08.12.2019 - 00:01 Uhr
Etsdorf bei FreudenbergOberpfalz

Ein Erlebnisraum: Die Asphaltkapelle Etsdorf

Eigentlich hat die Asphaltkapelle in Etsdorf gar keine Tür. Wilhelm Koch, der sie ersonnen hat, öffnet sie trotzdem für unseren Adventskalender. Eine Kapelle? Ein Kunstwerk? Auf jeden Fall einmalig.

Wilhelm Koch öffnet die nicht vorhandene Tür zur Asphaltkapelle in Etsdorf (Amberg-Sulzbach). Der Griff in die Luft ist für den Künstler kein Problem, schließlich ist er auch der Leiter des Amberger Luftmuseums.
von Heike Unger Kontakt Profil

Wilhelm Koch, der auch der Leiter des Luftmuseums in Amberg ist, weiß jedenfalls von keinem anderen Gebäude der Welt, das komplett aus Asphalt besteht. Das ist eine Besonderheit dieses Kirchleins, das auf einer waldigen Anhöhe bei Etsdorf (Landkreis Amberg-Sulzbach) einen besonders schönen Platz gefunden hat. Ursprünglich hatte Koch seine Asphaltkapelle für die Oberbayerischen Kulturtage 2001 in Altötting geschaffen. Die dortige berühmte Gnadenkapelle mit der schwarzen Madonna brachte den Etsdorfer auf die Idee, einen schwarzen Raum aus einem ungewöhnlichen Material zu gestalten. Er entschied sich für "Asphalt, der uns überall umgibt", nur eben nicht als Gebäude-Baumaterial.

Premiere: Asphalt im Hochbau

Das war dann auch die Herausforderung. "Keiner wusste, wie man mit Asphalt im Hochbau umgehen muss", erinnert sich Koch – selbst der bayerische Asphaltberater habe da passen müssen. Koch hat Gussasphalt verwendet, aus dem man eigentlich Böden im Innenausbau herstellt. Das brodelnde Gemisch wurde für seine Kapelle in Schalungen gefüllt, die dann prompt platzten. "Dann sind zwei Tonnen Asphalt ausgelaufen."

Am Schluss hat es trotzdem geklappt. Aus fünf Einzelelementen entstand die 2 x 5 x 3 Meter große Asphaltkapelle. Da von Anfang an klar war, dass der Standort in Altötting nur vorübergehend sein würde, hat Koch einen anderen gesucht, wo das Kirchlein auf Dauer bleiben kann. Gefunden hat er ihn in seiner Heimatgemeinde Etsdorf auf einem Grundstück im Wald, das einem Cousin seines Vaters gehört. Als der einst aus russischer Gefangenschaft heimkehrte, wollte er eigentlich eine Kapelle bauen. "Also hat sich sein Wunsch erfüllt", freut sich Koch.

Drinnen ist Platz für zwölf

Nicht nur das Kirchlein selbst ist eine Besonderheit in der Region. Auch das, was sich inzwischen drum herum entwickelt hat, ist bemerkenswert. Einmal im Jahr gibt es hier Anfang Mai das Asphaltkapellenfest, eine etwas andere Kirwa, außerdem hat Koch hier die einzigartige Konzertreihe 1:12 etabliert: Dabei spielt ein Musiker oder ein Ensemble für zwölf Zuhörer – mehr passen nicht in die Kapelle. "Sie ist auch fast eine Autobahnkapelle", sinniert Koch – denn seit des Lückenschlusses auf der A6 ist die Autobahn in Sichtweite.

Konzertreihe 1:12: Glasmusik in der Asphaltkapelle

Etsdorf bei Freudenberg

Jetzt, zu Weihnachten, hat Koch eine neue Idee ausgeheckt: In seiner Kapelle sollen heuer erstmals möglichst viele Christbaumkugeln von der Decke hängen. Dafür sucht er Spender, die ihm (gebrauchte) Kugeln schenken. Die sollen hier künftig jedes Jahr aufgehängt werden. Wer mithelfen möchte, dass dieser "Erlebnisraum" Wirklichkeit wird, kann Kugeln in Amberg im Luftmuseum abgeben oder sie auch einfach in die Kapelle legen. In diesem Fall lohnt sich ein Blick ins Gästebuch. Die Eintragungen zeigen, warum die Asphaltkapelle ein ganz besonderer Ort ist.

Macht hoch die Tür ...:

24 Tage, 24 Türchen: Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend öffnen wir täglich nicht nur ein Türchen, sondern gleich eine komplette Tür. Menschen aus der Region gewähren dann Einblick in ein "Reich", das ansonsten verschlossen ist. Hinter den Türen verbergen sich Bilder und Geschichten aus der gesamte Oberpfalz.

Die Asphaltkapelle im Onetz

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