10.11.2020 - 14:04 Uhr
EschenbachOberpfalz

Am Rußweiher in Eschenbach geht eine Pächter-Ära zu Ende

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"Durch Eschenbach schallt der Applaus, bei den Rodlers fühlt man sich zuhaus'": Eine riesige Genuss-Gemeinde verneigt sich vor den Wirtsleuten des Hotel-Restaurants Rußweiher. Denn zum Jahresende ist Schluss. Aber es gibt einen Nachfolger.

Bis in die 1980er Jahre Schullandheim, wurde das Hotel-Restaurant Rußweiher nach der Verpachtung an die Familie Rodler zu einem gastronomischen Sehnsuchtsort.
von Robert DotzauerProfil

Längst gehört das Hotel-Restaurant Rußweiher in Eschenbacher zu den Vorzeigeadressen Oberpfälzer Gastlichkeit und Kochkunst. Die Schmankerln aus Brigitta Rodlers Pfannen und Töpfen verdienen Gourmetsterne. Der kulinarische Tempel ist für Feinschmecker eine Top-Adresse. Und auch der Service lässt keine Wünsche offen.

Dafür verantwortlich ist auch Seniorchef Raimund Rodler. Trotz seiner über 80 Lenze baut er bereits um 5 Uhr morgens das Frühstücksbuffet für die Hotelgäste auf. Auch sonst ist der Hausherr ein wichtiger Ansprechpartner – und ein charmanter Gastgeber.

Doch die Lebensringe lügen nicht. „Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist, auch wenn man mit Leib und Seele am Beruf hängt“, sagt Chefin Brigitta. Die Ära Rodler endet deshalb unwiederbringlich zu Silvester 2020. Dann ist Schluss mit einem Arbeitsleben voller Power, ganzer Hingabe und freudiger Ereignisse.

Die Gastronomie-Legende Raimund Rodler hat stets viel zu erzählen. Das letzte Bier aus dem Zapfhahn fließt am 31. Dezember 2020.

Geborene Wirtsleute

Brigitta Rodler und ihr Raimund gehören zu den Urgesteinen der Hotel-Gastronomie. Weit über Eschenbach hinaus war das Paar für viele Genussmenschen eine feste Größe. Als „geborene Wirtsleut'“ machten sie sich schon in den 1960er und 1970er Jahren einen guten Namen.

Ab 1991 kam es schließlich zu einer überaus fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen den Rodlers und der Stadt Eschenbach. Als Pächter der Freizeit- und Campinganlage Rußweiher verstehen es die Wirtsleute, die anspruchsvolle Betreuung der städtischen Campinganlage und die vorübergehende Mitverwaltung des Hexenhäusels am Ufer des Freizeitsees einschließlich der Betreuung der Minigolf-Anlage in Einklang mit dem Hotel- und Gaststättenbetrieb zu bringen: Eine Riesenaufgabe, sind doch hochgesteckte Erwartungen der Stadt, der Camper sowie der Hotel- und Restaurantgäste zu erfüllen.

Zum guten Ruf des Gesamtensembles gesellt sich schon bald nach dem Pachtantritt ein Wohlfühlambiente mit feiner Küche und freundlichem Service. Brigitta und Raimund Rodler schaffen mit dem Hotel-Restaurant Rußweiher einen Sehnsuchtsort, der sich in der regionalen Gastronomie- und Kulturszene einen klingenden Namen erobert. Ein Dreiklang, den eine charmante und leidenschaftliche Gastgeberin sowie ein stets zu Bonmots und zu Späßchen aufgelegter Gastgeber zu einem harmonischen Ganzen vereinigen.

Brigitta Rodler ist bis zum letzten Arbeitstag an Silvester 2020 in ihrem Element.

Pächter ein Glücksgriff

„Wer gut speisen will, geht zu Rodler“, lautet in der Bevölkerung in all den Jahren die gängige Empfehlung, und auch die damaligen Verantwortlichen der Stadt, die sich 1991 für die Verpachtung an die Rodlers entschieden, stellen immer wieder fest: „Die Pachtvergabe an Brigitta und Raimund Rodler war ein absoluter Glücksgriff.“

Zeit zurückzublicken also. Während der stets fröhliche Wirt ein Hefeweizen einschenkt, sprudelt es aus Raimund Rodler heraus. Bei seinem Rückblick klingt allerdings auch viel Wehmut mit. Rodler erinnert sich an berühmte Besucher, die sich im Gästebuch verewigten. „Bevor Günther Beckstein und Horst Seehofer zu Bayerischen Ministerpräsidenten wurden, waren beide Politiker bei uns“, scherzt der Wirt und bezieht sich auf deren Besuche bei den traditionellen Sommergesprächen der CSU im Biergarten des Restaurants.

Es regnet rote Rosen

Ein herzliches Verhältnis pflegte Rodler auch mit den Angehörigen der US-Streitkräfte. „Für viele Soldaten bis zu Drei-Sterne-Generälen war das Restaurant mit seinen besonderen Küchenschmankerln eine gute Adresse“, erklärt der Gastronom stolz. Als langjähriger Leiter der Flugrettungsstaffel Bayern erinnert Rodler an weitere treue Stammgäste: „Auch viele Fliegerkameraden fühlten sich bei uns sauwohl.“

Seine Fliegerkarriere nutzte der Wirt übrigens schon zeitig für eine besondere Liebeserklärung: Raimund Rodler erzählt von einem „Luftangriff“ auf das Wohnhaus seiner späteren Ehefrau in Neuhaus bei Windischeschenbach. „Der endete mit dem Abwurf eines Straußes roter Rosen.“

Dankbar erinnert sich Brigitta Rodler an die vielen treuen Stammgäste, an die unzähligen Geburtstags- und Hochzeitsfeiern sowie viele weitere gesellschaftliche Ereignisse: „Jeder zufriedene Gast war für mich ein Glücksmoment und Motivation zugleich.“

Auch kulturell war die Freizeitanlage mit ihrer behaglichen Biergartenatmosphäre eine Besonderheit. Als Beispiel nennt Chefin Brigitta die auf einem hohen musikalischen Niveau stehenden Sommerkonzerte der Eschenbacher Big-Band.

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Sonntags Abholservice

Corona macht die letzten Wochen der Ära Rodler zu einer Herausforderung. „Unseren Ausstand haben wir uns anders vorgestellt“, erklärt das Pächterpaar. Die Hygienevorgaben der Regierung machen einen Gastronomiebetrieb unmöglich. Einzig der Abholservice für die bestellten Delikatessen aus Brigittas Küche an den Sonntagen machen ein bisschen Hoffnung auf Normalität.

Ob diese dann in der Vorweihnachtszeit wenigstens teilweise wieder Wirklichkeit wird, steht noch in den Sternen. Deshalb bleibt auch das Abschiednehmen von den vielen treuen Gästen in der Schwebe. Schon jetzt bittet das Wirtepaar, Essensgutscheine baldmöglichst einzulösen. Die Gutscheine verlieren mit Pachtende zum 31. Dezember 2020 ihre Gültigkeit.

Einen Lichtblick gibt es dann doch noch: Die Nachfolge ist gesichert. Das renommierte Rußweiher-Hotel bekommt ab 1. Januar 2021 einen neuen Pächter. Auf Vermittlung der Rodlers übernimmt Matthias Schubert aus Neustadt am Kulm die Freizeitanlage. Der neue Pächter ist gelernter Hotelfachmann und schon seit einigen Jahren in den Gourmettempel am Rußweiher eingebunden.

Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist

Brigitta Rodler

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