20.01.2021 - 17:30 Uhr
EschenbachOberpfalz

Noch kein Winterspaß am Rußweiher: Lebensgefahr auf zu dünnem Eis

Der zugefrorene Rußweiher lädt zur Probebegehung ein. Hält das Eis? Doch Vorsicht ist geboten. Die Schneeauflage täuscht. Die wenigen Nachtfröste schufen nur eine dünne Eisdecke. Es besteht Lebensgefahr, warnen Wasserwacht und Rathaus.

von Robert DotzauerProfil

Die dicke Schneeschicht auf der Eisfläche des Rußweihers ist verführerisch. Eine Langlauftour oder eine Schlittenfahrt mit den Kindern lockt auf die weite Fläche des Freizeitsees und die Eisstockschützen sehnen sich nach ihrem geliebten urbayerischen Winter-Freizeitvergnügen. Wenn es kracht und scheppert, ist ihre „hohe Zeit“ gekommen, wenngleich dieses Vergnügen derzeit an den Corona-Infektionsschutzvorgaben scheitert. Auch die Kufenflitzer möchten eher heute als morgen wieder einmal auf dem Natureis des Rußweihers ihre Bahnen ziehen und kunstvolle Pirouetten drehen. Eislaufen auf dem See, schön wär es ja, denken viele Sportbegeisterte. Doch Josef Ott, Vorsitzender der Eschenbacher BRK-Wasserwachtgruppe und stellvertretender Leiter der technischen Wasserwacht auf Kreisebene und Bürgermeister Marcus Gradl warnen, sich nicht vom Rußweiher aufs Glatteis führen zu lassen.

Das Rußweihereis ist zu dünn

Trotz der derzeit winterlichen Verhältnisse sind die Eisflächen der natürlichen Gewässer in der ganzen Region noch zu dünn, hieß es bei einem Ortstermin am Rußweiher. Begehbar sei eine Eisfläche erst, wenn sie durchgängig und dick sei. Voraussetzung dafür seien einige Nächte, in denen das Thermometer zweistellige Minusgrade erreicht. „Solche gibt es heuer noch nicht, um die Sicherheitsvorgabe von zirka 15 Zentimeter Stärke zu erreichen“, betonten Josef Ott und Marcus Gradl übereinstimmend. „Wasser-Retter“ Ott wies zudem auf weitere Gefahren hin. Auch eine vermeintlich dicke Eisschicht sei manchmal ein Risiko. So gebe es Strömungen unter dem Eis, Quellen mit wärmeren Wasser und Gefahrenstellen an Zu- und Abflüssen. Auch dunkle Flecken im Schnee seien Alarmzeichen für eine zu dünne Eisdecke.

Spaß an Schnee und Eis

Eschenbach

Notfallratschläge zur Eisrettung

Zur eigenen Sicherheit empfahl Josef Ott die Beachtung einfacher Regeln. Der Wasserwacht-Chef verwies auf die allgemein bekannten Eisregeln, die beispielsweise auf der Internetseite der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und der Bayerischen Wasserwacht nachzulesen sind. Demnach sollte ein See erst betreten werden, wenn der besagte 15-Zentimeter-Grundsatz erfüllt sei. „Knirscht und knackt es unter den eigenen Füßen, sollte man die Eisfläche, die im Idealfall ohnehin nicht allein betreten werden sollte, schnellstmöglich verlassen“. Bei drohender Einbruchsgefahr empfahl Ott, unbedingt laut um Hilfe zu rufen, sich so wenig wie möglich zu bewegen, um möglichst wenig Körpertemperatur zu verlieren und sich flach auf das Eis zu legen und vorsichtig zurück zum Ufer zu robben. Durch die Verteilung des Körpergewichts auf eine größere Fläche könne im Idealfall ein weiteres Einbrechen ins eiskalte Nass verhindert werden.

Einem Eingebrochenen einen Gegenstand und nicht die Hand reichen, diesen Ratschlag gab Josef Ott möglichen Augenzeugen und Erstrettern. Andernfalls bestehe die Gefahr, von dem in Panik geratenen Eingebrochenen selbst ins Wasser gezogen zu werden. Neben dem unverzüglichen Notruf 112 zur Alarmierung professioneller Rettungskräfte empfahl er, in Notsituationen mit Hilfsmitteln, wie zum Beispiel mit Ästen, einer Leiter, einem Kleidungsstück oder einem Abschleppseil als Provisorium einen Rettungsversuch zu wagen. Hilfreich seien auch Bretter, um das Gewicht auf dem Eis zu verteilen.

Eigene Sicherheit geht vor

Immer im Focus müsse dabei die eigene Sicherheit stehen, betonte der Wasserwacht-Leiter. Auf die brüchige und unsichere Eisfläche zu gehen, sei zudem nur ratsam, wenn eine Seilsicherung durch eine dritte Person bestehe. Zusammenfassend urteilte der ehrenamtliche Wasserwacht-Chef: „Die beste Rettung ist die, die gar nicht erst benötigt wird“. Josef Ott mahnte daher zur Vorsicht. Wer dennoch Wintersport auf dem Eis reiben möchte, sollte grundsätzlich nur an überwachten Stellen und nie allein auf das Eis gehen und Warnschilder beachten.

Auf Freigabe der Stadt warten

Auch Bürgermeister Marcus Gradl riet zur Vorsicht auf einer scheinbar geschlossenen Eisdecke. „Der Bauhof hat am Dienstagvormittag 8 Zentimeter Eisstärke gemessen“. Keine gute Voraussetzung für sorgenfreies Vergnügen. Der Rathauschef verwies in diesem Zusammenhang auf ein Merkblatt des Bayerisches Landesamt für Umwelt. Darin befasst sich die Behörde mit den physikalischen Faktoren der Belastbarkeit einer Eisfläche. In einer Beispielberechnung zeige das Amt auf, dass eine Kerneisfläche erst bei einer Stärke von zirka 15 Zentimetern freigegeben werden sollte. „An dieses Parameter wird sich die Stadt halten“, betonte Gradl. Wer derzeit den Rußweiher betrete, mache das auf eigene Gefahr, so der Bürgermeister und versicherte, den Zeitpunkt des gefahrlosen Betreten des Rußweihers in der Presse und in den sozialen Medien mitzuteilen.

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