30.06.2020 - 10:25 Uhr
EslarnOberpfalz

Brand legt Eslarn in Schutt und Asche

Das Johannisfeuer einiger Kinder führt am 1. Juli 1895 zum größten Brandunglück der Gemeinde. Die Eindeckungen mit Stroh und Holzschindeln der Holzbauten wirken wie Brandbeschleuniger.

Sogar das Münchner Tagblatt berichtete 1895 über die 160 abgebrannten Gebäude und 1500 Obdachlosen in Eslarn.
von Karl ZieglerProfil

In Eslarn brachen in den vergangenen 420 Jahren rund 20 Brände aus, wobei der älteste überlieferte Bericht über eine Feuersbrunst laut Geschichtsforscher Pfarrer Josef Hanauer aus dem 16. Jahrhundert stammt. Schreckliche Brände legten 1599 und 1634 während des Dreißigjährigen Kriegs die durchziehenden kaiserlichen und 1640 die schwedischen Krieger.

Ein Großbrand um 1818 vernichtete die letzten Vorräte der Ernte und zudem 32 Häuser. Am 13. Juni 1831 brach zwischen 2 und 3 Uhr im Stadel der Tafernenwirtschaft am Marktplatz ein Brand aus und dehnte sich auf die angrenzenden Gebäude aus. Es brannten sechs Haupt- und 25 Nebengebäude nieder und schwere Brandschäden entstanden am Pfarrhof und an der Kirche. Ein weiteres Feuer entfachte am 8. Juni 1880 um 2 Uhr im Ortsteil Bühl, das binnen weniger Stunden fast den gesamten Vormarkt abfackelte und 56 Familien obdachlos werden ließ.

"An einem sommerlichen Montag, am 1. Juli 1895 um 13 Uhr, dachte niemand der Eslarner an etwas Schlimmes, geschweige an ein großes Brandunglück", überlieferte der Geschichtsforscher. Sogar das Münchner Tagblatt berichtete über die 160 abgebrannten Gebäude und 1500 Obdachlosen. Die Mittagszeit war beendet und die meisten Leute befanden sich auf ihren Feldern, im Wald oder auf dem Viehmarkt in Moosbach. Die Kinder bekamen an diesem heißen Schultag hitzefrei. Drei befreundete Buben trafen sich in einem kleinen Anwesen im Ortsteil "Winkel" zum Spielen. Die Sechsjährigen beschäftigten sich jedoch nicht wie andere Kinder mit Spielsachen, sondern sie versuchten mit Hilfe von Zündhölzern ein "kleines Johannisfeuer" zu entfachen. Die Buben waren vor einigen Tagen Zeuge, wie traditionsgemäß zum Sommeranfang ein Johannisfeuer abgebrannt wurde.

Aus dem kindlichen Trieb, den Erwachsenen alles nachzuahmen, entfachte in Eslarn ein Jahrhundertfeuer. Das kleine Anwesen stand in Sekunden in Flammen und die Feuersbrunst breitete sich begünstigt durch einen aufkommenden Wind unaufhaltsam von Haus zu Haus aus. Die trockenen Erntevorräte, Schindel- und Strohdächer wirkten wie Brandbeschleuniger, so dass die Flammen reichlich Nährboden fanden.

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19 Feuerwehren aus dem Umland und aus Böhmen versuchten dem Feuer Einhalt zu gebieten. Doch der Wind und die knappen Löschwasservorräte machten jegliche Anstrengungen zu nichte, so dass im Ort 147 Wohngebäude und 264 Nebengebäude ein Raub der Flammen wurden. Zum Glück gab es keine Personenschäden, aber rund 1500 Personen waren ohne Obdach und Hab und Gut. Der Kirchturm brannte aus und das herabfallende Kuppeldach durchschlug das Gewölbe des Presbyteriums. Das "Allerheiligste" entfernte der damalige Pfarrer Johann Moser noch kurz zuvor aus der Kirche.

Das Feuer griff von der Kirche auf den Pfarrhof und das Postgebäude über und brennende Balken flogen vom Kirchendach auf Schul- und Rathaus. Erst gegen 21 Uhr waren die letzten Flammen gelöscht. Die Not war furchtbar, und da die meisten nicht versichert waren, lasteten die Folgen des Unglücks von rund 455.000 Mark schwer auf den Brandleidern. Eine einstweilige Bleibe fanden die Menschen in den umliegenden Dörfern oder in den noch vorhandenen Scheunen und in der Schule. Durch die vorherrschende große Not bewilligte Prinzregent Luitpold 6.000 Mark und durch einen Spendenaufruf, auch über das Münchner Tagesblatt vom 11. Juli 1895 traf in den folgenden Wochen von Privatleuten finanzielle Hilfe, Spenden von Naturalien wie Wäsche und Kleidung ein. Nach einigen Monaten hatten die Eslarner fast 100 Häuser mit einem Dach versehen und 64 Stadel wieder hergestellt.

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