18.11.2020 - 15:12 Uhr
EschenbachOberpfalz

Nach der Schlacht am "Weißen Berg": Unsichere Zeiten auch in Eschenbach

In diesen Tagen vor 400 Jahren sind sie geschlagen zurückgekehrt: Die Reste des „Eschenbacher Fähnleins“, das am 10. November 1620 am „Weißen Berg“ dabei war.

Die Statue vor dem Luftmuseum Amberg zeigt Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, den "Winterkönig" und Dienstherrn von Leander Köferl.
von Externer BeitragProfil

Von Johann Ott

Wie viele Männer aus Eschenbach und Umgebung 1620 bei der Schlacht am "Weißen Berg" nahe Prag gefallen oder verwundet worden sind, verschweigen die Akten. Aber sie waren bereit gewesen, für ihren Kurfürsten, den "Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz, und seine Ansprüche ihr Leben in die Waagschale zu werfen.

Ende August war der Trupp von Eschenbach weggezogen, hatte in Eslarn, Bärnau, Pleystein, Waidhaus und Tachau Station gemacht, aber vergeblich auf den Sold gewartet. Am 19. Juli 1621 war er nochmals gefordert worden. Wahrscheinlich wurde er aber nie gezahlt,

Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz hatte hoch gepokert, als er das Angebot des böhmischen Adels, die Krone Böhmens zu übernehmen, angenommen hatte. Er hatte gehofft, dass die evangelischen Verwandten aus England und den Niederlanden ihm beistehen würden.

Aber der Einfluss der Habsburger war stärker. Möglicherweise war auch die Angst zu groß, dass sich dadurch im Reich die Mehrheitsverhältnisse zugunsten der Protestanten verschoben hätten.

Die Habsburger und der katholische Wittelsbacher, Herzog in München, ließen ihre Truppen vor Prag aufmarschieren. Dort, wo heute die Asamkirche „Maria Victoria“ steht, kam es zur entscheidenden Schlacht.

Der Heidelberger Kurfürst verlor und ging in die Verbannung. Was mit den Untertanen geschah, war für die Herrschenden damals nicht wichtig. Die Oberpfalz kam 1628 zu Oberbayern, wurde katholisiert. Oberbayern zahlte dafür 300 000 Gulden.

Damit erreichte der Dreißigjährige Krieg auch Eschenbach. Denn im Februar 1621 kamen die Truppen von Peter Ernst Graf zu Mansfeld (1000 Reiter), die den „Winterkönig“ Friedrich V. bei seinem böhmischen Abenteuer unterstützt hatten, in der Oberpfalz an: Am 13. Februar waren sie in Neustadt/WN nachweisbar.

120 Mann – im Ratsprotokoll nur „Bemen“ genannt – unter dem Heerführer „von Schlammersdorf“ besetzten die Stadt. Sie wüteten besonders, da sie erst im Juli ihren Sold erhielten: in Eschenbach am 19. Juli 1800 Gulden pro Mann. Aber schon am 23. März wird von einer Schlägerei zwischen Bürgern und Soldaten berichtet, bei der der Schreiner Konrad Vorster – sein Anwesen hat jetzt die Adresse Ledergasse 16 – umgebracht wird.

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Amberg

Der Oberbefehlshaber dieser Truppenteile ist Balthasar Jacob von Schlammersdorf zu Plankenfels und Hohenlohe (gestorben 1634), der kaiserlicher Generalfeldwachtmeister war. Da er nun gegen den Kaiser gekämpft hatte, wird seine Bestrafung im „Consilium vom 31. August 1621“ ausdrücklich gefordert.

Dort heißt es: Alle anderen, „die würcklich wider den Kayser mit Rath und auch in armis gedient als Schlammerstorf sollen nach Gelegenheit gestraft werden“. Von Schlammersdorf geht 1625 in dänischen Dienst und nimmt weiterhin am Dreißigjährigen Krieg teil.

Mansfeld kann nichts mehr zahlen, deshalb entlässt er am 8. September seine Reiter, die in Eschenbach einquartiert sind, nach Hause. Nun kommen die katholischen Truppen unter dem Obristen Hannibal von Herleberg, der zur Armee des kaiserlichen Heerführers Tilly gehört. Ein „Fendl“ (400 Mann) mit Pferden wird in Eschenbach einquartiert.

Herleberg ist dem Augsburger Bekenntnis (Luthertum) gewogen. Religiöse Konflikte gibt es jedoch noch nicht. Aber militärischer Widerstand gegen die neuen Herren sollte nicht mehr möglich sein.

Deshalb werden am 29. November unter der Aufsicht von Leutnant Hans Heller/Höller den Eschenbachern alle Waffen abgenommen. Sie versuchen zwar, sich zu wehren, da sie sonst, wie sie sagen, schutzlos allen weiteren Plünderungen und Überfällen ausgeliefert seien – jedoch vergebens.

Hintergrund:

Leander Köferl: Für die Königswürde seines Herrn verausgabt

Etwa zu gleicher Zeit lebte der Eschenbacher Leander Köferls. Er war ein Neffe des Caspar Köferl, den seine Witwe mit einem Epitaph in der Eschenbacher Pfarrkirche geehrt hatte. Zwar war er nicht am Kaiserhof in Prag, aber auch er war ab 1610, mit etwa 33 Jahren, kurfürstlicher Kammerrat bei der Regierung in Amberg. 1615 kaufte er sich ein Haus in der Regierungsstraße in Amberg. Er bemüht sich aber, auch die Holzmühle bei Eschenbach wieder auf Vordermann zu bringen. Dazu ließ er viele Weiher in der Gegend entlanden. 1619 starb er mit etwa 47 Jahren, woran ist unklar. Die Akten weisen aber darauf hin, dass er sich im Zusammenhang mit der Königswürde seines Herrn Friedrich V. verausgabt hatte. Nach vielen Hinweisen war die Friedhofskirche als Grablege für die Köferls von ihm geplant.

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