19.02.2020 - 17:14 Uhr
EschenbachOberpfalz

Das sagen die Bürgermeisterkandidaten in Eschenbach zur "Spange Ost"

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Drei Jahre ist der Bürgerentscheid über die "Spange Ost" her. Bei der Kommunalwahl 2020 spielt das Thema aber wieder eine wichtige Rolle. Wir haben bei den Kandidaten nachgefragt.

Die Birschlingkreuzung in Eschenbach.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Per Bürgerentscheid lehnten die Eschenbacher 2017 die Umgehung "Spange Ost" mit 59,46 Prozent ab. Sie sollte von der Staatsstraße 2168 auf Höhe Thomasreuth zur B470 beim Industriegebiet am Stadtwald verlaufen, um die dortige Kreuzung sicherer zu machen und zu entlasten. Im Stadtrat wurde über die Alternative eines Kreisverkehrs diskutiert, doch das Staatliche Bauamt erteilte den Plänen bisher eine Absage. Ein Gutachter empfahl dem Stadtrat im Juli 2019, im Hinblick auf die mögliche Erweiterung des Industriegebietes und dem Bau einer Tankstelle, die Installation von Ampelanlagen.

Die Birschlingkreuzung ist auch im Kommunalwahlkampf 2020 daher weiterhin Thema. Die Lösungen der drei Bürgermeisterkandidaten Marcus Gradl (CSU), Thomas Ott (SPD) und Thomas Riedl (Freie Wähler) unterscheiden sich. Doch nicht nur diese Stelle auf der B470 wird immer wieder diskutiert, auch die Rußweiherkreuzung spielt eine Rolle.

Marcus Gradl (CSU) wünscht sich für die Birschlingkreuzung im Idealfall einen Kreisverkehr. "Doch diese Lösung ist laut Bauamt nicht möglich. Deshalb favorisiere ich die Ampellösung – noch in diesem Jahr", erklärt er. Fußgänger und Radfahrer müssen die Kreuzung sicher überqueren können. Zudem kündigt er an: "Ein weiteres Industriegebiet am Birschling wird es mit mir nicht geben. Die Gebiete Gossen und Apfelbach sind aktuell ausreichend." Für das bestehende Industriegebiet will er aber eine neue Zufahrt schaffen, um die Kreuzung an der B470 und auch die Anlieger am Ruck, im Meierfeld und in der Industriestraße zu entlasten. Einer Wiederbelebung des Projekts "Spange Ost" erteilt Gradl eine klare Absage: "Ich habe mich gegen dieses Projekt eingesetzt und ein Bürgerbegehren mitinitiiert." Straßenbaumaßnahmen seien immer ganzheitlich zu sehen. So sei zum Beispiel auch die Speinsharter Straße überlastet. Die "Spange Ost" führe seiner Ansicht nach lediglich zu einer Verkehrsverschiebung und koste zudem mindestens zehn Millionen Euro.

Auch für die Rußweiherkreuzung sieht Gradl einen Kreisverkehr als beste Lösung. Sollte das nicht möglich sein, bevorzugt er auch hier eine Ampellösung. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Kilometer pro Stunde auf der B470 wünscht er sich durchgehend vom Industriegebiet bis zur Rußweiherkreuzung.

Thomas Ott (SPD) sieht nach der Verkehrsuntersuchung am Industriegebiet vom Mai/Juni 2019 keine Notwendigkeit für eine Ampelanlage oder eine zweite Zufahrt in Richtung Hammermühle/B470. Auch bei einer Beschäftigungssteigerung um 1500 Arbeitnehmer nicht. "Durch die ,Spange Ost' würden wir mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wir bekämen dadurch eine elegante Lösung an der Birschlingkreuzung mit Brücke, Einfädelspuren und Fußgängerüberweg", argumentiert der SPD-Kandidat. Die Grafenwöhrer Straße werde dadurch um 30 Prozent entlastet, zeitgleich würden durch die "Spange Ost" Ein- und Ausfahrten zu den Baugebieten Kalkofen und Esperngasse-Ost entstehen. Dadurch kreiere man ebenfalls zwei attraktive Kreuzungspunkte für die Ansiedlung von Märkten und Tankstelle.

Durch "zum Teil bewusst gestreute Falschinformationen" wie das "Monsterbauwerk Brücke" wurde die Umgehung 2017 abgelehnt, sagt Ott. 2500 Fahrzeuge würden laut aktuellen Verkehrszahlen täglich aus Richtung Grafenwöhr nach Eschenbach hinein fahren. "Das Herunterspielen der Verkehrsbelastung in der Grafenwöhrer Straße war eine Ohrfeige ins Gesicht der dortigen Anwohner", erklärt er. Bereits zwei Jahre nach dem Bürgerentscheid sei der Mangel deutlich zu bemerken. Mit allerlei Flickwerk werde nun versucht die Problematik in den Griff zu bekommen. "Die ,Spange Ost' ist nach wie vor in der Bayerischen Straßenbauplanung in Prioritätsstufe 1 mit einem Fördersatz von 80 Prozent auf die Straße und 50 Prozent auf das Brückenbauwerk vertreten. Bürgerentscheide können nach zwei Jahren mittels Stadtratsbeschluss überstimmt werden", argumentiert er für die Umsetzung des Projekts. Die Zeit für die Umsetzung dränge, denn nicht umgesetzte Projekte würden irgendwann aus der Förderung fliegen.

Das sind die Pläne der Eschenbacher Kandidaten für den Rußweiher

Eschenbach

Die Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 Kilometer pro Stunde an der Rußweiherkreuzung sieht Ott als wichtige Errungenschaft. Wartezeiten zu Stoßzeiten und Missverständnisse kämen aber weiterhin vor. "Ein Ortstermin mit dem Staatlichen Bauamt hat aber aufgezeigt, dass an dieser Stelle ein Kreisverkehr aufgrund seiner Dimensionen nicht möglich ist", erklärt der Stadtrat. Für eine mögliche Ampellösung müssten zunächst verlässliche Zahlen über die Verkehrsfrequenz in diesem Bereich vorliegen.

Thomas Riedl (Freie Wähler) hält einen Kreisverkehr für die günstigste und praktischste Lösung an der Birschlingkreuzung. Für die Fußgänger und Radfahrer müsse dann aber eine Lösung gefunden werden. Da das allerdings laut Bauamt schwierig erscheint, hält er die "Spange Ost" für die zukünftige Entwicklung Eschenbachs für "eher wichtig". Die notwendige Brücke und die damit einhergehende Absenkung der Fahrbahn sieht er als "weniger dramatisch, als von den Gegner dargestellt". Durch die Umgehung ergäben sich Alternativen zur Erweiterung oder Erschließung des Industriegebietes. Mit dem Bau der "Spange Ost" erfolge auch eine Umwidmung der Grafenwöhrer Straße, was die Möglichkeit für weitere Zufahrten zur Esperngasse und zum Kalkofen ermögliche.

Bei der Rußweiherkreuzung verweist Riedl darauf, dass es für Fußgänger und Radfahrer bereits eine Unterführung gibt. "Leider gibt es noch immer unvernünftige Personen, die die Bundesstraße direkt überqueren", mahnt er an. "Ein Kreisverkehr wäre wünschenswert", sagt der Kandidat der Freien Wähler, weist aber auch darauf hin, dass das Bauamt diesen bisher ablehnt.

Die Rußweiherkreuzung in Eschenbach
Kommentar:

Es droht Stillstand

Das Projekt „Spange Ost“ ist trotz der Ablehnung per Bürgerentscheid nicht tot. 2017 lehnten 59,46 Prozent den Bau der Umgehung ab. Gerade im Wahlkampf lebt das Vorhaben aber wieder auf. SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Ott ist ein Verfechter des Projekts und scheut sich wohl auch nicht davor, es wiederzubeleben. CSU-Kandidat Marcus Gradl als einstiger Mitinitiator des Bürgerentscheides 2017 möchte es eher wieder begraben. Thomas Riedl spricht sich ebenfalls für die „Spange Ost“ aus, da ein Kreisverkehr nicht möglich ist. Worauf läuft es hinaus? Egal, wer Bürgermeister wird, bei diesem Thema droht im schlimmsten Fall Stillstand. Schlussendlich wird es bei einer Lösung für die Birschlingkreuzung um Mehrheiten im Stadtrat gehen. Wahrscheinlich wird sich daher in Zukunft eine Seite bewegen müssen, damit sich auch an der Kreuzung etwas bewegt.

Von Matthias Schecklmann

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