13.06.2021 - 13:09 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Hohe Auszeichnung für "denkenden Roboter" aus der Oberpfalz

Die IGZ Falkenberg setzt bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) den Maßstab: Für einen „denkenden“ Roboter erhält der Mittelständler den bundesweit höchsten Preis seiner Kategorie unter 680 Bewerbungen.

Die IGZ Falkenberg hat eine Auszeichnung erhalten.
von Clemens FüttererProfil

Die Softwareschmiede IGZ hat das Potenzial, die internationale Logistik-Branche nachhaltig zu verändern. Zu dieser Einschätzung kommt eine hochkarätige Jury. Sie ehrt die Oberpfälzer mit dem jährlich vergebenen "German Innovation Award" in Gold der Kategorie "Logistics & Infrastructure". Hinter der Auszeichnung steht ein etwa 100 Kilogramm schwerer und zwei Meter hoher Roboter namens "Luke2". Drei Jahre lang tüftelte das Forschungs- und Entwicklungsteam der IGZ in den beiden Standorten Falkenberg und Erbendorf (beide Kreis Tirschenreuth) an der Entwicklung bis zur Serienreife.

Johann Zrenner, geschäftsführender Gesellschafter der IGZ, verweist im Gespräch mit Oberpfalz-Medien darauf, dass in der Logistik-Branche noch viel per Hand und Muskelkraft kommissioniert wird. Dabei veränderte sich das Verhalten der Kunden, beschleunigt vor allem durch die Corona-Pandemie. "Die Leute ordern online immer häufiger und in kleineren Einheiten. Das heißt: Die Zahl der Bestellungen und damit der Aufwand für die Kommissionierung steigen", betont Zrenner. Die Lieferzeiten werden immer rasanter.

Der Druck auf die Unternehmen wächst. Zunehmend wird in zwei oder drei Schichten rund um die Uhr, auch nachts gearbeitet. Egal, ob unter der Woche oder am Sonntag. Damit einher geht das Problem des Personalbedarfs.

Die Antwort auf die Herausforderungen kommt aus dem kleinen Markt Falkenberg, der ansonsten für Zoigl und die markante Burg bekannt ist. Die IGZ hat unter der Verantwortung der Projektleiter Sebastian Feiler und Peter Burger mit "Luke2" einen mobilen, selbstlernenden Roboter entwickelt, der in bestehende Logistikzentren integriert werden kann. Die Konstruktion kann mittels Bilderkennungs- und -verarbeitungssoftware sekundenschnell erfassen, ob es sich bei der Ware um eine Blisterverpackung, Textilien oder einen Karton mit Dübel handelt - und mit welchem exakten "Griff" die einzelnen Teile für die Kommissionierung optimal gegriffen oder gesaugt werden. Zrenner: "Der Roboter ist ein lebendiges Beispiel für den praktischen Einsatz Künstlicher Intelligenz." Der Kommissionier-Roboter soll als "smarte Lösung" weltweit überall dort zum Einsatz kommen, "wo Arbeitskräfte für einfache, monotone Tätigkeiten nur schwer zu bekommen sind". Zrenner erwartet eine Amortisation der rund 250 000 Euro teuren Anschaffung innerhalb von zwei bis drei Jahren, je nach Schichtbetrieb.

"Für die IGZ ist die Auszeichnung Bestätigung und Antrieb zugleich. Bestätigung, weil wir belegen konnten, dass in der nördlichen Oberpfalz Entwicklungen stattfinden, die das Zeug haben, Märkte nachhaltig zu verändern. Und Antrieb, um Entwicklungen auch künftig voranzubringen, die den Kunden einen nachhaltigen Nutzen bringen", meint Zrenner. 

Beispiel für Künstliche Intelligenz

Auf diesem Feld - mit dem Fokus auf die Künstliche Intelligenz - pflegt die IGZ eine intensive Zusammenarbeit unter anderem mit der OTH Amberg-Weiden. Vor wenigen Jahren stiftete die IGZ der Hochschule auch eine Ingenieurstelle. Der Mittelständler zählt inzwischen mehr als 500 Mitarbeiter und expandiert kontinuierlich mit einem Umsatzwachstum von 10 bis 15 Prozent im Jahr.

Zrenner schließt aufgrund der neuen Technologien und zunehmendem Personalmangel künftig "blutleere" Logistikzentren (also weitgehend ohne Mitarbeiter) nicht aus. "Robotik ist definitiv eine zukunftsweisende neue Technologie. Sie wird die Intralogistik nachhaltig verändern", meint er.

Bei der Kommissionierung von Kleinteilen spielten mobile Roboter bisher eher eine Nebenrolle. Die als bahnbrechend geltende, kompakte Neuentwicklung der IGZ wird mit nur einem Kabel angeschlossen und kann - mit dem gleichen Platzbedarf - die Tätigkeiten eines Kommissionier-Werkers komplett übernehmen. "Luke2" kann in nur einer Minute an einen Arbeitsplatz geschoben und aktiviert werden. Nach Angaben der IGZ ist "Luke2" der einzige Kommissionier-Roboter, der einfach, ergänzend oder im Wechsel mit dem Menschen einsetzbar ist. Der "Oberpfälzer" Roboter ist beliebig skalierbar und schafft pro Gerät eine Leistung von bis zu 550 Picks (Griffen) in der Stunde - bei "höchster Kommissionier-Sicherheit" ermüdungsfrei an 365 Tagen im Jahr bei 24 Stunden täglichem Betrieb.

Die Mitarbeiter erster Stunde sind für ihr Engagement geehrt worden

Falkenberg

Zusammenarbeit mit der OTH

Die IGZ sieht als Zielgruppe alle automatisierten Logistik- und Versandzentren weltweit für die Kommissionierung von Einzelstücken mit einem Gewicht von bis zu 5,5 Kilogramm.  Die IGZ investiert seit mehreren Jahren in Lösungen für den Einsatz von KI, Machine Learning und Cognitive Robotics in Logistikprozessen. Messlatte sind dabei "zusätzlicher Nutzen und Effizienz für unsere Kunden". Die Resonanz am Markt für den neuen Roboter sei sehr gut. "Die Zeit wird zeigen, ob es ein eigenes Geschäftsfeld in der IGZ wird", so Zrenner.

Eigenes Geschäftsfeld möglich

„Der Roboter ist ein lebendiges Beispiel für den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz“, sagt Johann Zrenner, geschäftsführender Gesellschafter der Firma IGZ.
Logistikzentren in aller Welt können den „Oberpfälzer“ Roboter einfach nachrüsten. Die Investition soll sich innerhalb von nur zwei bis drei Jahren rechnen. Bild: IGZ
Hintergrund:

Das ist IGZ

  • 1999: Gründung am Standort Falkenberg durch die Ingenieure Wolfgang Gropengiesser und Johann Zrenner als hochspezialisierte Dienstleiter in der Lagerlogistik für SAP-Kunden.
  • 2000: Zehn feste Mitarbeiter
  • 2005: Die zweite "Softwarescheune" entsteht in Falkenberg. 50 Mitarbeiter
  • 2010: Schon zum zweiten Mal unter "Bayerns Best 50" Unternehmen 120 Mitarbeiter
  • 2014: Erweiterung bei IGZ Automation in Erbendorf (seit 2011). Insgesamt 300 Mitarbeiter
  • 2018: Nächste Erweiterung in Erbendorf 350 Mitarbeiter
  • 2020: Über 500 festangestellte Mitarbeiter. Erweiterung durch die bereits fünfte Softwarescheune in Falkenberg

 

 

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