18.06.2020 - 17:33 Uhr
EtzelwangOberpfalz

Ehemalige Etzelwangerin hilft Ärmsten in Peru

Das Coronavirus kennt keine Grenzen, kein Kontinent ist ihm zu weit entfernt. Nach Asien und Europa verbreitet es sich auch in Nord- und Südamerika aus. Edeltraud Achtern, eine 38jährige ehemalige Etzelwangerin, lebt seit 14 Jahren in Peru.

Wer die Möglichkeit hat, holt sich Lebensmittelpakete ab und trägt sie im Tragetuch nach Hause.
von Leonhard EhrasProfil

Edeltraut Achtern (geborene Kaula) sieht, wie neben der Armut unter der dortigen Bevölkerung nun auch noch Corona dramatisch deren Lebenssituation verschlimmert. Wenn sie wegen Corona nicht mehr arbeiten können, erhalten sie kein Geld, um den Lebensunterhalt für ihre Familie zu sichern. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt in einem Bericht über Peru die Situation mit dem Satz: "Die Menschen müssen wählen, ob sie vielleicht am Virus sterben oder ganz sicher am Hunger."

Um dieser Aussichtslosigkeit entgegenzuwirken, hat sich Edeltraud Achtern entschlossen, Lebensmittel zu organisieren, um in den Armenvierteln von Huanuco und in entlegenen Dörfern in den Anden den Ärmsten helfen zu können.

Edeltraut Achtern ist die Tochter der Etzelwanger Familie Irmgard und Eberhard Kaula. Edeltraud studierte Spanisch. Während ihres Studiums war ein Semester vorgesehen in einer Region mit Spanisch als Landessprache. Um dieser Forderung nachzukommen, entschied sich die junge Studentin für ein Hilfsprojekt in Peru. Sie vervollkommnete dort nicht nur ihre Spanischkenntnisse, sondern fand auch ihren Ehemann in diesem Land, in dem sie nun bereits seit 14 Jahren lebt. Zu ihrem Lebensunterhalt trägt sie mit Deutschkursen bei.

Über ihre freiwilligen Hilfeleistungen in entlegene Gebirgsdörfer in den Anden schickte sie folgenden Bericht, der hier auszugsweise wiedergegeben wird:

"Der Lockdown in Peru trifft die Ärmsten der Armen besonders hart. Viele von ihnen leben von der Hand in den Mund und können aufgrund der aktuellen Situation kein Geld verdienen, was auch bedeutet, dass sie kein Essen für ihre Familien kaufen können. Der Staat hat Mittel zur Verfügung gestellt, aber in der Realität kommen diese Mittel nicht an. Als Zeichen, dass in einem Haus Not herrscht, hängen die Bewohner eine weiße Fahne auf, dann können andere etwas Essen oder Geld vorbeibringen.

Deshalb stelle ich Lebensmittelpakete zusammen und bringe sie zu den Notleidenden. Wenn es in deren Möglichkeit steht, kommen sie selbst vorbei und holen sich Pakete ab, die sie dann zum Teil in ihren Tragetüchern auf dem Rücken nach Hause bringen. Die Lebensmittelpakete kosten circa 25 Euro. Ich sammle das Geld, bis ich für 24 Pakete einkaufen kann, und kaufe die Lebensmittel dann auf dem Großmarkt. Danach fülle ich sie in Ein- oder Zwei-Kilo-Päckchen um und stecke diese in große Reissäcke. Daran befestige ich einen kleinen Aufhänger, auf dem steht: ,Este es un regalo de tus amigos de Alemania = Das ist ein Geschenk von deinen Freunden aus Deutschland.' Wir bringen die Pakete mit einem geliehenen Pick-up zu den Familien.

Es gibt in Huanuco mehrere Armenviertel, die am Stadtrand liegen oder sich an den Berghängen hochziehen. Ich kenne verschiedene Personen, die in den unterschiedlichen Vierteln zum Beispiel ein Projekt mit Kindern haben oder ein Projekt mit behinderten Menschen leiten oder eine kleine Kirche in den Vierteln betreuen. Diese bitte ich, eine Liste mit den 12 oder 24 notleidendsten Familien zu erstellen. Für diese bereite ich die Lebensmittelpakete vor. Oftmals sind es auch ältere Menschen, die aus irgendeinem Grund keine Familienangehörigen haben, die sich um sie kümmern könnten.

Die Menschen sind sehr dankbar für die Hilfe. Ich freue mich besonders, wenn ich weiß, dass ein paar Kinder ihren Magen mit gehaltvollem Essen füllen konnten. Ich denke, ein Erwachsener kann den Hunger irgendwie überstehen. Aber wie kann eine Mutter ihren fünf hungrigen Kindern erklären, dass es heute wieder nichts zu essen gibt, wenn sie ihnen sagen muss, dass sie das alles ertragen müssen, damit sie nicht an einem Virus erkranken, wenn die Gefahr des Verhungerns eigentlich genauso groß ist?"

Auch andere Oberpfälzer haben in jüngster Zeit Erfahrungen in Peru gesammelt

Schwarzhofen
Edeltraud Achtern, geborene Kaula, in Etzelwang aufgewachsen, lebt jetzt in Peru. Sie organisiert für die Ärmsten Lebensmittelpakete.
Die Lebensmittelpakete werden auf einen geliehenen Pick-Up verladen und in die Armenviertel und die entlegenen Gebiete transportiert.
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