03.04.2020 - 11:29 Uhr
EschenbachOberpfalz

In "Selbstbedienung" zu Palmschmuck

Nur noch selten erinnern auf dem Friedhof Gestecke und Palmdekorationen an das Wirken des Missionskreises um Lidwina Wiedenhofer. Eine hochmotivierte Frauenrunde hatte über Jahrzehnte Palmschmuck in vielen Variationen gefertigt.

Der Palmschmuck ist eine Erinnerung an Lidwina Wiedenhofer.
von Walther HermannProfil

Für die bis zu 15 Mitarbeiterinnen des Missionskreises waren vor Ostern die Kellerräume des Anwesens Wiedenhofer mitunter wochenlang zu einem zweiten Zuhause geworden. Mit großer Begeisterung bastelten sie Schmuck- und Dekorationsgegenstände aus Weidenkätzchen, Buchs, Birkenreisig und ausgeblasenen Eiern. Stets abgeerntet wurde dafür die Weidenkätzchenzucht in Lidwinas Garten. Birkenreisig bildete die Grundlage für Steckkreuze, die sich mit Palmkätzchen dekoriert bestens als Osterschmuck für Gräber eigneten.

Messer, Faden, Zwirn und Klebstoff waren stets unentbehrliche Hilfsmittel an den Bastelnachmittagen und -abenden der gut gelaunten Tischrunden. Neben dem bestellten Palmkätzchenschmuck galt es stets, für den freien Verkauf am Palmsonntag ein ausreichend großes Sortiment zur Verfügung zu haben. Dazu gehörten neben kleinen Palmbuschen und dekorativen Birkenkreuzen kleine Osterkränze, Palmkronen, Pax-Christi-Zeichen und bunte Eier am Stiel mit Palmkreuz. Die Nachfrage bei den Gottesdiensten am Palmsonntag war stets sehr groß.

Der Verkaufserlös, ebenso der der Kräuterbuschenaktion zu Mariä Himmelfahrt, war stets Ordensstationen in Mosambik und Simbabwe oder der Förderung des Priesternachwuchses in Indien gewidmet. Im Mai 2001 war anlässlich des Heimaturlaubs von Schwester Rosa das Jubiläum „20 Jahre Mosambikhilfe“ gefeiert worden.

Im April vergangenen Jahres verstarb Lidwina Wiedenhofer nach längerer Krankheit. Bereits seit einigen Jahren führt ein Arbeitskreis um Brigitte Metzner die Wiedenhofer’sche „Palmwerkstatt“ fort. Der in diesem Jahr für das Palmsonntagszeremoniell bereits gefertigte Palmschmuck und die traditionellen Buschen liegen wegen der aktuellen Ausgangsbeschränkungen im Einvernehmen mit Pfarrer Thomas Jeschner in der Kirche St. Laurentizs gegen eine Spende zur "Selbstbedienung“ auf.

Auch selbst gefertigte Buschen können mit Namensvermerk versehen bis Samstag um 16 Uhr in der Kirche abgelegt und nach erfolgter Weihe ab Sonntagmittag wieder abgeholt werden. Der Stadtpfarrer zelebriert zu den üblichen Gottesdienstzeiten nur stille Messen, ruft die Gläubigen der Pfarrgemeinde jedoch zur Gebetsgemeinschaft auf. Texte für Hausgottesdienste liegen in der Kirche auf.

Hintergrund:

Heil- und segenskräftige Zweige

Erste Zeugnisse für den deutschen Palmbrauch stammen schon aus dem neunten Jahrhundert. In seinem Werk „Alte Oberpfälzer Bräuche“ blickt Gustl Motyka zurück auf das Ende des Mittelalters, als der Palmbrauch bereits als Volkssitte stark verbreitet war.

Er verweist auf zahllose Zeugnisse und Bräuche, mit denen zum Ausdruck kommt, dass die geweihten Palmbuschen weit über den kirchlichen Segen hinaus für heil- und segenskräftig gehalten werden. Der Palmzweig sei gar als Fruchtbarkeitssymbol betrachtet worden.

In seinen vor 40 Jahren niedergeschriebenen Beobachtungen berichtet er, dass zu Hause das Kreuz im Herrgottswinkel oder überhaupt jedes Kreuz mit Palmzweigen geschmückt wurde. Auch unter das Hausdach wurden einige Palmzweige gesteckt, damit der Blitz nicht zünden konnte. Eine Hand voll Palmkätzchen erhielt auch das Vieh, denn dadurch wurden Hexen und "Druden" vertrieben.

Auch beim Palmsonntagsessen schluckten die Hausbewohner einige Palmkätzchen, um Halsschmerzen fernzuhalten. Am Nachmittag des Palmsonntags gehen auch heute noch Bauern zu ihren Feldern und stecken Palmzweige in den Acker, damit eine gute Ernte eintritt.

Schlägt am Palmzweig gar etwas Grünes aus, so hilft das gegen Hexen und andere Unholde. Aus der Rinde wurden früher "Drudenfüße" an die Bettstatt genagelt. War ein starkes Gewitter im Anzug, verbrannte man auf dem Herd einige geweihte Palmkätzchen.

Motyka berichtet auch von einem Brauch, der mit dem Palmsonntag verbunden ist. Wer als Letzter aus seinem "Nest" kommt, also der Langschläfer ist, wird als "Palmesel" bezeichnet.

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