12.01.2021 - 11:02 Uhr
EschenbachOberpfalz

Winterfreuden zu Opas Zeiten

Die Winter in der Nachkriegszeit sind denen, die sie erlebt haben, als schöne aber auch eiskalte Zeit in Erinnerung geblieben. Vielleicht liegt die Einschätzung aber auch daran, dass die Kleidung so gar nicht zu den Temperaturen passte.

Bei der Gärtnerei Fischer (Fischerberg) in Eschenbach ging es früher mit dem Schlitten in einem Höllenritt bergab.
von hevProfil

Die Winter waren früher anders. Es gab viel mehr Schnee, und es war eisig kalt. Doch selbst in der größten Kälte trugen die Buben kurze Hosen, unter denen an einem Leibchen nur lange, kratzige Wollstrümpfe befestigt waren. An den Einscheibenfenstern blühten überall Eisblumen. Selbst die im Herbst von außen eingehängten Winterfenster konnten diese „Pracht“ nicht verhindern.

Wenn der Schneepflug durch die Straßen fuhr, bildeten sich an beiden Rändern hohe Schneemauern. Salz wurde nicht gestreut. Von den Stadeln und Häusern hingen lange Eiszapfen herab, die die Kinder mit Schneebällen herabzuschießen versuchten. Taschentücher – wohlgemerkt aus Stoff – hatte man nur in der Schule dabei. Am Nachmittag wischte jeder mit dem Handschuh oder mit dem Ärmel über die Nase, wenn sich ein Nasentröpferl zeigte.

Kaum war die Schule aus, waren die Kinder nicht mehr zu halten. Unter das Kleid oder über die kurze Hose kam die blaue, warme Trainingshose, dazu ein Tuch um den Hals, eine von Mama oder Oma gestrickte Mütze auf den Kopf, eine Strickjacke, Anorak, Wollhandschuhe, dicke Socken und Gummistiefel – so gerüstet stürzten sich die Kinder ins Winterwunderland.

"Rantscheln" auf gefrorenen Pfützen

Rutschen – man nannte es „Rantscheln“ – konnte man auf zugefrorenen Pfützen oder selbst angelegten Bahnen, die die Buben mit Wasser noch glatter gemacht hatten, so dass mancher der Länge nach vor- oder rückwärts hinfiel. „Ihr Frecker, müasst’s ihr denn immer so a Glättn machen“, riefen manche Erwachsene, doch das konnte den Nachwuchs nicht vom Rantscheln abhalten. Auf den größeren Eisflächen spielten die jungen Burschen auch richtig Eishockey mit selbstgemachten Stöcken und einer alten Kondensmilchdose als Puck.

Wer Schlittschuhe hatte, zog zum Stadt- oder Rußweiher. Schlittschuhe im heutigen Sinne waren das beileibe nicht. Diese eisernen Kufen musste man mit einem Vierkantschlüssel an den Schuhsohlen und am Absatz festschrauben. Zog man nicht heftig genug, verlor man sie während der Fahrt und knallte aufs Eis. Wollte man dieses Malheur dagegen vermeiden und drehte richtig fest zu, konnte es passieren, dass man bei seinen Eislaufkünsten plötzlich ohne Absatz herumlief, der brutal herabgerissen worden war. Im Volksmund hieß deshalb dieses Wintersportgerät „Stöcklreißer“. Entsprechend groß war die „Freude“ bei den Eltern, wenn man nach einem solchen Eisvergnügen nach Hause kam.

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Mit den Skiern war es nicht viel anders. Die elenden „Brettln“ verdienten wirklich nicht diesen Namen. Mit Lederriemen wurden sie an die Schuhe gebunden. Später gab es die Skier mit Eisenkanten und einer Seilzugbindung. Dazu brauchte man aber schon extra Skistiefel, die sich die wenigsten leisten konnten. Immer wieder einmal ging die Bindung auf, und der Ski rutsche von selbst den Berg hinunter.

Die Kleineren pilgerten in Scharen zu den Hügeln der näheren Umgebung. Die Straßen und Gehwege konnte man dabei prima nutzen, um den Schlitten zur gewünschten Abfahrt zu ziehen, denn sie waren nur vom gröbsten Schnee befreit. Beliebte Ski- und Rodelhänge waren bei der „Gänshout“ (Fischerberg), am Hotzaberg, in der Kirchenthumbacher Straße beim heutigen Gebel-Anwesen, am Weidelbach, am Weinberg oder was sich sonst für ein Bergerl nahe der Wohnung anbot.

Im Schlitten-Zug den Hang hinab

Die Buben bauten immer sofort unter großem Arbeitsaufwand eine Sprungschanze. So mancher Schlitten, mit dem ein wagemutiger Pilot über den künstlich angelegten Schneehügel bretterte, ging dabei krachend zu Bruch. Gerne banden die Kinder auch mehrere Schlitten zusammen und donnerten im Geleitzug den Hang hinab. Wer vorausfuhr, musste lenken. Die Schlitten schwänzelten hinüber und herüber und immer musste man damit rechnen herunterzufallen.

Meistens blieb alles friedlich. Wenn aber ein Schneeball hinten ins Genick flog oder einer „eingeseift“ wurde, dann waren die Kerle nicht mehr zu halten. Mit hochroten Köpfen gingen die beiden Erzürnten aufeinander los, nahmen sich in den „Schwitzkasten“ und balgten sich so lange, bis einer der Starrsinnigen unten liegen blieb.

Franz Geigenberger hat beispielsweise in einem Gedicht über den Weidelbach die Atmosphäre treffend festgehalten. Hier ein Ausschnitt:

Woi iich nu gla woar, dahint hoast woos gseng,

fast alle Eschabacher Kina san durt gwen.

Im Winta woar immer a moards Tamtam,

Earscht wenn’s finsta woarn ist sammer ham.

Badschert nooß woar e und gfruurn haots mi a so,

Zäia hom bizeelt wöie d’Föiß gwaschn ho.

D’Mudda haod a boar Feddbrode gmacht,

An Fernsea hämer koin mea bracht.

Weidelbach und Weinberg waren im Winter ein Paradies für Kinder: Eine Mutprobe der Rodler bestand darin, vom Weinberg kommend zwischen den Strebepfeilern des Hochspannungsmastes hindurch zu rauschen, eine Aktion, die nicht immer von Erfolg gekrönt war.
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