17.05.2019 - 16:45 Uhr
EschenbachOberpfalz

Rußweiher: Es brodelt in den Parteien

"Geheimniskrämerei" und "einjährige Verschlusssache" - diese Vorwürfe adressiert Marcus Gradl an den Bürgermeister von Eschenbach. Es geht um ein Gutachten zum verschlammten Rußweiher. Nun meldet sich Peter Lehr zu Wort und kontert.

Der Rußweiher verschlammt zunehmend. Die CSU/ÜCW wirft dem Bürgermeister vor, zu einseitig an das Problem heranzugehen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

In Eschenbach sorgen sich die Bürger um "ihren" Rußweiher. Sie befürchten eine zu große Chemiekeule für das Naturmoorbad, nachdem der erste Einsatz des Entschlammungsmittels offenbar nicht so wirksam gewesen sei wie gewünscht. Diese Ängste werden beim CSU-Bürgergespräch laut. Hier formuliert Marcus Gradl, Fraktionssprecher der CSU/ÜCW, auch seine massive Kritik an dem Verhalten von Bürgermeister Peter Lehr (SPD). Gradl wirft dem Rathauschef vor, dass das Gutachten, in dem stehe, dass das Mittel nicht den gewünschten Effekt gehabt habe, schon lange auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters gelegen habe. Den Eschenbacher Stadtrat habe Lehr laut Gradl aber erst nach gut einem Jahr darüber informiert.

Eschenbach

Im Zuge einer Vorbereitungssitzung für die Stadtratssitzung am 31. Januar 2019 sei rausgekommen, dass das Gutachten bereits vorliege, und das schon seit November 2017, sagt Gradl. "Es ist nicht nachzuvollziehen, warum es so lange unter Verschluss gehalten wurde", kritisiert der Fraktionssprecher. Er fragt sich, ob Fehler gemacht worden seien - besonders, da das Mittel das erste Mal nicht richtig gewirkt habe. Die Gründe, die Lehr für die Unwirksamkeit nenne, will Gradl so nicht gelten lassen: "Der Bürgermeister argumentiert mit Fremdwassereinwirkung, aber das allein führt ja nicht dazu, dass das Mittel nicht wirkt." Im Gutachten sind laut Gradl zudem weitere Faktoren genannt, die zur Verschlammung beitragen. Da das Gutachten nicht öffentlich sei, dürfe er daraus jedoch nicht zitieren, bedauert Gradl. Ihm ist nun wichtig, den Fehler nicht bei der Einbringung des Mittels zu suchen, sondern im Zusammenhang.

Ursache bekämpfen

Der CSU/ÜCW-Fraktionssprecher fordert deshalb einen "Runden Tisch", an dem Bürgermeister, Fraktionsführer, Sportangelverein und Teichwirte zusammen kommen und nach einer gesamtheitlichen Lösung für das Schlamm-Problem suchen. Gradl wolle nicht allein die Symptome bekämpfen, sondern besonders die Ursache für die zunehmende Verschlammung. An der Wirksamkeit des Entschlammungsmittels zweifelt er nicht, betont er mehrmals, aber es solle nicht das Ziel sein, immer wieder ein Mittel anzuwenden, ohne dass die Ursache bekämpft worden sei. "Es kommt ja weiter Wasser mit Schlamm in den Rußweiher", erklärt er. "Es ist bedauerlich, dass der ,Runde Tisch' bis heute noch nicht stattgefunden hat. Er wurde im Februar beschlossen."

Gutachten liegt vor

Bürgermeister Peter Lehr reagiert auf die Kritik von Marcus Gradl mit Verwunderung. "Die CSU hat mit rund der Hälfte der Mandatsträger zugestimmt, dass das Mittel wieder eingesetzt wird, und nun schürt sie Ängste", wirft Lehr der Partei vor. Er wittert Wahlkampftaktik. Die Vorwürfe von Gradl weist er zurück: "Jeder Stadtrat hat das Gutachten vorliegen - seit circa Anfang diesen Jahres." Ein Gutachten werde normalerweise auch nicht auf der Homepage der Stadt Eschenbach veröffentlicht, so wie es sich Marcus Gradl gewünscht hatte, betont Lehr. "Gutachten sind in aller erster Linie erst einmal Verschlusssache", sagt er.

Als Hauptursachen für die Verschlammung des Rußweihers stehen laut Lehr auf Seite 6 des Werkes die erhöhte Verfügbarkeit von Nährstoffen und die "obenliegenden Gewässer", die als Fischzuchtweiher genutzt werden. "Ein Faktum, das aufgrund des Naturschutzgebietes nicht veränderbar ist", bezieht er Stellung.

"Starker Wasseraustausch"

Dass das Mittel beim ersten Einsatz im Jahr 2016 nicht richtig gewirkt habe, führt er auf den Zeitpunkt zurück. "Denn der Einsatz erfolgte im September, unmittelbar bevor der Obersee abgelassen wurde. Hierdurch erfolgte ein starker Wasseraustausch, was vermutlich die Wirksamkeit des Mittels stark eingeschränkt hat." Lehr ärgert sich darüber, dass die CSU "wesentliche Fakten einfach nicht nennt. Es wird nur das rausgegriffen, was man braucht".

Die Stadt Eschenbach stehe hinter dem Einsatz des Mittels, da bei den Referenzobjekten der Firma gute Erfolge erzielt worden seien, betont Lehr weiter. Das nächste Gutachten werde dann zeigen, ob das Mittel diesmal im Rußweiher gewirkt habe. "Letztendlich haben wir auch zurzeit gar keine andere Möglichkeit, die zunehmende Verschlammung in den Griff zu bekommen, um die Naherholungsqualität unseres Badegewässers langfristig zu erhalten."

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