passt." Das Hauptproblem seien für ihn und betroffene Landwirte die zunehmenden Schäden durch Schwarzwild gewesen. Von einer positiven Entwicklung berichtete Schatzmeister Richard Ficker. Zu den Einnahmen der Genossenschaft zählte er neben den Jagdpachten auch einen Wegeunterhalts-Zuschuss der Stadt. Größter Ausgabeposten waren neben rund 5 000 Euro für Wegeunterhalt eine Erhöhung der Geschäftsanteile bei der Raiffeisenbank, "wegen anfallender Dividenden in Null-Zins-Zeiten".

Nur eine Gegenstimme

Der Tagesordnungspunkt "Beratung wegen Pachtpreisanpassung" war ebenfalls schnell abgehandelt. Die Versammlung folgte einem Zuruf aus den Reihen der Genossen: "So lassen wie's is, sonst kumma koa Sei mehr weg." Nur ein Genosse stimmte gegen die weitere Verwendung des Jagdpachtschillings für den Wegebau. An Georg Karl wurden jedoch verschiedene Wünsche zu Wegebaumaßnahmen herangetragen. Umfangreicher waren die Berichte der Jagdpächter. Für das Revier Gottsche/Stopfer nahm Gottsche Stellung und wandelte den Titel der Abstimmung "Rettet die Bienen" in "Rettet die Bauern"ab. Er bezog sich auf Diskussionen an fast jedem Stammtisch, in denen jede Staude als Hindernis bezeichnet und jede Wiese als Entsorgungsstelle für Gülle degradiert wird. Wenn dies zur allgemeinen Meinung werde, bräuchten wir uns über nichts mehr zu wundern, klagte er. Der Forstmann verwies auf angelegte Blühflächen von hohem Wert zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen, die auch im Winter Bestand haben und Hasen sowie Rebhühnern Rückzugsmöglichkeit bieten. Er räumte ein, dass sie noch ausbaufähig sind und mahnte: "Wir verkaufen uns noch unter Wert.

Das Ergebnis des Vegetations- und Verbissgutachtens, mit dessen Aufnahme er ein halbes Jahr beschäftigt war, wertete er als "für beide Seiten tragbar". Das Ergebnis zeige, dass Buchen ohne Zaun angepflanzt werden könnten, was eine Erleichterung und Kosteneinsparung bedeute.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.