16.06.2020 - 10:22 Uhr
EslarnOberpfalz

Eslarn: 23-Jährige stirbt bei Brand

Ein tragisches Schicksal vor 140 Jahren verbirgt sich hinter den Mauern der Bühl-Kapelle in Eslarn. Das Kirchlein ist eines der ältesten der Gemeinde.

Aus einer 1880 erbauten Grotte wurde Jahrzehnte später die Bühlkapelle.
von Karl ZieglerProfil

Der Grund für den Bau einer Grotte, aus der erst Jahrzehnte später eine Kapelle entstand, liegt laut dem heutigen Besitzer Karl Kleber (Döinsn) in einem Brandereignis, bei dem 1880 eine 23-Jährige den Tod fand. Der kleine Sakralbau ist unter den vorhandenen Kapellen damit eine der ältesten Betstätten.

In der bebilderten Dokumentation „Der Herrgott auf dem Feld“ fasste Kreisheimatpfleger Peter Staniczek alle örtlichen Flur- und Kleindenkmäler mit einer Kurzbeschreibung zusammen. Die erste Generation von Kapellen soll im 16. Jahrhundert den Wirren der Glaubenskämpfe, der Bilderstürmerei des Protestantismus und Kalvinismus zum Opfer gefallen sein. Zudem soll Pfalzgraf Ottheinrich 1556 befohlen haben, alle Feldkirchen, in denen nicht wöchentlich gepredigt und die Sakramente geweiht wurden, abzubrechen und die Steine zur Unterhaltung von Spitälern, baufälligen Pfarrhöfen und Kirchen zu verwenden.

Inwieweit auch in dem um 1240 erstmals urkundlich erwähnten Ort Eslarn ein Sakralbau davon betroffen war, ist nicht bekannt. Die echten Feldkapellen sind dem Namen nach wegen der fortschreitenden Bebauung seltener geworden, wobei drei der kleinen Gotteshäuser in Eslarn noch auf freier Flur oder im Wald stehen. Die örtlichen Kapellen entstanden teilweise vor über einem Jahrhundert oder erst vor einem Jahrzehnt und sind seither Ziel für Prozessionen, Andachten und betende Menschen. Der Grund der sakralen Bauten war die Dankbarkeit für ein gesundes und schönes Leben, die Erinnerungen an Angehörige und zurückliegende schöne und traurige Begebenheiten. Eslarn hat neben der Pfarrkirche und Friedhofskirche insgesamt acht kleine Gotteshäuser, und jedes ist einen Besuch wert. Mit den kleinen internen Kapellen im ehemaligen Kloster und im Seniorenheim „K&S Lebenswelten“ sind es sogar zehn Kapellen.

Einer der ältesten Sakralbauten steht im Ortsteil Bühl und gehört der Familie Kleber (Döinsn). Das laut Geschichtsforscher Josef Hanauer 1630 erbaute ehemalige „Diezenhaus“ an der Moosbacher Straße, das Elternhaus des Kapellenbesitzers, gehörte einst Namensgeber Andreas Diez und 1861 Katharina (geborene Bauriedl) und Michael Kleber. Da früher erst mit 21 Jahren geheiratet werden durfte, hieß die älteste Tochter noch Katharina Bauriedl und die nachfolgenden Geschwister Kleber. Bei einer Feuersbrunst in Eslarn brannten 1880 um 2 Uhr nach Überlieferungen von Heimatforscher Hans Schlemmer 65 überwiegend aus Holz errichtete Haupt- und Nebengebäude ab, darunter auch das Bühl-Anwesen der Familie Kleber.

Beim Versuch, aus dem lichterloh brennenden Haus wenigstens das Küchengeschirr vom Heiratsgut zu retten, kam die 23-jährige Katharina Bauriedl, die älteste Tochter des Ehepaars Bauriedl/Kleber, ums Leben. Aus Kummer konnte der Familienvater, der Urgroßvater des heutigen Eigentümers, nicht mehr ruhig schlafen und entschloss sich, zum Andenken an seine Tochter auf dem Bühlacker noch 1880 eine Grotte mit einem Marienbild zu errichten.

Erst Jahrzehnte später um 1930 ließ an der selben Stelle ein nach Amerika ausgesiedelter Eslarner mit Hausnamen „Matthiersl“ bei einem Heimatbesuch mit dem Besitzer „Döinsn“ die Grotte zu einer Kapelle ausbauen. Damit wollte der Deutschamerikaner für sein glückliches Leben im fernen Land danken. Auf das satteldachartige Pyramidendach wurde ein Glockenturm aufgesetzt und von einem „Wonger“ aus Pirk bei Pullenried ein Altar gefertigt. Der Schnitzer integrierte das Heiligenbild der Grotte in sein Kunstwerk.

Nach dem Krieg ließ der damalige Eslarner Pfarrer Johann Wagner mit den Franziskaner Schwestern, die im örtlichen Elisabethenheim lebten, die Bittgänge, auch zur Döinsn-Kapelle wieder aufleben. Der Flurumgang führte früher auf nicht befestigten Wegen durch sogenannte Hohlwege, die sich in Jahrhunderten durch die Nutzung von Fuhrwerken und Vieh, sowie durch abfließendem Regenwasser bildeten. In Eigenregie führte Karl Kleber an der Bühlkapelle ab 1995 grundlegende Verschönerungen durch. Sein Schwiegervater Johann Höger stiftete mit seinen Töchtern Resi Knott und Christa Bulla für die Kapelle zwei Fenster.

In einer der aufwendig gestalteten Butzenscheiben ist das Abbild der Muttergottes mit dem Jesuskind und in der anderen der Heilige Sankt Josef eingearbeitet. Den Altar restaurierte eine zur Malerin umgeschulte Krankenschwester. Bei den Sanierungsarbeiten wollte Karl Kleber auch die Decke der Kapelle an der Kapellenstraße erneuern. Beim Herausreißen der Holzkonstruktion fiel plötzlich ein Brett aus dem eingeschobenen Fehlboden, was sich als Totenbrett aus dem Jahr 1884 herausstellte.

Auf dem gut erhaltenen hölzernen Totenbrett lag vor 136 Jahren der ehrenwerte Bauer Josef Schindler, und auf dem Brett war der Heilige Josef als Schutzpatron des verstorbenen Landwirts abgebildet. Das Totenbrett ließ Kreisheimatpfleger Staniczek von Schreinermeister Ludwig Janisch in Waidhaus verschönern. Es wird seit 2011 auf Veranlassung von Pfarrer Erwin Bauer in der Friedhofskapelle aufbewahrt. Inzwischen wurde die Maria-Hilf-Kapelle aus dem 19. Jahrhundert vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Wegkapelle nachqualifiziert.

Die Geschichte einer weiteren Kapelle in Eslarn

Das Marienbild im Altar stammt noch aus der Grotte.
Das Fenster mit dem Marienbild stifteten Resi Knott und Christa Bulla.
Den Heiligen Sankt Josef als Motiv für das gestiftete Fenster wählte Johann Höger.
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