18.07.2019 - 12:25 Uhr
EschenbachOberpfalz

Nagaland ruft "Sir Hans"

Zum vierten Mal bereitet sich Hans Rupprecht darauf vor, in die nordöstlichste Region des Subkontinents Indien zu fliegen. Sein Ziel ist die Don-Bosco-Station Zubza im Nagaland.

Reis ist in Zubza das wichtigste Lebensmittel. Die Körner zu ernten, ist echte Handarbeit.
von Walther HermannProfil

Dort hat er sich seit Februar 2015 bei drei jeweils dreimonatigen Aufenthalten als Entwicklungshelfer große Verdienste und viel Sympathie erworben. Als Beitrag zur Aufbauhilfe hatte er im Reisegepäck stets auch Pflanzen und Sämereien, mit denen eine neue Art von Gemüseanbau, die Anlage eines Kräutergartens und der Anbau „exotischer“ deutscher Blumen betrieben wurde. Mit örtlichen Spenden gelangen Rupprecht der Einbau eines Wasserfilters, die Erweiterung der Solar- und Warmwasseranlage und der Bau einer kleinen Müllverbrennungsanlage. Die Finanzierung eines neuen Generators übernahm dank Erzbischof Ludwig Schick die Erzdiözese Bamberg.

Im Herbst 2017 hatte es sich Rupprecht zur Aufgabe gemacht, den tristen Kindergarten „aufzumöbeln“. Dem spartanisch eingerichteten Raum verpasste er einen freundlichen Anstrich mit Motiven wie „dampfender Zug“, „Bergsteiger“, „Donald Duck“, Vögel und Eichhörnchen. Mit Hüpftieren und pädagogischen Spielsachen erschloss er Kindern und Eltern eine andere Welt. Und als er den Schwestern des nahe gelegenen „Little Flower Konvents“ eine Feigenpflanze und eine Küchenmaschine überreichte, flossen Tränen der Dankbarkeit. „Sir Hans“ wurde in Zubza für viele Bereiche zur wichtigen Bezugsperson. Bereits bei der Ankunft wird er mit Gitarrenmusik, Gesang und vielen Handschlägen „endlich“ wieder willkommen geheißen. Als in der Don-Bosco-Station sein erneuter Besuch angekündigt wurde, brach Jubel aus: „Sir Hans will be back soon.“

Seine Aufgabe für die nächsten Monate (21. August bis 7. November) sieht der Eschenbacher Entwicklungshelfer in der Verbesserung der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Anbaumethoden, Versuche mit neuen Fruchtarten, Anbau von Zwischenfrüchten, im weiteren Ausbau des Kindergartens und im Einbau weiterer Spielgeräte im „Children’s Park Eschenbach“, den im Wechsel bis zu 700 Kinder nutzen. „Ein Kinderkarussell wäre eine tolle Sache“, sagt er hoffnungsfroh. Er erhofft sich auch weitere Patenschaften für bedürftige Schulkinder. Für einen jährlichen Beitrag von 80 Euro ist deren Ausbildung in der Don-Bosco-Schule gesichert. Der Restbetrag kann durch Leistungen der Eltern erbracht werden. Bisher haben Eschenbacher bereits elf Patenschaften übernommen. Erst in diesen Tagen überraschte ihn ein Geburtstagsjubilar, der sich anstelle von Geschenken „Geburtstagsgeld für die Zubza-Salesianer“ gewünscht hatte.

Nach Eichen und Birken wird Rupprecht diesmal Oliven und neue Sämereien mit im Reisegepäck haben. Auch Spiele für Kindergarten und Schule fehlen nicht. Zudem gilt der Zahnmedizin sein Augenmerk. Als Ersatz für primitive Hilfsmittel bringt er Zahnbürsten in die Himalajaregion. Zu deren dortigem Kaufpreis stellt er einen Wertvergleich an: Kaufpreis Zahnbürste 3,50 Euro, mittlerer Monatsverdienst eines Lehrers 50 Euro.

Seine Ankunft in Zubza fällt mit dem Ende der Regenzeit zusammen, der die Reisernte folgt. Erneut wird er auch in diese fordernde „Handarbeit“ eingebunden sein. Es gilt, die Reispflanzen mit sichelartigen Werkzeugen aus den Feldern zu entnehmen, zu trocknen, die Körner per Hand auszuschlagen, sie von der Spreu zu trennen und sie in Bastgefäßen für den täglichen dreimaligen Verzehr und als Saat aufzubewahren.

Ein Anliegen ist es Rupprecht zudem, der Bevölkerung das Wissen um die Heilmittel der Natur näher zu bringen. Erste Früchte trägt bereits seine Arbeit im Bereich Natur-Erhalt. Als „Reisegepäck“ nimmt Rupprecht auch wieder Messstipendien mit auf die lange Reise, die über Dubai, Kalkutta, Dimapur und eine Geländefahrt ins Nagaland führt, wo er bereits farbenprächtige Stammesfeste mitfeiern durfte und nun auch das Jubiläum "50 Jahre Don-Bosco-Kirche" mitgestalten wird.

Es gibt keine Dreschmaschine. Die Don-Bosco-Schüler schlagen die Reiskörner auf einem Stein aus. Anschließend werden die Körner von der Spreu getrennt. Durch ihre Mitarbeit auf den Reisfeldern erbringen die Schüler einen Teil des Schulgeldes.
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