Mit Unterhaltsamem auf der Bühne zu stehen, während mitten in Europa ein Krieg tobt, findet Eva Karl Faltermeier wirklich sehr schwierig: „In meinem Programm geht es auch um den Kalten Krieg. Die Passagen waren bisher eher lustig, weil alles ja so weit weg schien. Seit einigen Wochen haben die Teile wieder Aktualität und das ist sehr traurig“, konstatiert die Kabarettistin im Interview mit Oberpfalz-Medien.
Aber die Menschen möchten sich auch ablenken und nicht nur den Nachrichten folgen, „nicht aus Desinteresse, sondern um ihr eigenes Leben den Umständen entsprechend zu genießen – solange das geht.“ Man könne ihrer Ansicht nach also durchaus abends lachen und dann wieder Empathie empfinden mit Opfern, Geflüchtete aufnehmen und demonstrieren.
Im Übrigen sei ihr Programm keine Comedy. Es setze sich vielmehr mit Politik, Gesellschaft und uns als Menschen auseinander, ergänzt die Oberpfälzerin. Ihre Bühnenfigur durchleidet Probleme, mit denen sich viele identifizieren können, und geht dabei auch auf politische Entwicklungen und Missstände ein. Lustige Teile wechseln sich mit nachdenklichen Teilen ab. Gerade das mache den Unterschied zur Comedy aus.
Ertappt, erwischt, abgewatscht
Dass sie dabei dem Publikum mitunter auf die Zehen tritt und alle sich mal ertappt, erwischt, abgewatscht fühlen, ist gewollt. Aber man soll an der einen oder anderen Stelle auch aus vollem Herzen sagen können: „Ja, das stimmt - genauso ist es“. „Derblecken, Lachen und Nachdenken – das ist Kabarett. Und auch das ist in dieser Zeit schwieriger als sonst. Aber ich habe jetzt zwei Jahre von Überbrückungsjobs gelebt und muss meine vereinbarten Auftritte aus vielen Gründen einhalten.“
Die Ukraine wird an diesem Abend nicht zur Sprache kommen. An diesem Thema sei nichts lustig. Und die Geschehnisse gehen derzeit dermaßen rasant vor sich, dass sogar spezialisierte Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler sich mit der Einordnung schwertun, so Faltermeier. Obwohl sie selbst Politik studiert hat und politische Journalistin ist, möchte sie sich da auf der Bühne nicht aufschwingen. Wie solle man im Übrigen zur Ukraine aktuell etwas sagen außer: Nie wieder Krieg – Putin raus aus der Ukraine?
Mit vier freien Tagen im Jahr durchgekämpft
Befragt nach ihrem Schritt ins freie Berufsleben jenseits der Festanstellung zieht sie eine positive Bilanz – trotz Pandemie: „Ich habe mich durchgekämpft, viele gute Momente erlebt und mich und meine Kinder alleinerziehend irgendwie durchgebracht. Mit vier freien Tagen im Jahr. Wenn überhaupt. Aber wir haben gelacht, sind alle gesund und haben alles bezahlt“. Und wenn sie das Leben anders fordert, dann bringt sie ihre Familie eben anders durch. „Ich glaube, wir müssen generell weg von dem Gedanken, dass es irgendwann einmal einfacher wird.“
Die Möglichkeit, auch als Journalistin zu arbeiten, sei da schon in den letzten Jahren sehr hilfreich gewesen. Die Kulturszene wird nach der Pandemie ohnehin eine andere sein als vorher. „Sie ist ausgedünnt. Viele haben aufgegeben, sich andere Jobs gesucht, sind physisch oder psychisch krank geworden.“ Man habe aber immer noch keine Lobby, wenig Zusammenhalt und Rückhalt in der Politik. Und so wie es gerade wieder anfängt zu laufen, scheint es Eva Karl Faltermeier auch zu sein wie immer: „Wenn die Krise mal vorbei ist, verdrängt der Mensch und sorgt wieder nicht für die nächste Krise vor. Hoffentlich täusche ich mich.“
Sie selbst tourt und arbeitet durchgehend bis weit in das Jahr 2023. Parallel schreibt sie an ihrem zweiten Buch. Im Sommer beginnt sie zudem mit der Arbeit am zweiten Bühnenprogramm, das im Dezember 2022 Premiere feiern wird. „Dazu habe ich noch einige Nebenjobs, die meine Kinder und mich im Falle einer nächsten Coronawelle über Wasser halten“.
Die freie Zeit, die dabei noch bleibt, will sie mit der Familie verbringen. „Nicht im All Inclusive Hotel, sondern ganz normal irgendwo hier. Mir haben die letzten Jahre und auch die aktuelle Krise gezeigt, dass ich nicht viel brauche, um glücklich zu sein.“ Also mache sie es sich lieber daheim oder in der Umgebung dauerhaft schön, als weit wegzufahren für zwei Wochen. „Und wenn das in den nächsten Jahren im Frieden und ohne Katastrophen und Krankheit gelingt, bin ich sehr dankbar. Weil wir gerade wieder erleben, dass das nicht selbstverständlich ist.“
Zu Person und Veranstaltung
- Eva Karl Faltermeier (38): Sie ist gelernte Journalistin, Blogautorin, Dozentin und schreibt Kolumnen u.a. für Bayern 2 und Gags für "Ringlstetter".
- Programm: "Es geht dahi" ist ihr erstes Bühnenprogramm, ausgezeichnet mit dem Senkrechtstarter-Preis des Bayerischen Kabarettpreises, dem Newcomerpreis des Hessischen Kabarettpreises und dem Prix Pantheon.
- Preise: 2020 erhielt sie den Kulturförderpreis der Stadt Regensburg, ihr Indie-Interview-Podcast wurde 2021 mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet
- Buch: "Der Grant der Frau: Geschichten einer unterschätzten Emotion", 192 Seiten, gebunden, ist 2021 im SüdOst-Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro.
- Kabarett-Abend "Es geht dahi": Eva Karl Faltermeier ist am Freitag, 25. März um 19.30 Uhr im Tempel-Museum Etsdorf zu Gast. Vorverkauf nur direkt im Gasthof Steinköppl Etsdorf. Es gelten die tagesaktuellen Corona-Regelungen.



















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.