14.10.2020 - 16:26 Uhr
EschenbachOberpfalz

Weitere Munitionsfunde im Rußweiher: 22 Handgranaten und 1 Kilogramm Sprengstoff

Die „Bombenstimmung“ am Rußweiher setzt sich auch am Mittwoch fort. Nach einem Tag Unterbrechung sucht Kampfmittelbeseitiger Diethard Posorski erneut nach Weltkriegsmunition im größten Naturmoorbad Nordbayerns – und wird wieder fündig.

Weitere 22 Handgranaten der Wehrmacht entdeckt der Munitionssucher am Mittwoch im südlichen Uferbereich des Rußweihers. Auch ein Päckchen TNT-Sprengstoff fördert er ans Tageslicht.
von Robert DotzauerProfil

Ein weiteres Mal hat der Kampfmittelbeseitiger Diethard Posorski im Eschenbacher Rußweiher Erfolg. Konzentriert auf eine nur wenige hundert Quadratmeter große Uferfläche entlang des Geh- und Radweges der Bundesstraße 470 reagierten die auf Metallteile und Elektroschrott spezialisierten Teilchen-Detektoren am Mittwoch auf weiteres verdächtigtes Material im Rußweihersand. Die Nachforschungen mit Schaufeln und Spaten lohnten sich. Ans Tageslicht kamen zusätzlich 22 Handgranaten. Der Kampfmittelsucher von der Nürnberger Firma Tauber fand zudem ein 1 Kilogramm schweres Päckchen TNT-Sprengstoff. Posorski wusste: „Das Päckchen hätte bei einer Explosion in einem Geländeumkreis von fünf Metern zu einer starken Druckentwicklung geführt.“ Gleichzeitig beschwichtigte der Spezialist. „Wirklich gefährlich waren die Waffen- und Sprengstofffunde nicht mehr.“ Durch die jahrzehntelange Nasslagerung sei das Kriegsmaterial unbrauchbar geworden.

Die Handgranaten, den Sprengstoff und weitere Gewehrmunition holte das Sprengkommando der Firma am Mittwochnachmittag zur fachgerechten Entsorgung ab. Die Entsorgungskosten übernimmt der Bund, die Kosten der Suche gehen auf Rechnung der Stadt. Vorsorglich suchte der Munitionsberger auch den Bereich des Freibades und die Uferbereiche der beiden Campingplätze ab. Ohne besondere Vorkommnisse, wie Diethard Posorski vermeldete.

Vielfach grübeln die Eschenbacher nun über die Herkunft der Überraschungsfunde. Die plausibelste Erklärung sind Waffenentsorgungen durch den Volkssturm, einer gegen Ende des Zweiten Weltkrieges geschaffenen Organisation zur Unterstützung der Wehrmacht und der Heimatverteidigung. So ist aus dem Archivmaterial des Eschenbacher Heimatvereins zu entnehmen, dass der Volkssturm laut Zeitzeugenberichten Waffen in der Volksschule deponierte und beim Einmarsch der Amerikaner Kriegsgerät in die umliegenden Weiher warf. Die Vermutung liegt nahe, dass für den örtlichen Volkssturm auch der Rußweiher zur Deponie für Kriegsgerät wurde.

Spekulationen gibt es zudem über die Munition von SS-Einheiten, die sich aus Angst vor Strafaktionen der US-Truppen spontan ihrer Waffen entledigten. So heißt es in Nachforschungen des Heimatvereins: „Der letzte Kampf fällt aus – große Töne, nichts dahinter.“ Gemeint waren SS-Soldaten, die sich unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner am 19. April 1945 in Eschenbach vor den anrückenden US-Einheiten aus dem Staub machten. Zum Glück für die Stadt, die auch deshalb vor Zerstörung verschont wurde.

Ein Aufatmen gibt es nun im Eschenbacher Rathaus, nachdem der Munitionssucher seine Arbeit für beendet erklärt hatte. „Die Sicherheit der Rußweiher-Besucher war eh nie gefährdet“, stellte Bürgermeister Marcus Gradl erleichtert fest. Nun sei man sicher, dass künftig auch eine theoretische Gefahr auszuschließen sei.

Schon bei der ersten Absuche des Rußweihers nach Weltkriegsmunition wird der Kampfmittelbeseitiger fündig

Eschenbach

Nicht nur Munition gibt es im Eschenbacher Rußweiher, auch viele großes Fische

Eschenbach
Die in den Kriegsjahren direkt am Rußweiher vorbeiführende Straße aus der 40er Jahren machte es leicht, bei einem kurzen Stopp Kriegsmaterial auf raschem Weg im Rußweiher zu entsorgen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.