08.05.2019 - 09:55 Uhr
EslarnOberpfalz

Sieger mit neuer Bestzeit

Der Staffellauf von Eslarn nach Hostoun (Hostau) erinnert an die Befreiung der Lipizzaner-Pferde vor 74 Jahren. Mit 56 Teilnehmern und einer absoluten Rekordzeit schreibt er nun auch sportlich Geschichte.

Die Staffelläufer mit den Bürgermeistern, Musikern und Organisatoren vor dem Start am Tannenhof bei Eslarn.
von Karl ZieglerProfil

Nicht zu schlagen waren beim 6. Staffellauf die vier Teilnehmer aus Belá nad Radbuzou (Weißensulz) mit der Bestmarke von 1:20:46 Stunden. Damit verbessrte der mehrmalige Zweit- und Drittplatzierte den drei Jahre alten Rekord um 3 Sekunden. Vier Minuten später folgten auf den zweiten und dritten Plätzen das amerikanische Team aus Vilseck und die Mannschaft aus Waldthurn. Die Eslarner Dauerläufer sicherten sich unter den 14 Teams wie in den Vorjahren einen guten Mittelfeldplatz.

Der grenzüberschreitende Staffellauf „Auf der Spur der Operation Cowboy“ von Eslarn nach Hostau startete wegen der Baustelle am Tillyplatz erstmals außerhalb der Marktgemeinde. Unternehmer Thomas Bösl vom Tannenhof sorgte spontan sowohl für Parkplätze als auch für Umkleidemöglichkeiten und sanitäre Anlagen. Die 56 Teilnehmer kamen aus Waldthurn, Eslarn und aus der amerikanischen Kaserne in Vilseck, sowie aus 7 tschechischen Gemeinden, wobei 3 sogar 2 Teams stellten. Die Hauptorganisation übernahmen die Städte Hostau, Weißensulz und der Verlag Resonance Domažlice.

Die Bürgermeister Libor Picka aus Belá nad Radbuzou, Miroslov Rauch aus Hostoun, Reiner Gäbl aus Eslarn und der Hauptorganisator Diplom-Ingenieur Bohuslav Balcar aus Domazlice erinnerten an die Befreiungsaktion der wertvollen Lipizzaner aus dem ehemaligen Gestüt Hostoun. Im Mittelpunkt stand ein waghalsiges Ereignis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Teil der damaligen US-Cavalry soll von Eslarn aus operiert und in Richtung Hostau aufgebrochen sein. Dazu wurde am 28. April 1945 aus der 42. Schwadron die Kampftruppe „Task-Force“ gebildet, die bis nach Hostau zu den seltenen Pferden vordrang.

Die kostbaren Pferde unter anderen von der Spanischen Reitschule der Wiener Hofburg, ein Bestandteil des Weltkulturerbes, wurden von der Wehrmacht der Nationalsozialisten im böhmischen Hostau verborgen gehalten und waren durch die herannahende russische Armee und die bevorstehenden Kriegskampfhandlungen gefährdet. Wie in geheim gehaltenen Vorgesprächen zwischen Amerikanern und Deutschen vereinbart war, kapitulierten die bei Hostau eingesetzten deutschen Soldaten widerstandslos und bildeten bei der Rettung der Pferde durch die Amerikaner eine Kooperation.

An anderen Stellen kam es laut dem Historiker Balcar dagegen zu Gefechten mit linientreuen SS-Einheiten, bei denen auch Opfer zu beklagen waren. Die weltbekannte Rettung der edlen Pferde wurde laut Balcar in Amerika sogar verfilmt.

Nach dem Rückblick begrüßte Balcar die Läufer. „Ich sehe viele bekannte, aber auch neue Gesichter und im kommenden Jahr wird auch eine Staffel aus Pleystein dabei sein.“ In den Willkommensgruß eingeschlossen wurde Hostaus Partnergemeinde Waldthurn mit Bürgermeister Josef Beimler.

Mit dem Staffellauf entlang der historischen Befreiungsstrecke der 2. Kavallerie 1945 von Eslarn nach Hostoun gedenken die Teilnehmer gleichzeitig an die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Die Musikgruppe „Konradyho Dudacka Muszika“ aus Domazlice stimmte die 14 Startläufer und Gäste vor dem Start mit Dudelsackmusik auf die anspruchsvolle Gesamtstrecke von 25 Kilometern ein.

Die Staffeln, die sich jeweils aus drei Männern und einer Frau zusammensetzten, hatten jeweils knapp über 6 Kilometer zurückzulegen. Die Läufer wurden mit dem tschechischen Bus bei Tillyschanz über die Grenze zu den jeweiligen Wechselpunkten gefahren. Ab Železná erwartete die Staffeln hinauf zum schwersten Anstieg nach Hvod der anspruchsvollste Abschnitt. Die Läufer kamen durch Bela und vorbei an der Gedenkstätte am Schlossparktor nach Hostau. Auf den Dreiländerlauf wiesen amerikanische, deutsche und tschechische Fahnen, ein amerikanischer Jeep als Relikt aus dem zweiten Weltkrieg und ein tschechischer Landsmann mit amerikanischer Uniform auf einem Pferd hin.

Ergebnisse:

Die drei besten Teams bekamen von der Brauerei Chodovar ein Fass Bier und jede Mannschaft durfte sich über ein kleineres Fässchen freuen. Den ersten Platz belegte das Team aus Belá nad Radbuzou mit der absoluten Topzeit von 1:20:46. Damit konnte der mehrmalige Zweitplatzierte aus den Vorjahren die Rekordzeit der Läufer aus Kladovy um 3 Sekunden verbessern. Ebenfalls eine Bestzeit mit 1:24:05 schaffte der Zweitplatzierte des 2. amerikanischen Kavallerie-Regiments aus Vilseck und der Dritte aus Waldthurn mit 1:24:33, die auch in den Vorjahren unter der Elite zu finden waren. Die jeweils vier Läufer kämpften um den zweiten Rang um jeden Meter und jede Sekunde und liefen knapp hintereinander ins Ziel. Das gemischte Team der tschechischen Polizei "Policie Ceské republiky" erreichte das Ziel nach 1:25:50 und verdrängte die Teams aus Hostoun 1:26:55, der tschechischen Feuerwehr (Hasici) 1:30:35 und Žinkovy 1:32:37 auf die Plätze. Den 8. Platz erkämpfte sich Eslarn mit 1:35:26 und auf den weiteren Plätzen landeten das 2. Team aus Hostoun mit 1.36.36, aus Aš 1:38:41, die 2. aus Žinkovy mit 1:39:32, das Donem-Team mit 1:39:36 und die beiden Mannschaften von Stitary mit 1:49:15 und 1:52:32.

Am Ziel spiegelte sich die Geschichte in einem amerikanischen Jeep als Relikt aus dem zweiten Weltkrieg und einem amerikanischen Sergeant in Uniform auf einem Pferd.
Die Erstplatzierten aus Bela nad Radbuzou mit den "Konradyho Dudacka Muszika" aus Domazlice.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.