04.12.2020 - 15:21 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

Ludwig Meier, ein Mann mit Herz und Verstand

In den 32 Jahren seines unermüdlichen Einsatzes für das Dorf hat Ludwig Meier maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Etzenricht zu dem wurde, was es jetzt ist. Am 5. Dezember wäre der langjährige Bürgermeister 100 Jahre alt geworden.

von Autor WLRProfil

Als der gebürtige Beckendorfer im Jahr 1946 in Etzenricht in den Richterhof ein- und die Zeiler Lisl heiratete, war ihm wahrscheinlich noch nicht bewusst, wie sein Idealismus und Tatendrang den Ort einmal prägen würde.

Im Haupterwerb bewirtschaftete Ludwig Meier ein Sägewerk in Kohlberg/Schlemm und wurde als erst 32-Jähriger von den Etzenrichtern zum 1. Bürgermeister gewählt. Damit hatte das Dorf einen Mann an der Spitze, der die Geschicke 32 Jahre lang in der Hand hatte und alles versuchte, sein Dorf nach vorne zu bringen.

Bürgermeister nach der Gemeindetrennung

Bei den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 1952 – nach der Abtrennung von Weiherhammer als eigene Gemeinde – kandidierte Ludwig Meier, der seit 1948 CSU-Mitglied war, als Bürgermeister für den „Parteilosen Wählerblock“. Dieser vereinte Einheimische und Heimatvertriebene. Bei 8000 DM Startkapital für die junge Gemeinde umfasste der erste Haushaltsplan 45.000 DM. Mutig wurde noch im Dezember 1952 ein Schulhausneubau beschlossen. Der nötige Baugrund stammte überwiegend aus dem Besitz seiner Frau Lisl Meier und kostete 1,21 DM pro Quadratmeter. Bereits am 29. August 1953 konnte das neue Schulhaus (Gesamtkosten 220.000 DM) „für beide Konfessionsschulen“ am Südhang des Kirchbergs eingeweiht werden. Die Aufwandsentschädigung für den Bürgermeister betrug damals 100 DM monatlich.

Wasserleitung und Dorfbachverrohrung

Nach der Wiederwahl 1956 – nun auf einer eigenen CSU-Liste – stand zuerst der Ausbau der noch ungeteerten Dorfstraße an und dafür wurde 1958 der bis dahin offen verlaufende Dorfbach verrohrt. Nachdem die Haidenaabbrücke bereits 1957 erneuert worden war, folgte 1960 die Kanalisation und der Ausbau der Staatsstraße 2238 bis zum Südrand des Ortsteils Radschin. Eine gemeindliche Wasserversorgung im Dorf entstand 1960 durch Übernahme der privaten Wasserbezugsgenossenschaft, das Graben eines 25 Meter tiefen Brunnens und der Bau eines Hochbehälters. In diesem Jahr wurde Meier außerdem zum dritten Mal in seinem Amt bestätigt. Gleichzeitig wurden für die CSU Ludwig Meier und Georg Schwemmer in den Kreistag gewählt. Im Frühjahr 1962 gab der erste Bebauungsplan für den Ortsteil Radschin den Startschuss für größere Bebauungsmöglichkeiten im damals nur aus wenigen Häusern bestehenden Ortsteil südlich der Haidenaab. Durch die Wasserleitungserweiterung wurden die bis dahin üblichen Hausbrunnen im Ortsteil Radschin abgelöst. Gleichzeitig errichtete, auf stetes Betreiben Meiers hin, das Landkreissiedlungswerk entlang der späteren Gartenstraße acht Kauf-Eigenheime und vier Mietwohnungen.

Rathaus-Neubau und erstes Bierfest

Ab 1962 wurden durch den Kreisbautrupp nacheinander die Bahnhofstraße, der Brunnenweg, der Bergweg, der Kirchplatz einschließlich Kirchwinkel, der Schulweg und der Weg zum Kirchberg geteert und teilweise die Kanalisation mit verlegt. Dabei musste die Gemeinde immer nur das Material bezahlen. Nach zweijähriger Planungs- und Bauzeit konnte am 20. August 1966 das neue Rathaus mit Garagen für die Feuerwehr, Sitzungssaal, Lehrer-Dienstwohnung und Zweigstelle der Genossenschaftsbank eingeweiht werden. Es kostete 220.000 DM – so viel wie im Folgejahr die Kanalisation für den Ortsteil Radschin.

Zu diesem Anlass wurde die Tradition des Etzenrichter Bierfests begründet. Damals war das 10-tägige Fest eines der größten im ganzen Landkreis, zu dem einmal sogar Franz Josef Strauß als Gast begrüßt werden konnte.

Die vierte Wiederwahl als Bürgermeister war in diesem Jahr fast selbstverständlich. Wegen seiner großen Verdienste im Wohnungsbau und als Dank für die stete Förderung der Gemeinde und Unterstützung Ludwig Meiers, wurde Landrat Christian Kreuzer am 13. Dezember 1967 zum Ehrenbürger ernannt.

Landrat Christian Kreuzer: Eine Bilanz

Patenschaft und Vereinsförderung

Im Juli des Jahres 1968 wurde beim Bierfest die bis heute bestehende Patenschaft mit der Südtiroler Gemeinde Algund besiegelt. Ludwig Meier und Hans Gamper waren die Gründungsväter der Partnerschaft, aus der über die Jahre zahlreiche Freundschaften erwuchsen.

Das Baugebiet „Schustergasse“ entstand 1969 mit wesentlicher Unterstützung durch das Landkreissiedlungswerk, das mehr als ein Dutzend der dortigen Neubauten betreute. In der Folge förderte Meier verstärkt das Etzenrichter Vereinsleben. Als Initiator für die Gründung der Schützengesellschaft 1969 wurde er auch deren erster Schützenmeister. In den folgenden Jahren gab er auch die Anstöße für die Gründung der ADAC-Gruppe, des Oberpfälzer Waldvereins, des Tennisclubs und der Blaskapelle. Gleichzeitig feierten alle Vereine ihre Jubiläen im Rahmen der Bierfestwoche und profitierten von dieser Gemeinschaft auch finanziell. Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Gemeinde wurde 1970 erstmals ein Wappen geschaffen.

Wassernot und Schulhauserweiterung

Auch bei der Kommunalwahl 1972 war die Wiederwahl als Bürgermeister kein Problem. Vor Ort war nun die Wassernot durch Nachlassen des Tiefbrunnens zu meistern. Während zwei vergeblicher Tiefbohrungen pumpte die Feuerwehr bis in den Winter hinein Wasser vom Hochbehälter des Hüttenwerks nach Etzenricht. Der Anschluss an die Steinwaldgruppe löste dann dieses Problem. Nach der Bildung der Verwaltungsgemeinschaft mit Kohlberg, Weiherhammer und Mantel im Juni 1976 wurde die Erweiterung des Schulhauses und der Neubau der Turnhalle in Angriff genommen. Den Allwetterplatz konnte auch der neu gegründete Tennisclub nutzen. Im Jahr 1977 konnte Ludwig Meier sein 25jähriges Dienstjubiläum feiern und wurde zudem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bei der Einweihung des renovierten Schulhauses 1978 war er bereits zum sechsten Mal wiedergewählt worden.

Kläranlage, Bauhof und Baugebiete

Die nach eigener Überzeugung letzte Wahlperiode sollte nicht einfach ausklingen: Der Bau der Kläranlage und dafür der Anschluss des Ortsteils Radschin durch ein Abwasser-Hebewerk wurde ab 1979 geplant. Bis zur Einweihung am 15. Juli 1983 wurden in mehreren Bauabschnitten einige Ortskanäle, der Hauptsammler zur mechanisch-biologischen Kläranlage und der Ablaufkanal zur Haidenaab erstellt. Dabei war von Vorteil, dass die Gemeindeverbindungsstraße nach Sperlhammer in den Jahren zuvor wenigstens bis zur Gemeindegrenze ausgebaut war. Im Baugebiet Algunder Weg erfolgte in dieser Zeit die endgültige Fertigstellung der Straßen und für das Baugebiet „Am Wassergraben“ die Planung. Dort standen ab 1981 an der Ostseite der Kohlberger Straße wieder Bauplätze zur Verfügung und erlaubten nicht zuletzt die Ansiedlung einer Arztpraxis. Ein kleiner Bauhof mit Streusalzlager für das erste Gemeindefahrzeug fand neben der Eisenbahnunterführung Platz.

Weiterer Einsatz fürs Ehrenamt

Nicht unmittelbar nach der Beendigung seiner 32-jährigen Tätigkeit als Bürgermeister Etzenrichts, sondern erst 1990 beschloss der Gemeinderat, Ludwig Meier in Anerkennung seiner unermüdlichen, bürgernahen und idealistischen Einstellung der Gemeinde gegenüber, ihn die Auszeichnung der Ehrenbürgerschaft zu erteilen. Die Volksschule wurde nach ihm benannt. Im (ehemals gemeinnützigen) Landkreissiedlungswerk war Meier schon seit 1965 im Aufsichtsrat, von 1977 bis 1990 Aufsichtsratsvorsitzender und danach bis 1999 im Vorstand tätig.

Die Gemeinde Etzenricht vollzog in den Jahren, in denen Bürgermeister Meier im Amt war, eine Wandlung von der Nachkriegszeit in die Moderne. Bei all dem Tatendrang für die Gemeinde hielt ihm stets seine Frau den Rücken frei. Meiers Leitbild war die Ver­söhnung aller Menschen und dass es ihnen gut geht. Das war es, was ihn antrieb und ihm wirklich am Herzen lag. Am 7. März 2003 verstarb Ludwig Meier und wurde auf seinem letzten Weg von zahlreichen Bürgern und Weggefährten begleitet.

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