26.06.2018 - 14:04 Uhr
EslarnOberpfalz

Aufstand gegen Kombiklassen

Das Schulamt möchte im neuen Schuljahr zwei Kombiklassen an der Grundschule einrichten. Dagegen laufen der Elternbeirat und Bürgermeister Reiner Gäbl Sturm. Die zu Hilfe gerufene Abgeordnete Annette Karl (SPD) rät zu massiver Gegenwehr.

Kombiklassen an der Grundschule: Der Elternbeiratsvorsitzende Bernd Reil (rechts) und Bürgermeister Reiner Gäbl (links) haben Landtagsabgeordnete Annette Karl um Hilfe gebeten; beide wollen keine Kombiklassen an ihrer Schule.
von Gabi EichlProfil

(eig) Die Grundschulleitung hat die Eltern vor kurzem informiert, dass sie gehalten sei, vom kommenden Schuljahr an zwei sogenannte Kombiklassen zu bilden, und zwar jeweils eine für die Jahrgangsstufen 1/2 und 2/3; dazu käme eine normale vierte Klasse. Insgesamt wären das dann nur noch drei Klassen statt vier.

Die Schule hat im nächsten Schuljahr 74 Kinder zu unterrichten (aktuell 77); mit nur noch drei Klassen läge die durchschnittliche Klassenstärke von etwa 25 Schülern an der oberen Grenze. Bürgermeister und Elternschaft wollen unbedingt die bisherigen vier Klassen halten. Wie der Elternsprecher Bernd Reil bei einem Gespräch mit MdL Annette Karl im Rathaus sagte, sei die Verringerung der Klassenzahl besonders unverständlich vor dem Hintergrund, dass die Grundschule Eslarn zum einen keine sinkenden Schülerzahlen habe, zum anderen die einzige Grundschule im Landkreis mit dem Titel "Umweltschule" sei und eine von ganz wenigen Grundschulen im Umkreis, die die ganze Schulwoche über Offene Ganztagsschule sei. Für die Offene Ganztagsschule habe sich im neuen Schuljahr schon wieder etwa die Hälfte der Kinder angemeldet.

Mehr Personal

Diesen Ganztagesbetrieb, der laut Reil nicht nur eine reine Beaufsichtigung ist, sondern ein in den Schulalltag integriertes Konzept mit vielfältigen Angeboten, bezeichnete Karl als wichtigen Standortfaktor. Dasselbe gelte für den Titel "Umweltschule". Der Mehraufwand für beide Attribute sei mit dem aktuellen Personal schon nur mit viel unbezahltem Engagement zu stemmen; sollte ein weiterer Lehrer wegfallen durch die Reduzierung auf drei Klassen, könne schlimmstenfalls ein Niedergang eingeleitet werden, der irgendwann wie im Fall Waidhaus in der Nicht-Besetzung der Schulleitung gipfele.

Karl sieht die Schuldigen der Misere eigenem Bekunden zufolge ausschließlich im Kultusministerium sitzen, nicht aber in den Schulämtern. Auf letztere habe man den selbst verschuldeten Grundschullehrermangel abgewälzt und diese seien nun gehalten, den Mangel hin und her zu jonglieren. Karl forderte einen eigenen Personalschlüssel für die kleinen Schulen auf dem Land, damit in den Städten wie Weiden nicht im Gegenzug zu große Klassen gebildet werden müssten.

Sie sei nicht grundsätzlich gegen Kombiklassen, sofern diese gut pädagogisch begleitet würden, als "Lehrereinsparmodell" seien sie jedoch abzulehnen.

Sorge um Schule insgesamt

Bürgermeister Reiner Gäbl zeigte sich in Sorge um den grundsätzlichen Erhalt der Schule. Die Sparmaßnahmen seien das genaue Gegenteil dessen, was in Sonntagsreden gepredigt werde; die Gemeinde habe als Sachaufwandsträger in den vergangenen Jahren viel Geld für die Schule in die Hand genommen, nun werde zerstört, was mit so viel Engagement aufgebaut worden sei.

Karl empfahl den Eltern, die Staatsregierung an deren Bekenntnis zu wohnortnahen Schulen zu erinnern. Die Eltern wollen laut Reil nun als erste Aktion Unterschriften sammeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.