29.04.2021 - 11:50 Uhr
EslarnOberpfalz

Halten die Fahne weiter hoch: 125 Jahre Eslarner in München

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Im 19. Jahrhundert zogen Eslarner wegen Arbeitsmangel und Industrialisierung in die Metropolen. In der Ferne schlossen sie sich zu geselligen Organisationen zusammen. Der Heimatverein “Eslarner in München” besteht bereits seit 125 Jahren.

Die beiden langjährigen Vorsitzenden, der bereits verstorbene Ehrenvorstand Ludwig Kleber (links) von 1964 bis 1977 und Ehrenvorsitzender Josef Bauer (von 1987 bis 2003), präsentieren die Vereinsfahne.
von Karl ZieglerProfil

Der Heimatverein „Die Eslarner in München“ wurde 1896 gegründet und aus den ständigen Heimatbesuchen entstand 1935 das Eslarner Heimatfest. Nachdem das 25. Heimatjubiläum 2020 und nach der Verlegung auch 2021 coronabedingt erstmals in der Geschichte abgesagt und endgültig ins Jahr 2025 verlegt werden musste, wird in diesem Jahr auch das 125. Vereinsjubiläum der Eslarner in Münchner voraussichtlich nicht stattfinden. Den weiteren Fortbestand der Erhaltung des Heimatgedankens und der heimatlichen Kultur festigten die Eslarner in München seit 2019 mit einem neuen Vorstand um den 21. Vorsitzenden Heinrich Kleber. Die Neuwahlen 2021 und das Jubelfest mussten wegen der Pandemie abgesagt werden.

Die erste gemeinsame Heimreise beschrieben 1899 die Gründerväter wie folgt: "Die Eisenbahn ging damals nur bis Vohenstrauß. Hier wurden die Münchner Landsleute mit geschmückten Leiterwagen abgeholt. Ab Putzenrieth ging es mit flotter Marschmusik die letzten Kilometer nach Eslarn, wo es ein freudiges Wiedersehen gab." Das 10-jährige Gründungsfest wurde 1906 in Eslarn gefeiert, die Lokalbahn der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahn ging bereits von Weiden über Neustadt und Floss zum damaligen Bezirksamt Vohenstrauß und weiter bis nach Waidhaus.

Auf einem mit Zugtieren gezogenen Leiterwagen gings nach Eslarn. “In Pfrentsch überraschte uns ein Gewitterregen, tropfnass kamen wir fidel bei herrlichem Sonneschein in Eslarn an” steht in der Chronik. Erst am 1. Oktober 1908 reichten die Gleise bis zur Endstation in Eslarn, so dass die Mitglieder die 56 Bahnkilometer von Weiden bis nach Eslarn im „Islouer Bockl“ durchgehend genießen konnten. Nach der gemächlichen und zeitintensiven Anreise wurden die „Töchter und Söhne der Heimat“ im Beisein des Münchner Kindls am Bahnhof mit Blasmusik empfangen.

Unterbrechung durch Weltkriege

Die Zeit um den ersten Weltkrieg legte die Tradition einige Jahre lahm. Groß gefeiert wurde die Fahnenweihe am 11. Juni 1933 in München, die nach einer gründlichen Renovierung 1987 auch heute noch ihren Dienst versieht. Die ständigen Besuchsfahrten waren 1935 der Grundstein für das erste offizielle und für die bis heute traditionell gefeierten Heimatfeste. Nach dem Vereinsverbot durch die Nationalsozialisten und der Wiederzulassung durch die amerikanische Militärregierung fanden nach dem zweiten Weltkrieg wieder regelmäßig Heimatfeste statt. Ab 1950 wurde das örtliche Marktjubiläum traditionell im Fünfjahresrhythmus gefeiert.

"Nur wer die Heimat verlassen muss, weiß, was Heimat bedeutet und ein Eslarner bleibt ein Eslarner, gleich wohin es ihn bei der Suche nach einer Existenz verschlagen hat.“ Dieser Spruch war in den Jahren bei den Heimattreffen immer wieder zu hören. Im Vereinsregister der bayerischen Landeshauptstadt steht seit 1. Dezember 89 "Verein die Eslarner in München". Das Vereinslokal befand sich bis 2005 im Löwenbräukeller, später im "Wirtshaus in Sendling" und ab 2020 im "Mehlfeld Restaurant Kulturbühne". Die vielen in München veranstalteten Festlichkeiten bereicherten Blaskapellen und Brauchtumsgruppen aus Eslarn. Gefeiert wurden in München und Eslarn Gründungsjubiläen, der Oberpfälzer Ball, die Kappenabende zu Fasching, die Kirchweih mit Kirwa-Kuchen. Im "Alten Peter" wird für die Verstorbenen alljährlich ein Gedenkgottesdienst zelebriert.

Eslarn

In den Jahren reduzierten sich die in der Arbeitsgemeinschaft organisierten Oberpfälzer Heimatvereine, in der die Eslarner in München immer noch Mitglied sind, seit 2015 von 18 auf 12. Auch in Eslarn blieb nach der Auflösung der Heimatvereine in Sachsen, Nordrheinwestfalen und 2019 in Nürnberg nur noch der Münchner- und Eisendorfer-Heimatverein.

Der Münchner Verein wurde seit seiner Gründung von folgenden Vorständen geführt: 1896 übernahm Michael Hammerl, 1900 Johann Lang, 1903 Gustav Müller, 1905 Sebastian Riederer, 1910 Michael Hammerl, 1918 Hans Rauch, 1921 Thomas Frischmann, 1922 Karl Bauriedl, 1926 Christian Zierer, 1928 Anton Engelbrecht, 1929 Karl Bauriedl, 1937 Wolfgang Lindner, 1941 Karl Bauriedl, 1951 Ludwig Dunkl, 1956 Andreas Merold, 1960 Hans Voit, 1964 Ludwig Kleber, 1977 Oskar Dunkl, 1987 Josef Bauer und 2003 Otto Wild.

Einsatz gewürdigt

In den letzten Jahrzehnten würdigte die Marktgemeinde das Engagement im Ehrenamt mit der Verleihung der Bürgermedaille in Gold und die ARGE Oberpfälzer Heimatvereine mit dem Ehrenschild. Seit langem bereichern Ehrenvorstand Josef Bauer und die Ehrenmitglieder Rolf Behrens, Edeltraud Dunkl, Anneliese Michl, Irmgard Roesler, Karl Voit und Otto Wild mit ihrem Wissen den Verein. Nach seinem unvorhergesehenen Tod wurde der langjährige Kassiers Fritz Thomas 2020 postum ebenfalls zum Ehrenmitglied ernannt. Aus den Reihen der 74 Mitglieder in den Kreis der Ehrenmitglieder aufgenommen wurde 2020 zudem der langjährige Schriftführer Georg Lindner.

Im Vorjahr mussten coronabedingt alle Veranstaltungen, erstmals auch das Heimatfest abgesagt werden, so dass in München lediglich drei Vereinstreffen möglich waren. Hoffnung für den Verein geben vor allem die Jüngeren wie Markus Hanauer mit 17 Jahren, die alte Tradition an die Jüngeren geben die ältesten Mitglieder wie die 94-jährige Hildegard Zierer und Ehrenmitglied Rolf Behrens (im Verein seit 1957) weiter.

Aufgrund des Durchschnittsalters von rund 71 Jahren hofft der Vorstandschaft, dass bald ein Großteil der Mitglieder geimpft sein wird und die Generalversammlung mit Neuwahlen, aber auch Treffen in der Heimat wieder veranstaltet werden können. "Wir halten in der Vorstandschaft ständig telefonisch Kontakt und freuen uns auf ein Wiedersehen in Eslarn", fügte Schriftführer Lindner an. Dem Wunsch ihres Chronisten schließt sich das ganze Vorstandsteam um Vorsitzenden Heinrich Kleber an.

Seit 2020 gehört auch Schriftführer Georg Lindner zum erlesenen Kreis der Ehrenmitglieder.

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