17.09.2021 - 17:39 Uhr
EslarnOberpfalz

Eslarns Partnergemeinde feiert 900. Geburtstag

Die Patenschaft besteht seit gut 30 Jahren. Das Jubiläum, das die tschechische Stadt Bela nun feiert, erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Mit einem Fest erinnert sie an ihre 900-jährige Geschichte und die Freundschaft mit Eslarn.

Das Zentrum von Bela nad Radbuzou bildet seit 1696 die der "Schmerzhaften Maria" geweihten Pfarrkirche.
von Karl ZieglerProfil

Der Markt Eslarn grenzt am Ortsteil Tillyschanz direkt an den tschechischen Ortsteil Zelezna der Nachbarstadt Bela nad Radbuzou. Zwischen den Gemeinden besteht seit 19. August 1990 eine deutsch/tschechische Patenschaft. Am kommenden Wochenende feiert Bela im Beisein von Ehrengästen das 900-jährige Bestehen. Der Markt Eslarn wird vom Zweiten Bürgermeister Thomas Kleber vertreten,

In der Chronik ist zu lesen, dass Herzog Vladislav I. im Jahre 1121 bei Bela eine deutsche Burg zerstören ließ. Der Ort war eine Siedlung der Choden an der Landesgrenze zum bayerischen Nordgau und hatte bedeutende Privilegien als Grenzwächter. Die ehemalige Ortschaft "Alt-Weißensulz" und heutige tschechische Stadt Bela nad Radbuzou, entstand aus einer Grenzwachstation der Pfraumberger Choden, die die böhmische Grenze bewachten und in deren Reihen sehr viele Deutsche standen.

Die erstmalige urkundliche Erwähnung der in sanfte Hügel eingebetteten und am Radbusa-Bach liegenden Stadt erfolgte im Jahre 1121. Im Ort Weißensulz setzte sich in der Zeit von 1250 bis 1429, als in Böhmen die deutschfreundlichen Premysliden und Luxemburger herrschten, das deutsche Element entscheidend durch. Dies fand Ausdruck in der Einbürgerung des deutschen Ortsnamens Weißensulz und in der Verfassung und der 1331 bis 1337 ausgestellten Freiheitsbriefe in deutscher Sprache.

Viele Parallelen

Wie in Eslarn litten in Weißensulz Land und Leute an den Hussitenkriegen. Da die Not für die Bevölkerung fast unerträglich geworden war, ordnete Kaiser Sigmund auf Bitten der zum Pfraumberger Gebiet gehörigen Dörfer an, dass die Burggrafen für die Dauer eines Jahres von den Bewohnern keine Steuern und andere Hilfsleistungen verlangen durften. Nicht nur in der weltlichen, sondern auch im landschaftlichen und kirchlichen Geschichtsablauf gab es Parallelen der beiden Gemeinden. Beide sind von bewaldeten Bergen des Oberpfälzer- beziehungsweise Böhmerwaldes eingeschlossen und mit dem Loisbach beziehungsweise der Radbusa trennt ein Bach die Orte in zwei Teile.

Die über die Radbuza gebaute Holzbrücke wurde im 18. Jahrhundert mit einer Steinbrücke mit acht Bögen und sechs Pfeilern ersetzt, auf der mehrere Heiligenfiguren platziert sind. Die Brücke ist eine Nachbildung der Prager Karlsbrücke. Die Pfarrgemeinde Weißensulz fand 1696 mit der Grundsteinlegung der Kirche, die der "Schmerzhaften Maria" geweiht wurde, ihren eigentlichen Ursprung. Bereits 15 Jahre zuvor wurde die Eslarner "Barock-Kirche" erbaut. Nach dem 16. Jahrhundert wechselte auch das Gut Weißensulz des Öfteren die Besitzer. Die Firmengruppe der Familien Wild stellte im 17. Jahrhundert in Eisendorf und Weißensulz verschiedene Stickerei- und Spitzenerzeugnisse her und nach der Weltausstellung 1873 in Wien gehörten Fürsten- und Königshäuser zu ihren Kunden.

Im Jahre 1839 wurde bekannt, dass Weißensulz der eigentliche Amtsort der vereinigten Herrschaft Heiligenkreuz-Weißensulz war, da sich im hiesigen Schloss der Sitz des Direktorial- und Steueramtes befand. Die Gemeinde Weißensulz wurde 1875 auf Initiative von Bürgermeister Andreas Stich zum Markt erhoben. Bela gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zum Königreich Böhmen, war Teil von Österreich-Ungarn und gehörte nach dem Zerfall der Doppelmonarchie zur Tschechoslowakei. Im Münchner Abkommen wurde der Ort dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 im Sudetenland zum Landkreis Bischofteinitz.

Nach der Errichtung des "Eisernen Vorhangs" durch das kommunistische Regime musste vor allem die Kirche erhebliche Einschränkungen hinnehmen. Die Machtübernahme der Kommunisten löste eine wahre Flucht zahlreicher Menschen nach Westen aus dem vormaligen Sudetenland aus. Erst mit dem Abbau des Eisernen Vorhangs 1989 normalisierte sich das deutsch-tschechische Verhältnis.

Bela und Eslarn werden Partner

Einen Höhepunkt fand die freundschaftlich aufgebaute Gemeinschaft durch die vollzogene Patenschaft zwischen Bela und Eslarn am 19. August 1990. "Gemeinsam was unternehmen, Freundschaften bilden und Zusammenwachsen", war das Motto der Gründer. An den gegenseitigen Pakt erinnern jeweils eine große Urkunde in den Rathäusern, die Einladung zu Heimatfesten und wie aktuell zu Ortsjubiläen. Aber nicht nur die Kommunen um die damaligen Gründerväter, Bürgermeister Karl Roth und Ludovik Kopcek, sondern auch die beiden damaligen Fremdenverkehrsvereine und die Schulen hüben und drüben, sprachen sich für ein gegenseitiges Miteinander mit guten nachbarschaftlichen Beziehungen, mitmenschlicher Freundschaft und gegenseitigem Respekt aus.

Die Zakladni Skola in Bela nad Radbuzou und die Grund- und Teilhauptschule in Eslarn eilten mit dem Schulprojekt "Miteinander – voneinander lernen" mit grenzüberschreitenden Unterrichten unter dem Motto "Fit für Europa" beispielhaft der Zukunft voraus. Den Beitritt der Tschechien Republik am 1. Mai 2004 in die Europäische Union feierten im "Park der Versöhnung" in Zelezna zahlreiche Vertreter der Politik, Schulen und Wirtschaft aus Tschechien und Bayern mit dem gemeinsamen Maifest. Die Schüler aus Eslarn und Bela stellten zum Motto "Miteinander in die Europäische Union" gemeinsam einen Maibaum auf und entzündeten im Rahmen der Euroregio Sumava-Böhmerwald das Freundschaftsfeuer "Leuchtende Grenze".

Einer der vielen Höhepunkte in der deutsch/tschechischen Partnergeschichte war 1996 die gemeinsame Gelöbnisfeier direkt am Grenzverlauf an der Tillyschanz auf tschechischen Territorium mit insgesamt 500 tschechischen Soldaten vom 33. Ausbildungsregiment Stribro und der 120 deutschen Rekruten vom Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach. Durch Bela und Eslarn führt der von Prag kommende und nach Santiago de Compostela führende Jakobsweg.

Festakt in der Scheune

Die 900. Jahrfeier der Stadt Bela nad Radbuzou wird am Samstag, 18. September, um 10.15 Uhr, in der neu renovierten Scheune mit einem Festakt und bis Sonntag mit einem Volksfest, einem Wallfahrtsgottesdienst, musikalischen und sportlichen Darbietungen gefeiert. Beim grenzüberschreitenden Besuch der 10 Kilometer entfernt liegenden Partnerstadt sind die aktuellen Coronaregeln zu beachten.

Drei Jahrzehnte deutsch-tschechische Partner

Eslarn
Die über die Radbuza gebaute Brücke mit den Heiligenfiguren ist eine Nachbildung der Prager Karlsbrücke.
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