24.11.2020 - 10:16 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

Kiefernernte in der "Mördergrube" bei Etzenricht

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Die Baumstämme türmen sich im Waldgebiet zwischen Etzenricht und Kohlberg. Der Forstbetrieb Schnaittenbach hat hier sichtbare Lücken in den Kiefernwald geschlagen. Holz für die Industrie, und eine Chance für Jungpflanzen.

In der Waldabteilung "Mördergrube" zwischen Etzenricht und Kohlberg warten Tausende Kubikmeter Kiefernholz auf ihren Abtransport.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Auf einer Länge von fast einem Kilometer stapeln sich die Kiefernstämme entlang eines Forst- und Wanderwegs zwischen Etzenricht und Kohlberg. Sie mussten in der "Mördergrube" ihr Leben lassen - so der Name der Waldabteilung. Nach Größe, Stammumfang und Qualität sortiert und gebündelt, warten sie auf den Abtransport und ihre Weiterverarbeitung in verschiedenen Sägewerken in Bayern. Kiefernholz ist widerstandsfähig und lässt sich vielseitig als Bau- und Konstruktionsholz wie auch im Innenausbau einsetzen. "Rund 3000 Kubikmeter dürften da schon liegen", sagt Klaus Bichlmaier, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach und zuständig für den Staatswald auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Das Holz wurde in den vergangenen Wochen geschlagen.

Anspruchslose Kiefer

Das Waldgebiet liegt noch im sogenannten Weidener Becken. "Hier haben wir es vor allem mit nährstoffarmen und sandigen Böden zu tun. Der ideale Standort für die Kiefer. Die kommt damit am besten zurecht", erklärt der Forstexperte. Andere Baumarten hätten auf den vorherrschenden Böden kaum eine Chance. "Vielleicht mal ein paar Birken, aber Laubbäume wie zum Beispiel Buchen mögen es nährstoffreicher", sagt Bichlmaier.

Eine schonende Ernte sei Pflicht. "Wir haben große Vollerntemaschinen, sogenannte Harvester, im Einsatz. Die schneiden die Bäume und heben sie gleichzeitig aus dem Wald auf die Rückegasse. So werden die umstehenden Bäume geschont." Umfallende Stämme würden viel mehr kaputt machen. Durch die Ausdünnung hätten in der Folge Jungpflanzen eine bessere Chance, nachzuwachsen. Denn: Die Kiefer sei ein Lichtbaum.

Holzmarkt ächzt

Der aktuelle Holzeinschlag wirkt gewaltig, gehört aber zum Kerngeschäft der Bayerischen Staatsforsten. Gut 90 Prozent der Einnahmen werden mit dem Verkauf des ökologischen und nachwachsenden Rohstoffs Holz erzielt, heißt es auf der Homepage. Zunehmende Trockenperioden im Zuge des Klimawandels und Schädlinge wie der Borkenkäfer erschweren das Wirtschaften für alle Waldbesitzer. Das spiegelt sich im Holzmarkt wieder. "Im Moment ist extrem viel Holz auf dem Markt", sagt der Forstfachmann. Das drücke natürlich die Preise. Auch die Holzqualität, ein aufwendiger Erntevorgang, Abtransport und die Weiterverarbeitung (von Schnittholz bis zu Hackschnitzel) würden sich auf das Preisgefüge auswirken. Hinzu kämen die vertraglichen Bedingungen, die der Forstbetrieb mit seinen Kunden jedes Jahr neu verhandle.

"Vor wenigen Jahren sah das noch viel besser aus", sagt Bichlmaier. "Aktuell gibt es für den Kubikmeter Fichtenholz (Fixlänge) rund 80 Euro, für Kiefernholz etwas weniger. Reines Industrieholz liegt bei rund 30 Euro pro Kubikmeter. Für besseres Holz, das in die Papierindustrie geht, werden bis zu 50 Euro bezahlt."

Für die Kiefern aus dem Wald bei Etzenricht ist der Absatz gesichert. Hier kämen mehrere Sägewerke zum Zug. "Die dickeren, langen Stämme gehen zum Beispiel an Ziegler in Plößberg, vermutlich für Hausbauten, die kürzeren Stämme an Pfleiderer in Neumarkt, die vor allem Spanplatten für den Möbelbau herstellen", so der Forstexperte. Palettenklötze und Schnittholz produziere die Pfeifer Holz GmbH in Unterbernbach und schwächere Stämme verarbeite das Holz Centrum Regensburg zu Garten- und Verpackungsholz.

Blaues Holz

Die Unternehmen hätten nun Zeit, bis März 2021 das Holz abtransportieren. "Im Winter sei der Druck für alle nicht ganz so groß, ein Schädlingsbefall eher selten", sagt Bichlmaier. Trotzem sollten Nadelhözer nicht zu lange liegen. Denn sie werden gerne mal von Pilzen befallen, die das Holz unter anderem Blau färben können. Der Fachmann nennt es "Bläue". Ein rein optisches Problem. Das Holz könne trotzdem verwendet werden.

Neben der Waldbewirtschaftung beschäftigt die Forstbetriebe immer mehr die Zukunft der Wälder. "Der Borkenkäfer bedroht vor allem die Fichten. Doch noch viel mehr machen dem Nadelbaum Hitze und Trockenheit zu schaffen. Das macht uns angesichts eines fortschreitenden Klimawandels Sorgen. Nun sind wir hier in der Region von den Auswirkungen noch weitgehend verschont, aber auch wir müssen vorbereitet sein." Und so werde zum Beispiel bereits mit wärmeliebenden Baumarten wie Zedern oder Esskastanien experimentiert. "Da kommt noch viel Arbeit auf die Forstabteilungen zu", weiß Bichlmaier.

Bei Borkenkäferbefall schnell handeln

Vohenstrauß
Info:

Forstbetrieb Schnaittenbach

  • Der Forstbetrieb Schnaittenbach (Bayerische Staatsforsten) erstreckt sich vom Hessenreuther Wald über die Dolomitkuppen des Fränkischen Jura und die Granitausläufer des Oberpfälzer Waldes bis in die Moore des Weidener Beckens.
  • Die Fläche umfasst rund 24.000 Hektar Staatswald.
  • Bei der naturnahen Bewirtschaftung und Pflege dieses Waldgebietes werden jährlich ca. 130.000 Kubikmeter Holz geerntet, das im Wesentlichen an regionale Sägewerke abfließt.

 

 

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