24.06.2020 - 10:48 Uhr
EslarnOberpfalz

Historisches Steinjuwel bei Eslarn

Ein seltsam geformter Stein zwischen zwei Landkreisen stammt wohl aus der Zeit vom 13. bis 16. Jahrhundert. Er markiert vermutlich eine alte Grenzlinie oder weist als Sühnekreuz auf eine tragische Geschichte hin.

Das Steinkreuz zwischen zwei Landkreisen soll aus dem Spätmittelalter stammen.
von Karl ZieglerProfil

Zwischen dem Eslarner Ortsteil Oberaltmannsrieth und dem Oberviechtacher Ortsteil Oberlangau befindet sich an einer alten Grenzlinie neben der neu errichteten erhöhten Straße ein Steinkreuz. Das abseits vom Weg befindliche Flurdenkmal ist für die Wanderfreunde kaum zu finden und wenn doch, hinterlässt es keine besonderen Eindrücke auf den Betrachter, geschweige die Vermutung, dass dieser steinerne Zeitzeuge rund 500 Jahre alt sein soll.

Die am Ödbach in einer Wiese gelegene Rarität beschrieb Kreisheimatpfleger Peter Staniczek in seiner 1990 verfassten bebilderten Dokumentation "Der Herrgott auf dem Feld". Der Vohenstraußer deutet den Stein als Sühnekreuz oder aufgrund der Lage auch als Grenzzeichen. Ursprünglich sei das steinerne "Denkmal" näher an der Straße gestanden und wurde beim Bau der neuen Straße, die die beiden Altlandkreise Vohenstrauß und Oberviechtach verbindet, verlegt.

Weitere Aktivitäten von Kreisheimatpfleger Peter Staniczek

Auf einen historisch belegten Streit aus dem Jahr 1494 unter verschiedenen Besitzern der „Öde zu Altmansreuth“, heute die Gegend um Oberaltmannsrieth und Oberlangau, wiesen in Publikationen zum einen Rainer Schmeissner in „Steinkreuze in der Oberpfalz“ und Heimatforscher Josef Hanauer im „Heimatbuch der Marktgemeinde Eslarn“ hin. Nach überlieferten Erzählungen wurde zwar kein Steinkreuz erwähnt, aber in den Äckerwiesen soll es zwischen den Hirten von Oberlangau und den Höfen, die "vo da Hief" stammten, zu Raufereien gekommen sein. Das angrenzende Waldstück nördlich des Bachs trägt noch den Namen "Oberhöfer Hut".

Da es bei den Auseinandersetzungen anscheinend auch einen oder zwei Tote gegeben haben soll, könnte zwischen den Betroffenen vereinbart worden sein, neben weiteren Bußen ein steinernes Kreuz am Ort der Tat zu errichten. Mit dem gegenseitig geschlossenen Sühnevertrag sollten die Erinnerungen an den Vorfall lang wachgehalten werden. Zudem brachten die Gebete der Vorübergehenden den Toten, der ja in der Regel nicht von einem Geistlichen mit den Sterbesakramenten versehen worden war, dem Himmel näher. Die vorliegende Sage weist laut Staniczek auf die Bedeutung dieses Steinkreuzes als Sühnekreuz hin, lässt es damit historisch auch einigermaßen einordnen, wobei auch die zusätzliche Funktion als Grenzzeichen durchaus möglich erscheint.

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"Schwedenkreuze" oder "Pestkreuze":

Zeichen der Sühne

Derartige Steine wurden etwa zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert als Zeichen der Sühne für den begangenen Totschlag errichtet. Konnte sich der Täter mit den Angehörigen des Erschlagenen vergleichen, so wurde er nicht von einem Gericht verfolgt und verurteilt. Die Beschädigungen am Steinkreuz, das Kopfstück und ein Querbalken wurden abgeschlagen, stammen wahrscheinlich ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert. In der Zeit soll Pfalzgraf Friedrich III. die Entfernung und Vernichtung aller religiöser Darstellungen und Ausschmückungen wie Altäre, Taufsteine, Sakramentshäuschen, Kreuzwege und dergleichen befohlen haben.

Möglicherweise erklärt dieser Kulturvandalismus das Fehlen von weiteren Steinkreuzen in der Gegend um Eslarn und Schönsee, vermutet Kreisheimatpfleger Peter Staniczek. Im Volksmund werden die Steinkreuze aufgrund verheerender Ereignisse auch gern als "Schwedenkreuze" oder "Pestkreuze" bezeichnet. Zudem erinnern sogenannte "Hussitenkreuze" an Verbrechen der oft grausamen Hussitenkriege im 15. Jahrhundert.

Da auch das Gebiet um Eslarn davon nicht verschont blieb, soll sich in der Nähe von Putzenrieth ein derartiges Exemplar befunden haben. Das vermutlich am alten Weg von Putzenrieth über den Eiterbach nach Heumaden errichtete Kreuz konnte von Heimatforscher Michael Hardt aber bereits in den 1930er Jahren nicht mehr aufgefunden werden. Möglicherweise war aber die Bewohner unseres Landstriches damals nicht so rauflustig oder einfach zu arm, so dass auf derartige Steinkreuze verzichtete werden konnte.

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