01.12.2020 - 13:26 Uhr
EschenbachOberpfalz

Kirchenfenster in Eschenbach vor 100 Jahren gestiftet: Erinnerung an Gefallene des Ersten Weltkriegs

Die beiden Kirchenfenster in der Maria-Hilf-Bergkirche sind im November 1920 gestiftet worden. Sie erinnern an die Eschenbacher, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen. 59 Namen sind an den Fenstern zu finden.

Das südliche Gedenkfenster beginnt mit Max Gmeiner und zeigt über den Namen der Gefallenen Rathaus und Pfarrkirche.
von Walther HermannProfil

Die Maria-Hilf-Bergkirche ist nicht nur ein sakrales Kleinod, das bereits in einem Dokument aus dem Jahr 1772 ausdrücklich als „Wallfahrtskirche“ bezeichnet wird. Vor hundert Jahren wurde sie Erinnerungs- und Gedenkstätte für 59 Soldaten der Rußweiherstadt, die während des Ersten Weltkrieges ihr Leben ließen.

Im November 1920 hatte die Stadtgemeinde als „Stiftung“ zwei neue Fenster in der Bergkirche anbringen lassen. Dazu heißt es im „Führer durch die Geschichte der Bergkirche mit dem Gnadenbild“, den der damalige Kirchenpfleger Norbert Möhler im Jahr 1978 erstellte: „Die Stadt Eschenbach stiftete zwei Glasmalereifenster mit Darstellungen der hl. Dreifaltigkeit und Maria Königin. In diesen Fenstern, die von der Firma Schneider Glasmalerei in Regensburg hergestellt wurden, sind die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus der Stadt Eschenbach verzeichnet.“

Die Stadt sah es damals als Verpflichtung an, ihnen durch ein sichtbares Zeichen ein ehrendes Gedenken zu bewahren. Dies brachte sie auch durch den Textbeitrag „Aus Dankbarkeit gestiftet den gefallenen Helden“ zum Ausdruck. Möhler erwähnt auch, dass im Ersten Weltkrieg zwei Glocken im Gesamtgewicht von 585 Kilogramm abgeliefert werden mussten. Ersatz dafür erhielt die Kirche erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die große Glocke mit einem Durchmesser von 0,88 Meter stiftete Stadtpfarrer Meierhofer. Sie hat die Inschrift: „Im Marianischen Jahr 1954 zum Lob und Preis der Himmelskönigin gestiftet von Pfarrer Augustin Meierhofer. Im gleichen Jahr stiftete Amalie Kirmeier eine Glocke mit 0,74 Zentimeter Durchmesser. Beide Glocken wurden in der Glockengießerei Rudolf Perner in Passau gegossen.

In seiner Publikation „Eschenbach in Vergangenheit und Gegenwart“ (1950) scheibt Adolf Ficker in seinen Ausführungen zur „Zeitenwende“: „Nach vorherigem Ausläuten wurde am 2. August 1914 die Mobilmachung verkündet. Mit Musik zogen die ersten Reservisten am 5. August 1914 zum Bahnhof und nahmen Abschied von ihren Lieben. Nach Aufruf zog auch später der Landsturm ins Feld. Täglich lockte der Wehrmachtsbericht, der an der Post in Telegrammform angeschlagen war, eine Schar Neugieriger an. Siege feierte die Stadt mit Fahnenschmuck. Den Heimkehrern galt 1918 ein Fest. Mit Musik wurden sie von der Bergkirche zu einem Festgottesdienst geleitet, dem ein ausgiebiges Festessen folgte.“

An den Inschriften am Kriegerdenkmal, das am 5. Juli 1930 seinen Segen erhielt, ist zu entnehmen, an welchen Fronten 1914 bis 1918 die jungen Eschenbacher gefallen sind: Russland, Frankreich, Rumänien, Flandern, aber auch in der damaligen deutschen Kolonie Südwestafrika, dem heutigen Namibia, wo am 23. August 1914 der „Reiter Josef Rupprecht“ ums Leben kam. Er war am Karlsplatz 23 zu Hause. Dem jungen Ehemann Lorenz Völkl, der am 18. August 1914 bei Weiler „den Heldentod fürs Vaterland starb“, folgte am 21. Oktober 1915 in der Champagne sein Bruder Max.

Zum Weihnachtsfest, das wir in wenigen Wochen feiern, lohnt ein Verinnerlichen des Berichts von Heinrich Gustav Teichmann, in dem er ein Erlebnis aus dem Jahr 1916 beschreibt. Der Frontsoldat beschreibt das Geschehen bei der Suche nach einem passenden Fichtenbäumchen am Heiligen Abend, bei der sie auf drei Franzosen mit dem gleichen Vorhaben trafen. Doch an diesem Abend ließen sie den Krieg ruhen, um Weihnachten zu feiern.

Hans-Jürgen Kugler veröffentlicht Chronik zu Übungplatzdorf Pappenberg

Grafenwöhr
Info:

Nicht in die Heimat zurückgekehrt waren Soldaten (mit Todestag)

Nordseite: Josef Höller 10.8.1914, Lorenz Völkl 18.8.1914, Franz Wolfinger 20.8. 1914, Josef Rupprecht 23.8.1914, Josef Schmidt 13.9.1914, Johann Fronhöfer 1.10.1914, Josef Schwemmer 10.10.1914, Georg Kohl 10.10.1914, Martin Prösl 28.10.1914, Georg Lang 28.2.1915, Gottfried Lehner 12.3.1915, Georg Lehner 12.3.1914, Max Koller 12.3.1915, Johann Schraml 12.3.1915, Josef Schirmung 4.4.1915, Alois Wiesent 1.4.1915, Georg Kallmeier 5.5.1915, Max Kausler 7.5.1915, Johann B. Wiesent 10.5.1915, Anton Löw 9.7.1915, Johann Kausler 10.8.1915, Sebastian Löw 12.8.1915, Johann Schwemmer 8.9.1915, Georg Schneider 10.10.1915, Max Völkl 25.10.1915, Franz Köferl 25.10.1915, Max Geissler 27.10.1915, Dr. Michael Ficker 2.3.1916, Johann Grünwald 12.3.1916 und Josef Keck 24.3.1916.

Südseite: Max Gmeiner 20.7.1916, Michael Nickl 24.7.1916, Johann Nep. Lehner 2.8.1916, Johann Schiffmann 3.8.1916, Georg Schwindl 4.8.1916, Michael Thurn 24.8.1916, Johann B. Schneider 3.9.1916, Johann Kiermeier 15.9.1916, Johann Lang 18.9.1916, Ludwig Koller 20.9.1916, Johann Pscherer Ende 1916, Josef Schraml 13.11.1916, Johann Kallmeier 1.12.1916, Josef Rippl 9.1.1917, Johann Schwindl 13.1.1917, Stephan Thurn 8.6.1917, Max Rohrer 6.8.1917, Max Scherm 12.8.1917, Karl Schiener 25.8.1917, Johann B. Schneider 20.9.1917, Johann Wolf 20.10.1917, Karl Gradl 18.3.1918, Ferdinand Schmidt 29.3.1918, Franz Schlicht 19.6.1918, Johann Schwindl 5.7.1918, Josef Herr 18.7.1918, Johann Rass 24.8.1918, Karl Werl 27.8.1918 und Johann Völkl 2.10.1918.

Das Nordfenster mit betenden Soldaten und den von Juli 1916 bis Oktober 1918 ums Leben gekommenen Soldaten zeigt auch die Maria-Hilf-Bergkirche.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.