01.12.2019 - 17:15 Uhr
EschenbachOberpfalz

SPD nominiert Peter Lehr mit 100 Prozent Stimmen als Landratskandidat

Mit großer Geschlossenheit zieht die Kreis-SPD am Samstagvormittag in den Wahlkampf. Ihren Landratskandidaten Peter Lehr schickt sie mit einem stattlichen Votum ins Rennen.

Einhellige Zustimmung der Genossen bekommt Peter Lehr (Vierter von rechts) für seine Kandidatur als Landrat: Erste Gratulanten sind Bezirksvorsitzender Franz Schindler (rechts), die ehemalige Unterbezirksgeschäftsführerin Gisela Birner (Dritte von links) sowie das Führungsteam des SPD-Kreisverbandes mit (von links) Nicole Bäumler, Sebastian Dippold, Markus Ludwig, Jürgen Kürzinger und Maria Sauer.
von Holger Stiegler (STG)Profil
17 Frauen und 43 Männer bewerben sich um einen Kreistagssitz für die SPD. Bis zu Listenplatz 34 halten die Sozialdemokraten die Quote durch, jeden zweiten Platz abwechselnd mit Männern und Frauen zu besetzen. Dahinter kommen nur noch Männer.
SPD-Bezirksvorsitzender Franz Schindler: "Es war, ist und bleibt eine Ehre, für die SPD kandidieren zu dürfen."
SPD-Landratskandidat Peter Lehr: "Wir sind das soziale Gewissen, und Ihr alle gebt unserer Partei dieses soziale Gesicht.“

Ähnliches wie für Lehr gilt für die 60 Kreistagskandidaten bei der Nominierungskonferenz im Eschenbacher Rohrer-Saal. Von allen Delegierten gab es bei den geheimen Abstimmungen jeweils ein Ja zu den Personalvorschlägen. Das registrierten neben Kreisvorsitzendem Markus Ludwig auch Bezirkschef Franz Schindler, Ehrenmitglied Oskar Schwarz und die ehemalige Unterbezirks-Geschäftsführerin Gisela Birner mit Wohlwollen.

Plakate an den Wänden verkündeten bereits, mit welchen Schlagworten Lehr in den Kampf ums Lobkowitzerschloss zieht: leidenschaftlich, verlässlich, sozial, fair, nachhaltig. Das macht der 61-jährige Eschenbacher Bürgermeister auch in seiner Rede deutlich, die ohne Attacken gegen die politischen Mitbewerber auskommt. "Es ist nicht meine Art, auf andere mit dem Finger zu zeigen, sie zu diskreditieren oder in ihrer Ehre zu verletzen."

Als Landkreis-SPD habe man es nicht nötig, "schmutzige Wäsche" zu waschen. "Wir können etwas, wir leisten etwas und können stolz auf das Erreichte sein", sagte Lehr. Der Landratsbewerber schlug in seiner Vorstellungsrede einen großen Bogen zurück in die Geschichte der SPD und beleuchtete besonders sozialversicherungsgesetzliche Aspekte, die durch sozialdemokratischen Einsatz realisiert worden seien. Dies schlage sich bis in die Gegenwart nieder, wo die SPD maßgeblich zur Umsetzung der "Respektrente" beigetragen habe. "Dieses Land und dieser Landkreis brauchen die SPD, denn wir sind das soziale Gewissen."

Gute Arbeit im Kreistag

Die zurückliegenden sechs Jahre hätten den Landkreis deutlich vorwärtsgebracht durch den Sachverstand und den Weitblick der SPD im Kreistag. Als Beispiele beim Thema Hochbau nannte Lehr unter anderem den Neubau am Landratsamt Neustadt, die Modernisierung des Gymnasiums Neustadt oder die laufende Baumaßnahme im Landratsamtsgebäude Eschenbach.

Ein "Leuchtturmprojekt" sei die Baxi-Einführung. "Der Antrag kam von der SPD-Fraktion", stellte Lehr klar. Ebenfalls beantragt habe man ein "Sozialticket" für Menschen, die finanziell nicht gut gestellt seien. Auch wenn der Antrag im Kreisausschuss abgelehnt worden sei, so zeigte sich Lehr kämpferisch: "Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen."

Die inhaltliche Arbeit an den Wahlkampfzielen laufe intensiv, in den nächsten Wochen und Monaten werde man damit bei den Bürgern werben. Einige Punkte reißt Lehr bereits an: Man werde sich dafür einsetzen, dass alle landkreiseigenen Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen zur Eigenstromversorgung ausgestattet werden. Ziel müsse es darüber hinaus sein, "grünen NEW-Strom" auf den Weg zu bringen.

Ein Augenmerk müsse darauf gelegt werden, ein Technologietransferzentrum - also eine aus einer Hochschule ausgelagerte dezentrale Forschungseinrichtung - im Landkreis anzusiedeln, beispielsweise könnte dies der Bereich "Neue Werkstoffe" sein. "So könnten zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze im Landkreis entstehen."

An die Anwesenden appellierte er, einen fairen und sachlichen Wahlkampf zu führen. Mit stehendem Beifall belohnten die Genossen die Vorstellungsrede - was sich anschließend in der 100-Prozent-Zustimmung niederschlägt.

"Wie bei Grönemeyer"

Die Stadtkapelle Eschenbach stimmte das "Steigerlied" an und begeisterte damit die Anwesenden - allen voran SPD-Bezirksvorsitzenden Franz Schindler. "Das ist wie in einem Grönemeyer-Konzert", sagt er Schindler in seinem Grußwort, das einem flammenden Plädoyer für die Idee der Sozialdemokratie gleicht. Er erinnerte daran, dass die SPD den Freistaat Bayern nicht nur "erfunden", sondern 1933 als einzige Partei gegen die Nazis verteidigt hatte. "Wir mussten im Vergleich zu anderen niemals unseren Namen ändern und mussten uns niemals dafür schämen, was wir getan haben."

Es sei unübersehbar, dass die Große Koalition in Berlin nicht sonderlich beliebt sei. Sie sei wie ein Mühlstein um den Hals der SPD. "Aber wir können auch stolz darauf sein, was wir umgesetzt haben", so Schindler mit Blick auf Kita-Gesetz, Sozialen Wohnungsbau und Rente.

Trotz der 60 zu bestimmenden Kandidaten ging die Listenaufstellung relativ zügig über die Bühne: Die Bewerber hielten ihre Vorstellungen kompakt und schnörkellos.

Die Kreistagskandidaten der SPD:

1. Peter Lehr, 61 Jahre, Eschenbach; 2. Margit Kirzinger, 63, Waidhaus; 3. Markus Ludwig, 45, Störnstein; 4. Maria Sauer, 61, Püchersreuth; 5. Uli Grötsch, 44, Waidhaus; 6. Karolina Forster, 38, Eschenbach; 7. Günter Stich, 60, Floß; 8. Nicole Bäumler, 33, Schirmitz; 9. Dominik Brütting, 37, Kirchenthumbach; 10. Karin Gesierich, 61, Vohenstrauß; 11. Sebastian Dippold, 33, Neustadt/WN; 12. Michaela Treml, 40, Ilsenbach; 13. Reiner Gäbl, 60, Eslarn; 14. Sabine Eichermüller, 46, Pressath; 15. Ernst Schicketanz, 45, Altenstadt/WN; 16. Vera Stahl; 33, Waidhaus; 17. Udo Greim, 66; Grafenwöhr; 18. Monika Waldeck, 34, Etzenricht; 19. Rainer Vater; 53, Weiherhammer; 20. Christine Smith, 28, Kirchenthumbach; 21. Bernhard Stangl, 54, Pressath; 22. Gabriele Hübner; 63, Irchenrieth; 23. Robert Lindner; 56, Floß; 24. Renate Nastvogel, 50, Windischeschenbach; 25. Fritz Betzl, 62, Eschenbach; 26. Laura Roth, 25, Eslarn; 27. Heinrich Rewitzer, 61, Vohenstrauß; 28. Silke Thanner, 47, Pressath; 29. Karl-Heinz Preißer, 64, Luhe-Wildenau; 30. Angela Erfurt, 72, Windischeschenbach; 31. Thomas Ott, 47, Eschenbach; 32. Monika Zeitler-Kals, 56, Waidhaus; 33. Mirko Bertl, 46, Weiherhammer; 34. Franziska Göppl, 25, Mantel; 35. Manuel Dippold, 30, Vohenstrauß; 36. Rudolf Grundler, 34, Waidhaus; 37. Peter Gruber, 59, Flossenbürg; 38. Rainer Hetz, 48, Neustadt/WN; 39. Thorsten Hallmann, 43, Schwarzenbach; 40. Alfred Wulfänger, 65, Bechtsrieth; 41. Georg Zierer, 49, Eslarn; 42. Jürgen Kürzinger, 51, Kirchenthumbach; 43. Hans Karl, 66, Vohenstrauß; 44. Michael Kick, 25, Parkstein; 45. Thomas Weiß, 52, Grafenwöhr; 46. Roberto Troll, 66, Vohenstrauß; 47. Christian Reichl, 29, Altenstadt; 48. Werner Walberer, 62, Pressath; 49. Manfred Schneider, 58, Waidhaus; 50. Heribert Schubert; 61, Neustadt/WN; 51. Ludwig Spitaler, 59, Grafenwöhr; 52. Harald Hammer, 56, Irchenrieth; 53. Ludwig Schneider, 64, Eschenbach; 54. Stefan Seitz, 56, Windischeschenbach; 55. Adrian Kuhlemann, 30, Neustadt; 56. Michael Tiefel, 44, Grafenwöhr; 57. Siegfried Simon, 60, Altenstadt; 58. Martin Filchner, 47, Neustadt/WN; 59. Mehmet Begen, 53, Kohlberg, 60. Jan Wiltsch, 38, Kirchenthumbach; Ersatzleute Michael Hamedinger, 39, VOH und Karl Kick, 58, Pirk. (stg)

Kommentar:

Auf der Suche nach Ulis und Annettes

Die SPD steht nicht im Ruf, harmoniesüchtig zu sein. Daher alle Achtung: Was der Kreisverband Neustadt/WN am Samstag in Eschenbach zelebrierte, war kämpferische Geschlossenheit, von der die Genossen in München und Berlin nur träumen können. Diesen Erfolg darf sich getrost auch der neue Kreisvorsitzende Markus Ludwig auf die Fahnen schreiben.
Nicht gelungen ist ihm hingegen, einen jungen Herausforderer für Andreas Meier aufzubauen. Das gilt auch für Ludwig selbst. Denn man kann es drehen und wenden wie man will: Peter Lehr hat allenfalls Außenseiterchancen. Auch wenn er als Eschenbacher Bürgermeister ordentliche Arbeit geleistet hat und seine Vorstellung als Landratsaspirant souverän ausfiel – der 61-Jährige bleibt ein Verlegenheitskandidat. Das war vor sechs Jahren bereits Udo Greim, auch ein Haudegen, der zur Zeit seiner Kandidatur den Zenit seiner Laufbahn schon überschritten hatte.
Um wieder besser auf die Füße zu kommen, sollte die SPD schleunigst Nachwuchskräfte in die Verantwortung bringen. Auf der Kreistagsliste wären einige, doch noch sind keine jungen Annette Karls, Margit Kirzingers, Uli Grötschs oder Günter Stichs in Sicht. Da diese Riege mit Ausnahme von Grötsch auch nicht mehr allzu lange mitmischen wird, könnten sich für junge Genossen Chancen eröffnen. Zum Beispiel mal auf ein Landtagsmandat, sofern die Bayern-SPD ihren Abwärtstrend stoppt. Dieser Zug fährt jedoch schneller ab, als manche glauben, wenn ein Junger nicht bald aufspringt.

Friedrich Peterhans

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