06.09.2020 - 15:40 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Beim Borkenkäfer hilft nur schnelle und gute Zusammenarbeit

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Der Borkenkäfer bohrt sich kreuz und quer durch die Fichtenwälder der Oberpfalz. Im Kampf gegen den unermüdlichen Schädling bieten Forstexperten den betroffenen Waldbesitzern Hilfe an - auch finanzieller Art.

Behörde, Waldbesitzervereinigung und Waldbesitzer müssen eng zusammenarbeiten, um dem Borkenkäfer Paroli bieten zu können, von links: Forstdirektor Gerhard Hösl, Waldbesitzer Hans Gebert, WBV-Förster Andreas Eiser, Forstrevierleiter Stefan Stangl und WBV-Geschäftsführer Josef Maier.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Forstleute schlagen Alarm: Seit mehreren Wochen nehmen die Schäden durch Fichtenborkenkäfer im Zuständigkeitsbereich des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forst Weiden massiv zu. Forstdirektor Gerhard Hösl, Bereichsleiter der Behörde, und Forstamtmann Stefan Stangl, Leiter des Forstreviers Vohenstrauß, nehmen bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien die Waldbesitzer in die Pflicht.

Hösl: "Befallene Bäume müssen sofort gefällt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden." Dabei würden die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollgänge durch den Wald alle vier Wochen während der warmen Jahreszeit kaum ausreichen, schließlich mache der Käfer an der Grundstücksgrenze nicht Halt. Nur durch frühes Erkennen könne die Gefahr eingedämmt werden.

Förderung nur für befallene Bäume

Um geschädigte Waldbesitzer finanziell zumindest etwas zu unterstützen, fördert der Freistaat die "insektizidfreie Bekämpfung rindenbrütender Insekten". Stangl, der im Kampf gegen den Borkenkäfer auf die gute Zusammenarbeit mit der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß angewiesen ist, verweist darauf, dass es die Förderung nur für frisch vom Käfer befallene oder auch "fängische Bäume" wie zum Beispiel vom Wind geworfene Stämme gebe. Nicht unterstützt werde hingegen die Aufarbeitung alter "Käferskelette", bei denen die unliebsamen Insekten längst ausgeflogen sind.

Josef Maier, Geschäftsführer der Walbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß, erklärt, dass die Böden in der Tiefe weiterhin stark ausgetrocknet sind. Flachwurzelnde Fichten seien somit leichte Beute für Buchdrucker und Kupferstecher. Stangl ergänzt: "Das derzeitige frühherbstliche Wetter hilft uns natürlich, von Entwarnung kann aber leider keine Rede sein. Der Käfer ist noch mehrere Wochen aktiv." Die Schädlinge überwintern zunehmend auch in der Bodenstreu und sind dann nicht mehr bekämpfbar. Deshalb sollten befallene Bäume auch bei sinkenden Temperaturen möglichst schnell aus dem Wald verbracht werden - noch bevor die Rinde abfällt.

Auch beim Wald: Die Mischungs macht's

Vohenstrauß

Kontrolle sehr wichtig

Im Waldgebiet von Hans Gebert bei Weißenstein (Pleystein) hatten die emsigen, kleinen Biester ganze Arbeit geleistet. Der Waldbauer reagierte laut Hösl vorbildlich: Nachdem er bei einer routinemäßigen Kontrolle seines Waldes den Befall entdeckt hatte, informierte er die WBV und den Forstrevierleiter. Er machte sich selbst an die Arbeit und entfernte das befallene Holz. Schon 2019 hatte Gebert die ungebetenen Gäste aus seinem Wald geschafft. Im Frühjahr 2020 pflanzte er an diesen Stellen dann klimatolerantere Tannen.

Für seinen Einsatz bekam Gebert über die Beteiligung an einem Sammelantrag der WBV die Förderung. Hilfestellung bietet hier die WBV, bei der sich Waldbesitzer, deren Schadmengen unter der Bagatellgrenze liegen, auch an einem Sammelantrag beteiligen können. Was sagt der Waldbesitzer zu dem finanziellen Anreiz? Gebert: "Die Förderung ist wichtig und richtig. Natürlich nehmen wir sie gerne an. Aber sie kann den schlechten Holzpreis nicht ausgleichen."

Fördersätze erhöht

Nachdem die Sägewerke derzeit total überlastet sind, müsse das Käferholz laut Stangl zwischengelagert werden. Nach Angaben von WBV-Förster Andreas Eiser wurden im vergangenen Jahr 3500 Festmeter Käferholz auf insgesamt 27 anerkannten Lagerplätzen (darunter das Vohenstraußer Heizwerk) zwischengeparkt. Die WBV-Mitglieder erhielten 2019 rund 35 000 Euro vom Freistaat. Im gesamten Amtsbereich fielen rund 100 000 Festmeter Schadholz an. Etwa 60 000 Euro wurden für die insektizidfreie Bekämpfung ausbezahlt. Die aktuellen Fördersätze variieren je nach Maßnahme zwischen fünf und 20 Euro pro Festmeter. Bei der Antragstellung hilft auch der betreffende Revierförster, der im Internet über www.foersterfinder.de ganz leicht zu finden ist.

WBV-Geschäftsführer Maier weist darauf hin, dass die erforderlichen Maßnahmen auch an Dienstleister vergeben werden können. Laut Stangl sei bei der Aufarbeitung von Käferholz Vorsicht geboten. Manche Waldbesitzer hätten nicht die geeignete Ausrüstung, zu wenig Fachwissen oder schlicht keine Zeit. "Notfalls sollte man die Arbeiten von Profis erledigen lassen." Bei Fällarbeiten entlang von Straßen oder Versorgungsleitungen müssten unbedingt entsprechende Genehmigungen eingeholt werden.

Andere Regionen sind noch stärker betroffen

Bayern

Mischbestände das Ziel

"Ganz wichtig ist bei all diesen Maßnahmen das Prinzip der sauberen Waldwirtschaft", gibt Hösl zu bedenken. Das bedeute, dass möglichst wenig Brutmaterial vorhanden ist. Man müsse langfristig denken und bei der Wiederaufforstung klimatolerantere Baumarten wählen, um den Wald weniger anfällig zu gestalten. Maier bringt das Problem auf den Punkt, klingt dabei jedoch nicht besonders euphorisch: "Wir Waldbesitzer müssen angesichts des schlechten Holzpreises wenigstens in den Schadflächen auf andere Baumarten setzten und eine Mischung reinbringen. Wir müssen es versuchen. Aber auch wenn wir nach bestem Wissen und Gewissen handeln - es gibt leider für nichts mehr eine Garantie."

Die weißen Larven fressen sich durch die Rinde. Der Baum ist nicht mehr zu retten und muss schleunigst aus dem Wald entfernt werden, bevor der Käfer das nächste Ziel ansteuert.
Braunes Bohrmehl ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass der Baum vom Borkenkäfer befallen ist. Der Waldbesitzer muss handeln und alle betroffenen Bäume schnell aus dem Wald schaffen.
Am Heizwerk in Vohenstrauß wird Käferholz der Waldbesitzervereinigung Eslarn-Vohenstrauß zwischengelagert bis es zum Sägewerk transportiert werden kann.
Hintergrund:

Merkmale für Borkenkäferbefall

  • braunes Bohrmehl an Stammfuß oder Rinde
  • Nadelverfärbung (fahlgrün oder rötlich)
  • Nadelabfall
  • verstärkter Harzfluss
  • Spechtabschläge an der Rinde
Im Blickpunkt:

Mögliche Maßnahmen

  • unverzügliche Abfuhr ins Sägewerk
  • Verbringen auf anerkannte Zwischenlager (mit mindestens 500 Meter Abstand zum nächsten Nadelwald)
  • Häckseln
  • Entrinden händisch oder maschinell (bei Käfer im Larvenstadium)
  • Abdecken mit dichter Folie
  • Auch Eigenverwertung des Holzes ist möglich

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