In einem aufsehenerregenden Vortrag im Eschenbacher Stadtrat ging Peter Hermann Maier, fußend auf seinen PV-Erfahrungen seit 2010, der Frage nach, welche Bedeutung ein PV-Projekt dieser Art für Eschenbach hat. Unter Hinweis auf die globale Klima- und europäische Energiekrise sprach der Photovoltaik-Experte der Firma Growsess aus Lauf von einem jährlichen örtlichen Strombedarf von 38 000 kWh. Allein bei curamik liege der Bedarf bei 25 000 kWh, was dem Bedarf einer 32 000-Einwohnergemeinde entspräche.
Maier betonte, dass das Umspannwerk in Grafenwöhr so gut wie keine Lieferkapazitäten mehr frei hat und zur Herstellung der erforderlichen Strommenge Biogas aus einer Maisanbaufläche von 3600 Hektar erforderlich sei. Den gleichen Erfolg schrieb er einer Agri-PV-Anlage auf 44 Hektar zu, bei der jedoch 37,4 Hektar weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können. Mit Blick auf die zunehmend hohen Energiekosten warnte er vor dem Abzug internationaler Unternehmen in für sie billigere Länder und resümierte: "Wir sitzen in der Falle."
Der Referent sprach von Informationen, wonach in den Nachbargemeinden zusätzlich zu den bereits auf mehr als 100 Hektar angebrachten PV-Anlagen vermutlich auf über 180 Hektar weitere Anlagen geplant sind, die einen großen Flächenverlust für die landwirtschaftliche Nutzung bedeuten. Dem stellte Maier gegenüber: "Wenn man auf vier Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen Deutschlands Agri-PV hätte, würde das bei entsprechendem Speicherausbau die gesamte Stromerzeugung Deutschlands sichern."
Zur Frage, ob mit der Agri-PV-Anlage wertvolle Ackerflächen verloren gehen, die nicht mehr zur Maisanpflanzung verwendet werden können, hatte er eine einfache Antwort: "Stimmt, aber für alle anderen Feldfrüchte schon." Das Argument, dass Mais kaum für die menschliche Ernährung verwendet und mit zunehmend trockenem Klima weniger Erträge bringen werde, verband er mit dem Hinweis: "Die diesjährige Maisernte führte bereits zu einem Rückgang von Biogasstrom um 40 bis 50 Prozent."
Eine besondere Wertigkeit maß Maier den Begleiterscheinungen der angestrebten örtlichen Agri-PV bei: 85 Prozent der Fläche bleibe demnach für landwirtschaftliche Bearbeitung erhalten, sieben Hektar stünden als Blühstreifen für Biodiversität zur Verfügung. Es gingen nur die Ackerflächen verloren, die von den tragenden Pfosten der Anlage und für die Trafos benötigt werden. Dies sei weniger als ein Prozent. Seine Bildvergleiche feste PV/bewegliche Agri-PV ergänzte er mit Maßangaben wie Abstand der Modulreihen 11 Meter, bewirtschaftete Breite 9 Meter, Blühstreifen unter den Panels 1,65 Meter und Montagehöhe der Module 2,50 Meter. Da die beweglichen Module der Sonne folgen, von 60 Grad Ost früh auf 60 Grad west abends, sei die Stromproduktion effizienter und gleichmäßiger: von einem Hektar für zirka 270 Haushalte.
Einen wesentlichen Vorteil bescheinigte Maier zudem den zu 30 Prozent transparenten Bifacialen Modulen, hinter denen die Photosynthese weitergeht. Die Teilbeschattung bremst die Verdunstung um 35 Prozent, senkt die Boden- und Lufttemperatur und hält Starkregen und Hagel von den Feldfrüchten ab. Bilder von bereits bestehenden kleineren Anlagen dokumentierten den dortigen Ernteeinsatz. Unter Verwendung einer Luftaufnahme des Areals um Trag befasste sich Maier mit der Beplanung der Modulreihen auf 44,3 Hektar mit 30 MWp. Sein "Anschlussschema Solarpark mit Direktstromlieferung an mehrere Verbraucher" verband er mit Angaben zum Jahresstrombedarf von curamik mit 25 Gigawattstunden (GWh), Mondi mit 5 GWh, Novem mit 8 GWh und Kerafol mit 5 GWh.
Auch zu Investitionsumfang und Zeitplan erhielt der Stadtrat Angaben: Neben den Gesamtkosten von 30 Millionen Euro geschätzte 17 Millionen Euro für einen Batteriespeicher 30 MWh (in Prüfung). Für die Fertigstellung ist nach Ablauf des Genehmigungsverfahrens als Ziel das 2. Halbjahr 2025 angesetzt.
Die Vorteile für Stadt, Bürger und Industrie laut Maier: Beteiligung der Stadt mit 80 000 Euro pro Jahr und der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie durch Einsparung von CO2-Zertifikaten von 800 000 Euro, Netzentgelten der Industrie von zirka 3,4 Millionen Euro und Strompreis von 2 Millionen Euro pro Jahr. Dies alles "sichere Arbeitsplätze, Gewerbesteuereinnahmen und Leben in der Stadt". Landwirte und Bürger können sich mit zehn Prozent an der Projektgesellschaft beteiligen. Als Hauptinvestor des Projekts, das auch zur Erzeugung von Wasserstoff führen kann, stellte Maier Dipl.-Ing Armin Schröder vor.
Strombedarf gesichert
"Ein Meilenstein für Standortattraktivität", beschrieb Bürgermeister Marcus Gradl das Projekt und nannte es einen richtigen Weg für die Stadt, für den alles in Waagschale zu werfen sei. Einen künftigen Strompreis von angeblich 50 Cent zweifelte Jürgen Schäffler (ÜCW) an und wandte sich gegen "noch weniger Maisanbau für Biogas und Wärme". Dem hielt Zweiter Bürgermeister Karl Lorenz entgegen: "Es gibt Biogas-Anlagen, die keine Wärme- und Stromabnehmer haben."
Keine Konkurrenz für Biogas sah auch Thomas Riedl (FW). Für ihn stand die Deckung des örtlichen Energiebedarfs im Vordergrund. In einer längeren Stellungnahme ärgerte sich Korbinian Dunzer (CSU) über Bundes- und Landesregierungen, die es in elf Jahren nach Fukushima verschlafen haben, einen alternativen Weg zum Atomstrom zu finden. Es könne nicht sein, "dass wir nun unseren noch verbliebenen Landwirten ihre Existenzen gefährden und künftig unsere Lebensmittel aus dem Ausland importieren müssen und uns auch hier noch in eine zusätzliche Abhängigkeit begeben". Er sprach sich mit Nachdruck für die Agri-PV aus, die nicht in das Stromnetz einspeist. Ein "grundsätzliches Ja" kam auch von Thomas Ott (SPD), der Vorteile gegenüber den NEW-Anlagen und Alleinstellungsmerkmale für Eschenbach erkannte.
Nach den Beschlüssen zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans, denen sich nur Schäffler verweigerte, bekannte Maier: "Die letzten Monate waren fordernd." Insbesondere den jüngeren Stadträten offenbarte er: "Wenn ich nicht nach Eschenbach gekommen wäre, gäb's keine curamik. Jetzt bin ich für ein neues Projekt wieder in Eschenbach."













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