13.05.2019 - 15:04 Uhr
Etsdorf bei FreudenbergOberpfalz

In Etsdorf ein Prosit auf Europa

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Sein Bier schon. Von solch poetischen Beschreibungen und Weisheiten begleitet, mit allen Sinnen glücklich, wurde im Tempelmuseum in Etsdorf der Europatag gefeiert. Bei einer Bierverkostung.

An diesem Abend haben die meisten ihr Bier sicher ganz anders getrunken, als sie das sonst tun. Und natürlich auch ganz anderes Bier.
von Autor MMAProfil
Arno Diener, Alwin Märkl, Michael Pfeiffer und Wilhelm Koch (von links) gaben im Tempelmuseum Einblick in die überraschend große Welt des Biergeschmacks.

Bürgermeister, Brauer und Biersommelier Alwin Märkl, sein Braumeister Michael Pfeiffer und Arno Diener, Brauer im Nebenverdienst, entführten über 20 Interessenten auf ein weites Feld in Sachen Bier. Wilhelm Koch, Europa-Fan, Künstler und Hausherr, begrüßte zu einem "spannenden und vielfältigen Abend" im Tempelmuseum.

"Zum Spielen" lud Märkl eingangs mit einem Aperitif mit Pils und Aperol ein. Dieser sollte "Erinnerungen an laue Sommernächte unter südlicher Sonne", gerade über die vielen Rezeptoren der Nase, wachrufen. Mit Arno Diener stieg man "in die Welt der Biere weiter ein", reiste nach Belgien, zu einem Weizenbier mit einem Hauch von Koriander und Orangenschalen. Aus Österreich kam ein Waldbier namens Holzbirne. Spezielle Bäume würden dort ausgewählt, die Frühjahrsspitzen gehäckselt, getoastet, sogar deren Blätter als Läuterschicht verwendet, überhaupt in der Kreativbrauerei "viel Herzblut investiert". Das Ergebnis war ein nicht filtriertes, lange gelagertes natürliches Bier mit eine Vanille-, Kokos- und Whiskey-Note, das mit der Zeit auch einen leichten Birnengeschmack entwickelte.

Wie eine blühende Wiese

Braumeister Michael Pfeiffer stellte ein Red Ale aus Irland vor, das kupferfarbig mit Beerenaromen, einer malzigen Süße und leicht bitteren Röststoffen aufwartete. Die große Bandbreite der Ales feiere man dort auch mit dem Spruch: "Seine Familie kann man sich nicht aussuchen, aber sein Bier", was Pfeiffer viel Zustimmung einbrachte. Ein Draftbeer, das "Punk IPA", ein India Pale Ale, von der erfolgreich mit witzigen Spots werbenden Brewdog-Brauerei in Schottland, erinnerte Märkl an eine "blühende Wiese in Vollendung". Zum Hintergrund verwies er auf die Kolonialzeit, als man von der Insel Biere sicher nach Indien bringen wollte, die zudem zu den dortigen scharfen Speisen passen sollten.

Bernsteinfarbiges, ungefiltertes, dreimal vergorenes Trappistenbier aus der Klosterbrauerei Scourmont in Belgien überraschte durch seine starke bittere Hopfennote, die aber auch eine Honig-Restsüße mit Rosinen- und Muskatgeschmack präsentierte. Ein gemischtes Sauerbier aus Belgien, das Rodenbach Grand Cru, mit "komplexen Aromen Richtung Pferdestall", seinem Holzaroma und einem "fruchtig runden Abgang" näherte sich bereits einer Weinverkostung und war die Überraschung des Abends. Den Abschluss bildete ein "Frühstücksbier", das Beer Geek, aus Stavanger in Norwegen: Das Stoutbeer mit der Farbe eines Espressos werde mit Haferflocken und Kaffee gebraut, erklärte der Biersommelier.

Die hohe Braukunst

Neben der Verkostung erfuhr man manch Wissenswertes über die hohe Braukunst, wie den Unterschied von ober- und untergärigem Bier, die Definition der Stammwürze oder die Hintergründe mancher Braustätten. Eine Brotzeit mit sauren Bratwürsten und Wurstsalat rundete diesen ersten Bierverkostungs-Abend perfekt ab, zumal der Abend mit der "höchsten Braukunst", einem bayrischen Hellen" aus der Brauerei Märkl in Freudenberg und einem Sudhang-Bier abschloss.

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