14.06.2018 - 12:43 Uhr
EschenbachOberpfalz

Volkshochschule Eschenbach im Überlebenskampf

Wir sind in Sorge: Das klingt nach einem Bulletin über den Zustand eines Schwerkranken. Der Patient heißt VHS Eschenbach/westlicher Landkreis. Ein nie aufgebender „Doktor“ Thomas Frankenberger kämpft um die Selbstständigkeit des Instituts.

Eine Volkshochschule Nordoberpfalz unter Einbeziehung der VHS Eschenbach/westlicher Landkreis scheint beschlossene Sache. Landrat Andreas Meier versuchte bei der Kuratoriumssitzung und in der Mitgliederversammlung der VHS, mit überzeugenden Argumenten die Sorgen des VHS-Vorsitzenden Thomas Frankenberger (links) und des Vorsitzenden des Kuratoriums Anton Schwemmer (rechts) zu zerstreuen.
von Robert DotzauerProfil

(do) Hintergrund der Sorgenfalten des VHS-Vorsitzenden Thomas Frankenberger, des Kuratoriumschefs Anton Schwemmer und der Geschäftsführerin Angelika Denk ist nicht der Gesundheitszustand der VHS. „Die Schule ist fit für die Zukunft“, sagt Angelika Denk und verweist auf gute Fallzahlen. Mit ihrem Leistungsprofil von 50.000 Doppelstunden in 408 Veranstaltungen und mit insgesamt 6.900 anrechenbaren Teilnehmern im Jahr 2017 gehören die Eschenbacher zwar zu den kleineren Einheiten der Erwachsenenbildung. Doch die Schule ist kerngesund – noch. Dieses „noch“ von Angelika Denk orientiert sich an den vielen Integrationskursen. „Sinken die Flüchtlingszahlen, werden auch die Kurse und damit die Teilnehmerzahlen- und Stunden weniger“.

In anderen Größenordnungen denkt der Bayerische Volkshochschulverband. Die Münchener Geschäftsführung warnt vor einer Existenzgefährdung bei dauerhaft unter 30.000 Doppelstunden jährlich. Auf dieses Level könnten die Eschenbacher wieder sinken. Da ist guter Rat teuer. Eine Kooperation mit einer anderen VHS ist deshalb ein Muss, bemerkte in der Kuratoriumssitzung und in der anschließenden Mitgliederversammlung Vorsitzender Thomas Frankenberger. Nachdem eine Zusammenarbeit mit der VHS Vohenstrauß in der Versammlung als wenig realistisch betrachtet wurde, bleibt für Frankenberger nur der Weg zur VHS Weiden/Neustadt. „Im Interesse der Selbstständigkeit brauchen wir einen starken Partner“, betonte er, „auch wenn das wahnsinnig schwer falle“. „Heute in Augenhöhe verhandeln als später als Bittsteller nach Weiden fahren“, war die Devise Frankenbergers. Tags zuvor hatte der Vorsitzende mit Geschäftsführerin Angelika Denk bereits an einem ersten Sondierungsgespräch in der VHS Weiden/Neustadt teilgenommen.

Weniger dramatisch sah Anton Schwemmer die Zukunftsentwicklung. „Was in drei oder vier Jahren passiert, weiß noch kein Mensch“. Der Kuratoriums-Vorsitzende erinnerte an das stete mit Herzblut ausgetragene Ringen um Selbstständigkeit und sah noch Hoffnungen in der fortschreitenden Digitalisierung der Volkshochschul-Organisation. Während Anton Schwemmer vor dem Verlust an Lebensqualität warnte, sah Frankenberger in der Zusammenarbeit mit Weiden auch einen Hoffnungsschimmer. Ein Verbund schaffe zum Beispiel mehr Planungssicherheit bei den Kursprogrammen.

Gespannt wartete das Gremium auf das Statement von Landrat Andreas Meier. Immerhin ist der Landkreis der Hauptkostenträger der VHS. In dieser Funktion plädierte auch der Landkreischef für einen Verbund der Volkshochschulen Eschenbach und Vohenstrauß mit der VHS Weiden/Neustadt. Die dann entstehende VHS Nordoberpfalz bedeute auch für die Eschenbacher eine Existenzsicherung. Seine Überlegungen fußten auf einem breitgefächerten Bildungsangebot auch in der Fläche. Zu den weiteren Bedingungen einer starken VHS Nordoberpfalz zählte Meier den Erhalt der Geschäftsstelle Eschenbach und der Außenstellen und damit verbunden einer starken ehrenamtlichen Mitarbeit und eine Stärkung des Bildungsangebotes. Der Landrat versprach: „Wir werden die Entscheidungsgremien in einer neuen und stärkeren VHS so besetzen, dass jeder mit der Bildungsarbeit im gesamten Landkreis zufrieden ist und Qualität gesichert wird.“

Dennoch bleiben Sorgen. Schwemmer appellierte an die Kommunalpolitiker, den Eschenbacher Raum und Thomas Frankenberger bei den weiteren Verhandlungen den Rücken zu stärken. Noch einmal widersprach der Landrat Befürchtungen einer Reduzierung der Kursangebote. „Vertraut der Kommunalpolitik – wir versprechen euch eine saubere Lösung“. Dazu zählte der Landkreischef auch eine räumliche Garantie für die VHS-Geschäftsstelle mit der zwei Millionen Euro teuren Generalsanierung des alten Landratsamtes. Die aufwändige Baumaßnahme diene auch der Arbeit der VHS-Geschäftsstelle. Sein Plädoyer für eine VHS Nordoberpfalz unter Einbeziehung der Interessen der VHS Eschenbach endete mit der Einladung: „Lasst uns ein gutes Konzept machen. Zu diesem Prozess lade ich auch die Verantwortlichen der VHS Eschenbach ein“.

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Klaus Bergmann

Die Grünen Kreis- und Stadträte stehen hinter einer starken VHS. Eine VHS Nordoberpfalz kann und muss auch den westlichen Landkreis unterstützen. Wir sind dabei.

14.06.2018