Eschenbach
29.04.2020 - 15:20 Uhr

"Kapitän des Vereins Eschenbach"

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel": Mit Zitaten und Wortspielereien aus dem Fußballgeschehen setzen die stellvertretenden Bürgermeister Karl Lorenz und Klaus Lehl den Schlusspunkt unter Amtszeit von Bürgermeister Peter Lehr.

Karl Lorenz (links) und Klaus Lehl verabschieden "Kapitän" Peter Lehr mit einem "Ostseepräsent". Bild: rn
Karl Lorenz (links) und Klaus Lehl verabschieden "Kapitän" Peter Lehr mit einem "Ostseepräsent".

Zur Überraschung von Lehr meldete sich zum Ende des öffentlichen Teils der letzten Sitzung des amtierenden Stadtrats zweiter Bürgermeister Karl Lorenz mit der Begründung zu Wort: „Weil auch Peter Lehr verabschiedet werden sollte.“ Wie ein Sportkommentator kündigte er die 89. Minute an, in der die Spieler zur Trainerbank schauen und die Zuschauer den Abpfiff fordern. Nach einem kräftigen Pfiff mit der Trillerpfeife verkündete er, "Aus, das Spiel ist aus“, und kündigte einen Rückblick auf die beiden vergangenen „Spiele“ an.

Der ehemalige Sportlehrer erinnerte an die Vorbereitung auf das neue "Spiel 2008" und daran, dass der Wahlkampf zur Überraschung aller Eschenbacher unentschieden endete und am Ende einer mit hohem Einsatz geführten 14-tägigen Verlängerung das Unerwartete geschah: „Dir, lieber Peter, gelang der Sieg mit einem knappen Vorsprung, und Du hast als Kapitän die neu zusammengewürfelte Mannschaft im Rathaus übernommen.“

Die Situation, bei der am Anfang noch nicht klar gewesen sei, in welche Richtung er die Mannschaft entwickeln wolle, beschrieb Lorenz mit einer Aussage von Bela Rethy: „Das neue Spiel begann mit einem vorsichtigen Abtasten der Akteure, das mit gelegentlichen harten, körperlichen Attacken und Fouls bis zur Halbzeit fortgeführt wurde. In der zweiten Hälfte war die Taktik spielerischer und technisch versierter und die Zuschauer konnten schöne Tore bewundern.“

Der Kommentator bescheinigte dem "Kapitän" fortan gute Führungsqualitäten und resümierte: „Durch Deine Vermittlungsfähigkeiten wuchsen wir zu einer harmonisierenden Mannschaft zusammen.“ Überzeugt zeigte er sich, dass der daraus resultierende haushohe Erfolg im zweiten Anlauf die beiden Kontrahenten schwer beeindruckt habe und sie das Feld räumen ließ.

Der zweiten Partie, die mit neuen Spielern im Team begann, schrieb der zweite Bürgermeister hervorragende Technik und einige Kabinettstückchen zu, durch die die Mannschaft bewundernswerte Ergebnisse erzielt habe. Er räumte ein, dass in der letzten Viertelstunde innerhalb des Teams deutlich Uneinigkeit zu spüren gewesen sei, „die der angekündigte Rücktritt von Dir als Kapitän weiter befeuert hat“.

Mit beeindruckenden Zahlen belegte er die Erfolge des „Kapitäns des Vereins Eschenbach“ und sah im vorausschauenden Handeln, das für eine solide Zukunft gesorgt habe, ein großes Verdienst: „Mit 35 Millionen Euro Investitionen in die Infrastruktur rund um das Stadion, unterstützt von 14 Millionen Zuschüssen, hast Du bleibende Werte geschaffen. Durch Deinen sparsamen Umgang mit den Einnahmen von Zuschauern und Sponsoren hat der Verein nun liquide Mittel in Höhe von 20 Millionen auf der hohen Kante.“

Lorenz wagte gar einen Blick auf die Tabelle und erkannte einen Aufstieg aus dem vorderen Mittelfeld auf den zweiten Platz. „Stillstand lässt sich bei diesen Ergebnissen nicht erkennen“, urteilte er und dankte ausdrücklich für enormen Einsatz, Kampfbereitschaft und Teamgeist.

Unter Hinweis auf die Übergabe der Kapitänsbinde an den Nachfolger zeigte er sich überzeugt, dass Lehr seine Erfahrungen in das neue Team einbringen werde, und bekundete: „Meine Zusammenarbeit mit Dir und Klaus war zu jeder Zeit von Offenheit, Vertrauen und Freundschaft geprägt. Dadurch entstanden auch bei unterschiedlichen Ansichten gute Entscheidungen.“ Der zweite Bürgermeister schloss seine „Spielkommentare“ mit dem bekannten Fußballzitat: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“

Nach einigen ergänzenden Worten des Dankes und der Anerkennung durch dritten Bürgermeister Klaus Lehl überreichten beide für eine „kleine Auszeit an der geliebten Ostsee“ einen Zuschuss und eine Medaille der Stadt als Erinnerung an zwölf Jahre als Bürgermeister von Eschenbach. Lehr hatte seine beiden Vertreter mit Dankurkunden verabschiedet.

Im Blickpunkt:

"Drum, lieber Peter, lass Dir 'Danke' sagen"

Corona-bedingt hatte Heiner Kohl seine vierstrophige „Hymne für Bürgermeister Peter Lehr“ zur Melodie „Du hast so wunderschöne blauen Augen“ nur in Schriftform an das Ratskollegium verteilen können:

„Der Peter Lehr war gerne Bürgermeister, vertrat das Amt mit höchster Leidenschaft. Fair, sozial, verlässlich, ja so war er, regierte Eschenbach mit ganzer Kraft. Soldat, beruflich lernte er das Dienen. Befehl, Gehorsam war’n kein Gegensatz. Das Personal als Chef er konnte führen und zugleich Kumpel sein am Rathausplatz.

Glasklar die Ziele, die er formulierte, als Boss des Stadtrats, der Verwaltungsschaft. Wie er gekonnt Aufgaben delegierte, höflich sein Wort, das war schon musterhaft. Kein Schreihals, sondern Freund der leisen Töne, war er ein Bürgermeister, der hört zu. Und seine Antwort war nie ein Gehöhne, verächtlich machen war für ihn tabu.

Wenn Peter ging durch Straßen, durch die Gassen, der Handschlag jedem Bürger freundlich galt. Vereine konnten sich auf ihn verlassen, denn ihre Nöte ließen ihn nie kalt. So ehrte er respektvoll die Mitglieder für ihre Arbeitsleistung im Verein. Mit höchstem Lob betonte er stets wieder, auch für die Stadt wär’n sie ein Edelstein.

Drum, lieber Peter, lass Dir 'Danke' sagen, als Bürgermeister warst Du das Herz-Ass. Die Stadt wird Dich zu ehren bald vorschlagen, sollst Namensgeber sein für eine Straß‘. Mit Peter Lehr, ihr Stadträt‘, lasst euch feiern, schaut stets mit Stolz auf euer Werk zurück für diese liebenswerte Stadt in Bayern! In Eschenbach zu leben, welch ein Glück!“ (rn)

 
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