09.06.2020 - 09:42 Uhr
EschenbachOberpfalz

Wandern am Obersee: Auf Entdeckungstour in Schatzkammer der Natur

Warum in die Ferne schweifen, liegt das Schöne doch so nah! Mit den Corona bedingten Reisebeschränkungen gewinnt dieses geflügelte Wort für Erholungssuchende besondere Bedeutung.

von Robert DotzauerProfil

Tausende von Lachmöwen kreischen über den Gelegen, schnatternd begleiten Wildgänse- und Enten ihre Kücken bei den ersten Schwimmversuchen, der Kuckuck ruft, majestätisch gleitet eine Schwanenfamilie durch den See, den Aufwind über der riesigen Wasserfläche nutzt ein Fischadler zum Höhenflug, um nach leichter Beute für seinen Nachwuchs zu suchen, reglos lauern Graureiher und Kormorane auf einen guten Fang und eine Ringelnatter macht im Uferbereich Jagd auf Frösche. Atemberaubend ist die Tierwelt im Naturschutzgebiet „Vogelfreistätte Großer Rußweiher“.

Genauso spannend wie die Tierwelt ist die farbenfrohe Pflanzenvielfalt. Die weißen Schöpfe des Wollgrases wiegen im Wind. In den nassen Mulden liegt der fleischfressende Sonnentau auf Lauer, das bunte Vergissmeinnicht sorgt für ein Wechselspiel der Farben und viele Orchideenarten, duftend, in Rot, Gelb oder Rosa, gehören zu den letzten Oberpfälzer Beständen. Seerosenfelder im leuchtenden Rosa erinnern an die Garten- und Landschaftsbilder von Claude Monet. Für Naturfreunde ist es ein Muss, diese zauberhafte Landschaft kennenzulernen.

Die Weiherlandschaft rund um den Obersee, so nennen die Einheimischen das mit etwa 100 Hektar größte Gewässer des Naturschutzgebietes, ist einzigartig und ein Ausflugstipp für alle Jahreszeiten. Teiche, Moore, Röhricht- und Verlandungszonen bieten Lebensraum für Pflanzen- und Vogelarten, die woanders längst verschwunden sind. Naturfreunde staunen über Paradoxes. Immer im Blick: die Lachmöwe als Charaktervogel der Oberseelandschaft. Das Kreischen der „Geyer“, so die Bezeichnung in früheren Jahrhunderten, bestimmt im Sommer die Naturkulisse.

Diese Fauna und Flora eröffnet sich den Naturliebhabern auf einem romantischen Rundwanderweg. Er entstand bereits in den 1990er Jahren als sogenannte Besucherlenkung. Abseits des mit einem Lachwöwensymbol markierten Wanderpfades gilt aus Schutzgründen ein Betretungsverbot. Der Steig erschließt auf circa sechs Kilometer Länge auf der großen Tour das riesige Oberseegebiet mit angrenzenden Waldflächen, Rußloh- und Thallerweiher, die urige Moorlandschaft des Paulusweihers und den Häuselweiher. 25 Jahre nach der Eröffnung des Rundwanderweges gehört das Gebiet zu den beliebtesten Naturflecken Bayerns.

Teilweise mit Hackschnitzeln gepolstert laden auf der Strecke vier Beobachtungstürme und Plattformen dazu ein, die Ursprünglichkeit der Natur zu genießen. Das Blickfeld hinein in die Seenlandschaft eröffnet immer wieder überraschende Momente. Kein Wanderer kann sich hier dem Atem der Natur entziehen. Für weniger sportliche per Pedes-Vertreter besteht die Möglichkeit, auch eine kürzere Wanderstrecke zu wählen, die dann auf etwa vier Kilometern Länge „nur“ die Umrundung des „Großen Rußweihers“ aufzeigt.

Ein Blick auf die Übersichtstafeln genügt, um sich leicht zurecht zu finden. Zudem beschreiben Informationstafeln ausführlich die Tier- und Pflanzenwelt in einem der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns von der Lachmöwe, der filigranen Schönheit der Zwerglibelle bis zum Fischadler, vom Bruchwald im Flachmoor über Seerosenkolonien bis zu letzten Relikten der Eiszeit. Die biologische Vielfalt ist einzigartig.

Den Besuch am Obersee kann der Naturfreund auch dazu nutzen, zum „Bayern-Entdecker“ zu werden. Die Einladung gehört zur Ökotourismus-Initiative „Naturatlas Bayern“ des Bayerischen Umweltministeriums. Der Freistaat bescheinigt dem Gebiet die Anerkennung als „Schatzkammer bayerischer Naturschönheiten“. Zur Entdeckungsreise im „Naturschutzgebiet Großer Rußweiher“ gehört eine Stempelstation. Beim Besuch von mindestens 5 der über 50 Naturgebiete Bayerns winken den Teilnehmern attraktive Preise des Freistaates. Die Stempelstation ist auf dem Parkplatz neben der Hotelanlage Glutschaufel zu finden. Eine Anfahrtsmöglichkeit besteht über die B470 mit Abfahrt in Höhe der Campinganlage Götz. Erreichbar ist das Naturschutzgebiet sowie Start und Ziel des Panoramaweges auch über die Staatsstraße Eschenbach–Bayreuth, Abfahrt Großkotzenreuth.

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