Mit dem Abriss der Wohn- und Arztpraxis des 1975 verstorbenen Doktors Adolf Taller und der Beseitigung der Mauersteine endete in Eslarn erneut ein Kapitel der örtlichen Geschichte. Vor allem die älteren Bürger können sich noch an den Mediziner und dessen Ehefrau Hedwig erinnern. Der Landarzt machte sich mit einem Pferdegespann und später mit seinem eigenen Motorrad mit Beiwagen auf den Weg zu den Anwesen der Patienten.
Einen Landarzt im Ort zu haben war früher wie heute nicht selbstverständlich und hatte sich einmal einer angesiedelt, blieb er nicht lange. Erst nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich dies laut Geschichtsforscher Josef Hanauer mit der Ansiedelung von Dr. Wilhelm Fahr, der zunächst im Wohngebäude der Brauerei Bauriedl und ab 1925 in seinem neuerbauten Haus an der Schönseer Straße praktizierte. Sozusagen als "Aushelfer" sprang der lange Jahre praktizierende "Brennerdoktor", wie Justin Brenner von der Bevölkerung genannt wurde, bei Bedarf ein. Er starb 1925.
Taller wurde am 14. Februar 1896 in Neuhammer im Erzgebirge geboren. 1925 heiratete er Hedwig Suchowaty aus Bischofteinitz (Horsovský Týn). In Taus (Domazlice) erblickte Sohn Adolf Josef Taller als einziges Kind das Licht der Welt. Der Landarzt war als vielseitig orientierter Mediziner schon lange vorher weit über seinen Wirkungskreis über Ronsperg hinaus bekannt und bereits von einigen Eslarnern in der böhmischen Praxis aufgesucht worden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fand Familie Taller in Eslarn ein neues Zuhause. 1954 erfüllte sich die Arztfamilie im Ortsteil Schellenbach mit dem Bau eines eigenen Hauses und einer Praxis mit der Hausnummer 285 einen lang ersehnten Wunsch. Unterstützung bei der Arztniederlassung leistete der damalige Bürgermeister Josef Karl durch ständige Gespräche und mit der Grundstücksbereitstellung. Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Eslarn nur ein einziges Auto und das gehörte dem damaligen Rathauschef. "Bei dringenden Angelegenheiten und weiteren Fahrtstrecken stellte sich der Bürgermeister persönlich als Chauffeur zur Verfügung", erinnerte sich Adolf Josef Taller. Zu den umliegenden Ortsteilen ging es vor allem mit einem Pferdefuhrwerk.
Einige Jahre später schaffte sich der Arzt ein Motorrad mit Beiwagen an, in der eine Tasche mit benötigten medizinischen Geräten reichlich Platz fand. Der Landarzt vertrat stets die These, dass sich ein Kranker wie ein Freund angenommen und bestärkt fühlen und beglückt die Praxis wieder verlassen sollte. Besonders freuten sich die Tallers über die Berufswahl ihres Sohns, der als Arzt in die Fußstapfen seines Vaters trat und sich als Facharzt für Chirurgie in Weiden und in der Region einen Namen machte. Das langjährige Wirken von Adolf Taller würdigte der Markt Eslarn 1975 mit der Verleihung der Bürgermedaille in Gold. Nach 30-jährigem Wirken starb Taller am 22. Oktober 1975 und 1987 seine Frau.
Bei den wöchentlichen Aufenthalten in Eslarn besuchte Adolf Josef Taller bis zu seinem Tod am 24. April 2013 stets auch das Grab seiner Eltern und pflegte örtlich aufgebaute Freundschaften und Bekanntschaften. Er promovierte 1952 in Erlangen, praktizierte nach achtjähriger Ausbildung in den Kliniken Erlangen, Vohenstrauß, Würzburg und Weiden, wo er sich 1960 als Facharzt für Chirurgie und Arbeitsmedizin niederließ. Am 24. April 2013 starb er im Klinikum Weiden. Nach dem Verkauf des Anwesens musste mit dem Abbruch des Taller-Hauses nach 65 Jahren die Vergangenheit weichen und gleichzeitig verschwand damit ein Stück Ortsgeschichte. Mit einem Wohnhausneubau durch die Neubesitzer Lindner folgt die Zukunft und es wird an Ort und Stelle wieder neues Leben einkehren.
Sehr lebhaft war während des 20. Jahrhunderts auch das Gehen und Kommen der Ärzte in Eslarn. In der Zeit von 1945 bis heute kümmerten sich Dr. Oskar Lischka (1945 bis 1946), Dr. Adolf Taller (1945 bis 1975), Dr. Wilhelm Fahr (1919 bis 1962), Dr. Konstantin Valetopoulos und seine Frau Dr. Elfriede Valetopoulos (1964 bis 1968), Dr. Anton Göppl (1968 bis 1983), Dr. Richard Glöckl (1984 is 2005) und Dr. Johannes Schermuly (1977 bis 2005) um die medizinische Versorgung.
Nach der ersten Gemeinschaftspraxis mit den Ärzten Werner Duschner, Johannes Schermuly und Cyril King folgte aktuell die Gemeinschaftspraxis mit den Ärzten Rudolf, Regina und Martin Poschenrieder, Gudrun Korzenietz und Katrin Herfurth. Nach dem die Apotheke der Familie Endres 2011 durch den Tod des Eigentümers und einen fehlenden Nachfolger endgültig geschlossen werden musste, hatte Eslarn seither keine eigene Apotheke mehr. Ein Weg für die Medikamentenversorgung der Bevölkerung wurde mit einem täglichen Kurierdienst durch die Apotheken in Moosbach und Waidhaus gefunden.













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