02.07.2019 - 18:54 Uhr
EslarnOberpfalz

Trotz Randlage gibt es in Eslarn keinen Ärztemangel

"Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott", heißt es im Markt Eslarn, als die Struktur in der Gesundheitsversorgung immer lückenhafter wurde. Heute sind die Menschen dort zufrieden.

Bürgermeister Reiner Gäbl (stehnd links) freut sich über ausnahmsweise zwei Ärzte in Eslarn: Dr. Gudrun Korzenietz und Dr. Rudolf Poschenrieder
von Siegfried BühnerProfil

Spricht man von Randlage und fern von den Zentren gelegene ländliche Räumen, dann kommen Orte wie Eslarn (Kreis Neustadt/WN) in den Sinn. 2800 Einwohner, nur ein paar Kilometer zur tschechischen Grenze. Auf kurvenreichen Landstraßen führt der Weg von Weiden über Vohenstrauß nach Moosbach und nach weiteren acht Kilometern über die Hügel des Oberpfälzer Waldes nach Eslarn. "Pendelstrecken sind wir gewohnt", sagt Bürgermeister Reiner Gäbl. Die periphere Lage sei für die Menschen im Ort kaum ein Problem.

Ganz anders war die Lage allerdings vor einigen Jahren, als Schritt für Schritt zentrale Bereiche der Gesundheitsversorgung weggebrochen waren. Bis zum Jahre 2008 gab es in Eslarn zwei praktizierende Landärzte. Einer verstarb, der andere musste seine Praxis aufgeben. Plötzlich wurde auch die Notarztversorgung zu einem größeren Problem, denn damals war die Rettungswache in der 15 Kilometer entfernten Stadt Vohenstrauß angesiedelt.

Geschlossene Türen der ehemaligen Apotheke in Eslarn

Einen weiteren Einschnitt gab es im Jahre 2011. Nach dem Tod des Eigentümers schloss die einzige Apotheke am Ort. Bis heute steht das Gebäude leer. Doch resignieren wollten Bürgermeister und Gemeinderäte in Eslarn nicht. Mit 112 000 Euro Zuschuss an einen privaten Investor sorgte die Gemeinde dafür, dass eine neue Arztpraxis gebaut werden konnte. Dort wechseln sich vier Ärzte täglich ab, darunter zwei Internisten einer überregionalen Gemeinschaftspraxis für Allgemein- und innere Medizin aus Vohenstrauß. Die Praxis ist täglich mit mindestens einem Arzt besetzt, sogar am Samstag.

Noch immer mit dabei ist der 72-jährige Dr. Rudolf Poschenrieder, über den die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Eslarn aufgebaut wurde. "Ohne den Bürgermeister wären wir heute nicht hier", sagt der Landarzt. Die Patienten seien zufrieden, betont Poschenrieder. Verärgert seien sie nur über die langen Wartezeiten bei Fachärzten in Weiden oder Vohenstrauß. Allerdings: "Als Landarzt muss man schon belastbar sein."

Eine Lösung wurde auch für die Medikamentenversorgung gefunden. Rezepte werden über die Landarztpraxis an Apotheken in Moosbach und Waidhaus gegeben und im täglichen Kurierdienst nach Eslarn gebracht. Auch die Notarztversorgung hat sich erheblich verbessert, seitdem der Rettungsdienst seinen Standort nach Lohma verlegt hat. "Wichtig sind für uns auch die ehrenamtlichen Helfer vor Ort, die in Notfällen sofort beim Patienten sind", sagt der Bürgermeister. "Bevölkerung und Gemeinderat sind zufrieden, alle akzeptieren, dass wir nicht die medizinische Versorgung einer Universitätsklinik haben.

Professor Dr. Steffen Hamm gehört auch zur Panelleitung am Wissenschaftstag

Während Eslarn Lösungen in der vorhandenen Struktur des Gesundheitswesens gesucht hat, geht OTH-Professor und Geschäftsführer der Gesundheitsregion Nordoberpfalz Plus, Steffen Hamm, einen Schritt weiter. "Wir brauchen neue Versorgungsmodelle jenseits der klassischen sektoralen Trennung, zum Beispiel intersektorale Gesundheitszentren", sagt Hamm. Gerade in ländlichen Räumen seien Kostendruck und Effizienzüberlegungen größer als in urbanen Gebieten. Hilfe könne von telemedizinischen Verfahren und digitalen Anwendungen kommen.

Der Experte sieht auch eine Entwicklung bei personalisierter Medizin. "Gesundheitsthemen werden zum lebenslangen Ereignis", sagt Hamm. Der Experte verweist auf die neuen OTH-Studiengänge "Digital Healthcare Management" und "Physician Assistant (Arztassistent)". Themen dieser Art werden ausführlich im Panel "Gesundheit als Chance für Versorgung und Wirtschaft" des Wissenschaftstags der Metropolregion Nürnberg in Weiden am 19. Juli diskutiert. Impulsvorträge und Diskussionen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

Korrektur:

Kein neues Seniorenheim

In einer früheren Version war von Plänen des Markts Eslarn für ein neues Seniorenheim die Rede. Diese Information beruhte auf ein Missverständnis, solche Pläne gibt es nicht. Außerdem hieß es, den Medikamentendienst übernimmt eine Apotheke aus Vohenstrauß. Auch dies war nicht richtig.

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.