06.11.2019 - 11:00 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

Wer kennt Josef Oberberger?

Ein gebürtiger Etzenrichter, den in der heutigen Gemeinde wahrscheinlich kaum noch jemand kennt, wird am Freitag, 8. November, um 20 Uhr im Gasthaus Hermann vorgestellt: der Künstler Josef Oberberger (1905 bis 1994).

Josef Oberberger, ein gebürtiger Etzenrichter, wird am Freitag, 8. November, in Etzenricht ins Rampenlicht gerückt.
von Redaktion ONETZProfil

Die Münchner Kunsthistorikerin und Vorsitzende der Oberberger-Stiftung, Dr. Christl Karnehm, präsentiert dabei zunächst den Bildervortrag „Josef Oberberger als Glasmaler“, gefolgt von einem 30-minütigen biographischen Film, der den Maler bei der Arbeit im Atelier und vor allem an seinen Fenstern für den Regensburger Dom zeigt.

Oberberger wurde am 21. Dezember 1905 in Etzenricht als Sohn eines Reichsbahnangestellten geboren. Er übersiedelte schon als Kind mit seinen Eltern und Geschwistern nach Grass bei Regensburg. Dort ging er zur Schule, sang auch sechs Jahre lang bei den berühmten Domspatzen und begann schließlich 1921 eine Lehre als Glasmaler in der Hofglaserei Josef Schneider. Obwohl er schon als junger Mann erfolgreich verschiedene Kirchenfenster in der Oberpfalz, vor allem im Landkreis Tirschenreuth, aber auch in der Herz-Jesu-Kirche in Regensburg gestalten konnte, zog es ihn nach München zum Weiterstudium an der Akademie der Bildenden Künste. Er wurde Lieblingsschüler und enger Freund des norwegischen Zeichners Olaf Gulbransson. In dessen Kreis von Künstlerkollegen, die sich alle gern am Tegernsee aufhielten, fühlte er sich wohl: Schriftsteller Ludwig Thoma, die Kabarettisten Karl Valentin und Liesl Karlstadt, Karikaturistin Franziska Bilek und Architekten wie German Bestelmayer, Toni Roth und Sep Ruf.

Schon vor dem ZweitenWeltkrieg gestaltete Oberberger in der Kathedrale von Luxemburg und in den Domen zu Augsburg und Naumburg bedeutende Bildfenster. Als Soldat im 2. Weltkrieg lernte er die gotischen Fenster der Kathedralen von Paris, Chartres und Le Mans kennen. Nach den Kriegsjahren gelang ihm einerseits eine Karriere als Akademie-professor, der unzähligen Kunststudenten ein ebenso kritischer wie unterstützender Lehrer wurde, andererseits schuf er nach wie vor zahlreiche Glasfenster für das In- und Ausland. So kann man ihn zu Recht zu den führenden Glaskünstlern des 20. Jahrhunderts in Deutschland zählen. Daneben war Oberberger ein zeitlebens unermüdlicher Zeichner, vor allem von Personen seiner Umgebung. Treffsicher und pointiert gelang es ihm stets, die Charakterzüge seiner Protagonisten besonders herauszustellen. Auch mit Fresken, Mosaiken und Plakaten wurde er bekannt.

Zu seinen persönlichen Schaffenshöhepunkten wurden jedoch die Aufträge für den Regensburger Dom: zunächst drei hohe Fensterbahnen im Nordchor zwischen 1967/68, dann 1986/88 das große Pfingstfenster im Westen des nördlichen Querschiffs und als krönender Abschluss die 1982 begonnene und 1989 abge-schlossene Gestaltung der Obergadenfenster über den Seitenarkaden im Langhaus im Stil der Gotik. Zugleich einfühlsam und höchst kreativ gegenüber den architektonischen Gegebenheiten setz-te der Etzenrichter Glasmaler hier Maßstäbe, die noch lange Gültigkeit haben werden. Für sein Werk wurde der am 2. Dezember 1994 in Kreuth verstorbene Josef Oberberger mit dem Maximiliansorden für Bildende Kunst, dem Bayerischen Verdienstorden, dem Kulturpreis der Stadt Regensburg, dem Schwabinger Kunstpreis, dem Poetentaler und der Gul-branssonmedaille ausgezeichnet.

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