27.11.2020 - 12:26 Uhr
GrafenwöhrOberpfalz

Hans-Jürgen Kugler veröffentlicht Chronik zu Übungplatzdorf Pappenberg

Pappenberg war der zentrale Ort der Siedlung auf dem Truppenübungsplatz. Die Orte sind inzwischen verlassen. Autor Hans-Jürgen Kugler veröffentlichte nun eine Häuser- und Familienchronik zum Übungsplatzdorf.

Auf dem verfallen Gottesacker in der Wüstung Pappenberg begab sich der Chronist Hans-Jürgen Kugler auf Spurensuche für seine Häuser- und Familienchronik Pappenberg. Bild: Gerald Morgenstern
von Autor MORProfil

„Die früheren Bewohner von Pappenberg haben es verdient, dass man sich an sie erinnert“, diese Meinung vertritt Hans-Jürgen Kugler. Auf 475 Seiten schaut er mit seiner nun erschienenen Häuser- und Familienchronik auf das vor über 80 Jahren aufgelöste Übungsplatzdorf und dessen Standesamtsbezirk zurück.

Nach den zwei Büchern über seine Heimatstadt Auerbach und den weiteren Chroniken von Nitzlbuch/Bernreuth und dem Übungsplatzort Hopfenohe widmet sich Hans Jürgen Kugler wieder dem Übungsplatz. 1938 kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde der Truppenübungsplatz Grafenwöhr erheblich erweitert. Zu diesem Zweck wurden 58 Ortschaften, Gehöfte und Weiler evakuiert, hunderte Familien mussten ihre Heimat verlassen. Aus den zurückgelassenen Kirchen, Höfen und Häusern wurde nach dem Krieg Baumaterial entnommen und später wurden sie vom militärischen Nutzer geschliffen. Neben den großen Ortschaften Haag und Hopfenohe war Pappenberg der zentrale Ort der Absiedlung. Zum Standesamtsbezirk gehörten die Gemeinden und Weiler Höhenberg, Walpershof, Zissenhof, Leuzenhof, Eggeten, Erlbach, Hermannshof, Hirschmühle, Grünhund und Wolfslegel.

Die meisten der ehemaligen Bewohner leben heute nicht mehr. Die Nachkommen wurden in alle Winde zerstreut. Nachdem die Akten der damaligen Reichsumsiedlungsgesellschaft freigegeben wurden legte der Heimatforscher in den Archiven, Pfarrmatrikeln und Standesämtern das Grundgerüst für seine Arbeit. Unzählige Telefonate, Briefe und Emails gehörten zu den Recherchen. Über 100 Familien die in ganz Bayern verstreut sind hat der Auerbacher mit Block, Bleistift und seinen tragbaren Scanner besucht. 3000 gefahrene Kilometer dürften am Ende seiner „Ahnenforschungsreise“ wohl mehr auf dem Tacho seines Autos sein. Zusammengetragen hat Hans-Jürgen Kugler eine Chronik in der die Geschichte jedes einzelnen Hauses erzählt wird. Beschrieben wird es mit seinen Besitzern der letzten zirka 150 Jahre, zu einem großen Teil mit Geburts-, Heirats- und Sterbedaten. Ebenso werden die Orte genannt, wohin die Heimatvertriebenen 1938 und oft auch deren Nachkommen zogen.

Dass sich in über 80 Jahren auch Lücken und Übermittlungsfehler einschleichen schließt der Autor trotz akribischer Kleinarbeit nicht aus. Interessant ist auch die Überlieferung der Schreibweise der Familiennamen. Illustriert ist das Buch „Pappenberg“ mit über 800 Fotos, größtenteils alten und historischen Aufnahmen aus Archiven und privaten Fotoalben. Auch aktuelle Bilder sind in der Chronik zu finden, mehrmals besuchte Archivar Kugler die Wüstungen im Sperrgebiet. Auch ermöglichte der Bundesforst die Ahnenforschung auf dem verfallen Gottesacker von Pappenberg. Die zum Teil noch gut lesbaren Inschriften der Sandsteingrabmäler oder noch gefundene Marmorplatten oder Scherben waren für Hans-Jürgen Kugler in Stein gemeißelte Zeugnisse über Familien. Familien bei denen oft auch festgestellt wurde, dass sie ausgestorben sind.

Eine große Buchvorstellung fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Erschienen ist Hans-Jürgen Kuglers Häuser- und Familienchronik Pappenberg im Verlag Bodner Pressath. Zum Preis von 39 Euro kann das Werk im Zeitschriftengeschäft Heinl/Kleefeldt in Auerbach, in Grafenwöhr im Kultur- und Militärmuseum, bei Schreibwaren Bernhardt und Spielwarengeschäft Gradl-Melchner sowie in der Stadtapotheke in Eschenbach erworben werden. Eine Bestellung im Internet ist unter „www.Kuglers-Chroniken.de“ möglich.

Hans Kugler schreibt Chronik über Pappenberg: In Stein gemeißelte Zeugnisse

Grafenwöhr
Auch colorierte historische Postkarten von Pappenberg sind neben den 800 Bildern in Hans-Jürgen Kuglers Häuser- und Familienchronik zu finden.

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