26.10.2018 - 09:09 Uhr
EslarnOberpfalz

Die Zukunft kam mit der Postkutsche

Bereits um 1680 gibt es die ersten Postdienste im Deutschen Reich. Eslarn muss noch 150 Jahre warten. Der erste Postbote hat dann auch erst mal kaum etwas zu tun.

Im Posthalterhaus nimmt 1927 Therese Hammerl, eine Verwandte des Posthalters Joseph Hammerl, im Beisein einer Mitarbeiterin einen Anruf entgegen.
von Karl ZieglerProfil

Die Geschichte der Post in Bayern begann unter der Regie von Thurn und Taxis im 17. Jahrhundert. Die Kaiserliche Reichspost sorgte mit Reiterboten und später mit Postkutschen für die Zustellung im Land. Die „reitende Post“ als erstes Kommunikationsmittel folgten 1686 sogenannte „Kaleschen“. Der vierrädrige Reisewagen mit Faltverdeck und vier Sitzen wurde von einem einzelnen und später von zwei oder vier Pferden gezogen. Die kleinen Kutschen transportierten Post und Personen mit rund zehn Stundenkilometern zu den Ortschaften. Bis die Entwicklung alle Dörfer erreichte, vergingen mehr als 150 Jahre. Am 3. Juli 1837 wurden die Beziehungen zwischen Bahn und Post geregelt und Briefe, Zeitungspakete und sonstige Sendungen mit dem Zug befördert. Die erste Brief- und Fahrpostexpedition im Markt Eslarn gab es laut Geschichtsforscher Josef Hanauer am 1. November 1853, wobei die Briefbeförderung durch tägliche "Karriolfahrten" gewährleistet worden ist. Als Begründung für die Notwendigkeit der Briefzustellung wurden laut Geschichtsforscher die angesiedelten Hammerwerke und Glasschleifen angeführt. Der erste Postbote von Eslarn, Michael Hanauer aus Putzhof, hatte von 1853 bis 1878 zwar wenig Post zum Austragen, war aber überörtlich für Eslarn, Heumaden, Ödbraunetsrieth, Ragenwies und Lindau zuständig. Der erste Postexpeditor hieß Justin Bauriedl und ein Jahr später übernahm der vormalige Bote Joseph Hammerl die Expedition. Am 10. Oktober 1854 genehmigte die Regierung dem Pferdebesitzer Joseph Wildenauer am Tillyplatz 5 die Botenfahrten von Eslarn nach Wernberg. Dies war der Beginn der "Eslarner Postkutschen Ära". Der Briefpostwagen verband alle abseits der Eisenbahn gelegenen Dörfer mit dem Schienennetz. Hammerl errichtete 1855 im Anwesen Tillyplatz 4 eine neue Postagentur. An gleicher Adresse war auch eine Land- und Gastwirtschaft. Ab 1. Mai 1890 verkehrte von Eslarn nach Vohenstrauß der erste Postomnibus, der für die Strecke fast drei Stunden benötigte. Weitere Fahrten gab es ab 1904 nach Schönsee und ab 1906 ins böhmische Nachbarland nach Eisendorf.

Mit der Fertigstellung der Zugverbindung von Waidhaus nach Eslarn, erreichte der legendäre "Islouer Bockl" 1908 auch den Markt.

Nach 100 Jahren Postbetrieb am Tillyplatz verlagerte man nach Einzug der Raiffeisenbank 1955 das Postamt in die angemieteten Räume der Waidhauser Straße 2. Das erste Postauto nahm 1965 und das Computerzeitalter 1989 in Eslarn Einzug. In einem Jahr wurden rund 5000 Pakete und 60.000 Briefe bearbeitet. Bei der Zustellung legten die vier in Eslarn beschäftigten Postzusteller im Umland täglich 80 Kilometer mit dem Auto und im Ort täglich rund 15 Kilometer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Das Eslarner Postamt wurde täglich vom Weidener Hauptpostamt angefahren und der sofortige Weitertransport der Breife und Pakete gesichert.

Am 1. April 1996 stand nach einer Umstrukturierung der Post AG die Verlegung der vier in Eslarn diensttuenden Briefzusteller an. Das Eslarner Postamt als Stützpunkt für die Zustellung wurde aufgelöst und in Waidhaus ein gemeinsamer Zustellungsstützpunkt errichtet. Die Postboten sortierten im Nachbarort die Post und stellten sie in Eslarn zu. Mit der Schließung des Postamtes am 15. September 2003 setzte sich der Trend und der Abbau der Beschäftigten bei der Post fort und die langjährige Postära ging nach 150 Jahren in Eslarn zu Ende. Anstelle der Postfiliale wurde im Getränkemarkt Vasold eine neue Postagentur der Deutschen Post AG eingerichtet. Einige Jahre später wanderte die Agentur in das Elektrogeschäft Forster in die Kirchenstraße 3.

Im Anwesen am Tillyplatz 4 errichtete Joseph Hammerl 1855 eine Postexpedition. Im Jahr 1908 stellte sich die Familie Hammerl mit dem Posthalter und den Angestellten vor dem Gebäude einem Erinnerungsfoto.
Der Eslarner Michael Hanauer war von 1853 bis 1878 Postbote .
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