07.11.2021 - 11:38 Uhr
EschenbachOberpfalz

Spazieren und informieren am Natura-2000-Rundweg um den Großen Rußweiher

Die Corona-Zeit hat demonstriert, wie wichtig Natur zum Erholen ist. Aber es ist auch wichtig, sie zu verstehen. Einen Beitrag leistet der kürzlich eröffnete Infoweg um den Großen Rußweiher im Natura-2000-Gebiet „Eschenbacher Weihergebiet“.

Der Natura-2000-Rundweg ist etwa 4,5 Kilometer lang und führt um den Großen Rußweiher in Eschenbach. Neue Tafeln informieren über die Natur dort.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Der Rundweg selbst um den Großen Rußweiher in Eschenbach ist freilich nicht neu, sondern bereits seit einigen Jahrzehnten beliebt bei Einheimischen und Touristen. Er ist etwa 4,5 Kilometer lang, die reine Gehzeit beträgt eine gute Stunde. Deutlich aufgewertet wird der Weg aber nun durch insgesamt neun Stationen unter dem Motto „Naturschätze vor unserer Haustür“. Diese verfolgen ein klares Ziel: Den Besuchern die kostbare Natur dort nahebringen, sie verstehen zu lernen und damit auch die oft komplexen Prozesse und Zusammenhänge zu erklären. Dies geschieht mit anschaulichen Bildern und informativen Texten.

Vogelkundlich sind der Rußweiher und seine Umgebung überregional bekannt und ziehen jedes Jahr Vogelspezialisten und Interessierte aus der ganzen Bundesrepublik an – was nicht zuletzt an den beeindruckenden und seltenen Fischadlern, Schwarzhalstauchern und Lachmöwen liegt. Und so informiert eine Tafel des Natura-2000-Rundwegs auch darüber, dass Lachmöwen eben nicht lachen, sondern bevorzugt an flachen Gewässern – sogenannten Lachen – brüten und daher ihren Namen haben. Gegeben werden auch am konkreten Beispiel Einblicke in die Entwicklung von Mooren und die wichtige Bedeutung von Torfmoosen bei der Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid.

Wer mit Forstamtsrat Martin Gottsche, Leiter des Forstreviers Eschenbach, auf dem Weg unterwegs ist, erkennt auch dessen Freude über die Info-Station zum Thema Totholz. „Immer wieder wird gesagt, dass das doch schlampig aussehe und aufgeräumt gehöre“, berichtet Gottsche. Vielmehr sei das Gegenteil richtig: „Biotopbäume und Totholz sind alles andere als tot. Sie bilden eine wichtige Grundlage für die Artenvielfalt in Wäldern und bieten Nahrungs- und Nistmöglichkeiten für Vögel, Insekten und Fledermäuse“, betont der Förster. Die weiteren Infotafeln geben auch kompakt Auskunft zu den Themen ökologische Teichwirtschaft und Biotopgestaltung. Auch der Lebensraum Wiese kommt auf dem Weg nicht zu kurz: Extensiv genutzte Mähwiesen sind ein wichtiger Lebensraum. Mit bis zu 30 bis 45 Pflanzenarten auf 25 Quadratmetern ist der Anteil mindestens doppelt so hoch wie im intensiv genutzten Wirtschaftsgrünland. Auch deswegen fühlt sich das Breitblättrige Knabenkraut ziemlich wohl im Eschenbacher Weihergebiet.

Für eine pfiffige Attraktion am Weg hat die Deutsche Waldjugend gesorgt: Am Damm zwischen Großen und Kleinen Rußweiher kann die Flügelspannweite verschiedener Vögel nachempfunden werden – vom eher zierlichen Eisvogel und dem Schwarzhalstaucher bis hin zu den durchaus dominanten Fischadlern und Seeadlern. Und es bleibt die Erkenntnis: Gut, dass man den Adlern nur selten Auge in Auge persönlich gegenübersteht.

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Hintergrund:

Der Natura-2000-Rundweg

  • Maßnahme des EU-Projekts „LIFE living Natura 2000“ für das europäische Naturerbe in Bayern, umgesetzt von der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und kofinanziert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und den Bayerischen Naturschutzfonds.
  • Natura 2000 ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten.
  • Aktuell gibt es etwa 27.000 Schutzgebiete auf 18,5 Prozent der Landfläche der EU.
  • In der Oberpfalz gibt es 108 Natura 2000-Gebiete.
  • Der Weg ist auch mit Buggy nutzbar, in den kommenden Wochen muss allerdings wegen der Moorrenaturierung Paulusweiher mit Einschränkungen bei der Wegbeschaffenheit gerechnet werden
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