04.06.2020 - 14:12 Uhr
EslarnOberpfalz

Kreisbrandrat als Architekt

Der Marktgemeinderat Eslarn macht Nägel mit Köpfen und stellt mit dem aktuellen Projekt die Bedeutung der Feuerwehr Eslarn heraus. Beim Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses steht zudem ein "Insider" an verantwortlicher Stelle.

Die Anbau mit dem niedrigeren Garagenteil soll abgerissen werden, das Wohnhaus (rechts) soll umgebaut werden. Anstelle des jetzigen Anbaues kommen fünf Stellplätze.
von Walter BeyerleinProfil

Das neue Feuerwehrgerätehaus als Ersatzbau für das bestehende Gebäude wird entsprechend dem Vorschlag von Architekt Norbert Thiel fünf Stellplätze haben. Auf der Dachfläche soll entsprechend der Anregung von Bürgermeister Reiner Gäbl eine Photovoltaikanlage errichtet werden.

In der Marktgemeinderatssitzung am Dienstagabend in der Alten Turnhalle der Grundschule, im Beisein vieler Verantwortlicher der Feuerwehr Eslarn, kündigte Gäbl Architekt Norbert Thiel als bestens vertraut mit der „Materie Feuerwehr“ an. Am Schluss seiner Erklärungen zum geplanten Neubau ließ dieser die „Katze aus dem Sack“: Er ist ehrenamtlicher Kreisbrandrat im Landkreis Nürnberger Land. Mit 15 Jahren sei er zur Wehr gegangen, jetzt seit 42 Jahren dabei, habe zunächst das Amt eines Kreisbrandinspektors ausgeübt und sei jetzt Kreisbrandrat im Landkreis Nürnberger Land, erzählte Thiel: „Ich bin aber noch immer ein ganz normaler Feuerwehrmann.“

Zunächst stellte Thiel aber sein Architekturbüro vor, in dem selbst mehrere Feuerwehrdienstleistende tätig sind und das als einziges Büro dieser Art noch Bauzeichner für den Hochbau ausbildet. Mit beeindruckendem Bildmaterial zeigte der Architket als Referenzen die von seinem Büro geplanten und vollendeten Feuerwehrhäuser. Im Zuge der Vorstellung dieser Gebäude berichtete Thiel ferner, dass die Leistungsverzeichnisse als Grundlage für die Abgabe der Angebote nach den jeweiligen Gewerken erstellt werden. Damit sei die Beteiligung kleinerer und mittlerer Handwerksbetriebe an der Ausschreibung möglich.

Das neue Feuerwehrgerätehaus Eslarn wird in 3,5 Meter Abstand zur Grundstücksgrenze errichtet, so dass Wartungsarbeiten am Gebäude möglich sind. Bislang steht die Außenmauer des Feuerwehrhauses als „Brandmauer“ direkt auf der Grundstücksgrenze.

Die Planung sieht vor, auf dem Pultdach eine Photovoltaikanlage zu errichten. Dies sei möglich, weil dieses Pultdach direkt nach Süden ausgerichtet ist, erklärte der Architekt. Seine Powerpointpräsentation zeigte die Planung für die Stellplätze und für die weiteren Räumlichkeiten wie Toiletten, Schulungsräume, Umkleideräume, Lagerräume und dergleichen auf. In seine Planung wurde das zuständige Büro für die Städteplanung Eslarn mit einbezogen, erklärte Thiel. Die Planung des Architekten schließt auch die Regelung der Zufahrt der Feuerwehrdienstleistenden bei Alarmierung mit ein und regelt zugleich das Parken auf dem Gelände. Die „Einsatzmittelhalle“ mit den sich nach oben öffnenden Toren beinhaltet auch die getrennten Umkleiden für Frauen und Männer einschließlich der Duschen. Mit der Außengestaltung des Platzes und der Aufstellung von Tischen und Bänken vor dem Feuerwehrhaus solle den Bürgern Gelegenheit gegeben werden, mit den Wehrmitgliedern in Kontakt zu treten und sich unmittelbar vor Ort über deren Tätigkeit zu informieren. „Das gelingt, weil das Feuerwehrhaus mitten im Ort steht“.

Das geplante Feuerwehrgerätehaus nannte Thiel keine „Luxuseinrichtung“. Das Gebäude müsse mit seiner Stabilität Belastungen aushalten und im Innenbereich so gestaltet werden, dass Unfallverhütungs- und Hygienevorschriften eingehalten werden. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich auf geschätzte 1.550.000 Euro und teilen sich im Wesentlichen auf reine Baukosten von 1.035.000, Umbaukosten im Bestand von 48.000 Euro, lose Ausstattung von 70.000 Euro und Baunebenkosten in Höhe von 292.000 Euro auf.

Die Förderung ergibt sich aus der Zahl der Stellplätze, so dass der Markt Eslarn mit 314.000 Euro rechnen könne, erklärte Norbert Thiel. Es bedürfe aber noch eines klärenden Gespräches wegen der Zuschüsse mit der Regierung der Oberpfalz. Nach derzeitigem Stand verblieben dem Markt Eslarn ein eigener Aufwand von 1.200.000 bis 1.300.000 Euro.

Als Variante II zeigte Architekt Thiel eine Planung mit vier Stellplätzen auf, was sich im Aufwand aber nur geringfügig gegenüber der Planung mit fünf Toren bemerkbar mache. Wegfallen würde aber ein Zuschuss in Höhe von 80.000 Euro.

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Die Bauausführung soll nach der Vorstellung Thiels in Holzbauweise erfolgen, mit betonierter Bodenplatte. Marktrat Albert Grießl zeigte sich zunächst verwundert über die Holzbauweise. Dem hielt Architekt Thiel entgegen, dass Bauweise in Stahl nicht kostengünstiger sei. Marktrat Siegfried Wild sprach sich von vornherein für die Variante I mit fünf Stellplätzen aus. Er nannte es nicht sinnvoll, Plätze für die Lagerung von Feuerwehrmaterial zu schaffen, wie es in der Variante II mit vier Stellplätzen geplant sei. Marktrat Wolfgang Voit sah auch die „Fünfer-Variante“ als besser an.

Bürgermeister Gäbl dankte Architekt Thiel für die ausführliche Präsentation der Planung und stellte zunächst die Variante I und fünf Stellplätzen zur Abstimmung. Einstimmig sprach sich der Marktgemeinderat für diese Planung aus, so dass über die Variante II mit vier Stellplätzen nicht mehr zu entscheiden war.

Architekt Norbert Thiel stellt in der Marktgemeinderatsitzung seine Planung für das neue Feuerwehrgerätehaus Eslarn vor.
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