07.06.2019 - 10:29 Uhr
EslarnOberpfalz

Vogel-Drama in Eslarn: Gänsegeier macht sich über Jungstorch her

Dramatische Minuten im Eslarner Horst: Die Altstörche müssen sich sogar Verstärkung holen, um den Eindringling zu verjagen. Für eines der Jungtiere kommt die Rettung aber zu spät.

Noch versuchen die beiden Altvögel zu zweit, den Gänsegeier zu vertreiben - zunächst vergeblich.
von Karl ZieglerProfil

In den letzten Wochen konnten im Storchennest in Eslarn zwei Weißstörche mit ihren drei Jungvögeln beobachtet werden. Ein Jungstorch schaffte es nicht und verendete, so dass nur noch zwei übrig blieben. Am Donnerstag beobachteten Anwohner im Storchennest ein tragisches Ereignis. Ein Gänsegeier, der normalerweise unter anderen nur in Südeuropa zu Hause ist und in unserer Gegend zu einer fast ungewöhnlich vorkommenden Spezies zählt, landete im Storchennest und machte sich über einen Jungvogel her.

Gänsegeier, zu erkennen am kleinen Kopf sowie dem langen, gänseartigen und unbefiederten Hals mit der für Geier typischen Halskrause, waren in Deutschland bis ins 13. Jahrhundert Brutvögel. Heute tauchen sie vereinzelt wieder als Sommergäste in den Alpen auf und ernähren sich üblicherweise von Aas, wobei das Tier samt Knochen gefressen wird. Selbst aus einer Höhe von mehr als 3000 Metern können sie Kadaver von etwa einem Meter Durchmesser noch erkennen.

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Vermutlich hatte der Geier beim Durchflug das Nest erspäht und sich im Horst neben den beiden Weißstorcheltern niedergelassen. Die beiden Storcheneltern versuchten vergeblich mit Attacken den Eindringling davon zu jagen, aber der Geier ließ sich am "gedeckten Tisch" nicht vertreiben. Zum Ende konnten die Weißstörche nur zusehen, wie der Großvogel eines ihrer Jungen verspeiste.

Da die Abwehr der Altvögel nichts brauchte, machte sich einer der Weißstörche plötzlich auf und davon und kam nach einer gewissen Zeit mit einem weiteren Gefährten zum Storchenhorst. Es sah so aus, als hätte er Verstärkung geholt. Die drei Altstörche waren für den Greifvogel dann doch zu viel und er machte sich mit seinen über zwei Meter breiten Flügeln wieder aus dem Staub.

Das Verhalten des Gänsegeiers ist für Vogelkenner eher untypisch, da er sich normalerweise ausschließlich von toten Tieren, besonders von großen und mittelgroßen toten Säugetieren ernährt. Die Storchenfreunde befürchten jetzt, dass der Gänsegeier auf den Geschmack gekommen ist, wieder kommen und auch den zweiten Jungvogel greifen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass auch andere Storchennester vom Besuch des gefräßigen Gesellen verschont bleiben.

Auch wenn der Vorfall in Eslarn für Vogelfreunde tragisch ist, handelt es sich im Tierreich eigentlich um einen normalen Vorgang. An dieser Stelle könnte man eine Diskussion über den wieder angesiedelten Wolf und Luchs entfachen, aber in der Fauna bestimmt seit Urzeiten fortan das Motto "Fressen und gefressen werden" die Szenen. Auch der Mensch jagt und züchtet Tiere für seine Ernährung.

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