22.07.2020 - 16:39 Uhr
FensterbachOberpfalz

Wie Godelmann Dieselfahrverbote verhindern könnte

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In der ganzen Region und auf dem halben Kontinent liegt Pflaster aus der Oberpfalz. Godelmann aus Fensterbach hat es an die Spitze ihrer Branche geschafft. Mit maßgefertigten Edel-Steinen und ausgetüftelten Öko-Steinen.

Geschäftsführer Bernhard Godelmann zeigt einen "Klimastein".
von Julian Trager Kontakt Profil

Der Kirchplatz in Dürnsricht und die Hamburger Reeperbahn haben eins gemeinsam. Genau wie der neue, immer noch nicht fertige Berliner Flughafen, die Zentrale des FC Bayern München an der Säbener Straße oder die Große Marktstraße im Zentrum von Den Haag. An all diesen Orten liegen Pflastersteine aus der Oberpfalz. Die Firma Godelmann produziert die Steine in ihrer Heimat Fensterbach (Kreis Schwandorf) - und lässt damit nicht nur die Region, sondern auch halb Europa zupflastern. Wahrscheinlich ist schon jeder Oberpfälzer einmal über Godelmann-Pflaster gelaufen.

Dazu bastelt das Unternehmen auch an einem neuen, nachhaltigen Stein-Zeitalter. Im nächsten Jahr soll ein neues Produkt auf den Markt kommen, der "Klimastein", wie er intern mangels offizieller Bezeichnung noch genannt wird. Der Stein soll Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugen und 50 Prozent davon an die Luft zurückzugeben, über Verdunstung. "Das klingt jetzt saublöd, aber es ist halt so", sagt Geschäftsführer Bernhard Godelmann, "das Pflastersystem hat verdunstungsmäßig die gleichen Eigenschaften wie eine Wiese."

Hoffnung für Mainz

Für Städte, die nicht einfach Grünflächen in ihren Fußgängerzonen platzieren können, eine interessante Sache. "Urban Heating", die Erwärmung der Städte durch zu viel Beton, ist gerade ein großes Thema bei Stadtplanern, Behörden. "Da finden wir super Anklang", sagt der Geschäftsführer. Schon jetzt lassen die Godelmann-Pflastersysteme das Regenwasser versickern - und zwar sauber, weil die Steine die Schwermetalle, die Reifen, Bremsen und Motoröl hinterlassen, herausfiltern. Vor 20 Jahren war das einzigartig.

Heute schielt die Firma auch auf die Städte mit zu viel Verkehr, in denen Dieselfahrverbote drohen, wie in Mainz, wegen zu hoher Stickoxid-Werte. Die Belastung kann man auch mit Pflastersteinen reduzieren, in dem man Titandioxid in den Beton mischt, erklärt Godelmann. So werde Stickoxid in Nitrat umgewandelt. Viele Städte würden vermehrt darauf setzen. "Da sind wir auch Vorreiter", sagt Godelmann, dessen Firma seit fünf Jahren CO2-frei produziert. Zukünftig soll auch die ganze Lastwagenflotte nur noch mit Gas betrieben werden.

"Wir machen das nicht, weil das Thema gerade sexy ist, sondern weil das unsere Überzeugung ist", betont Godelmann. Seit 40 Jahren ist das Betonsteinwerk nun in Fensterbach beheimatet, seitdem hat den Standort "kein Gramm Abfall" verlassen. Godelmann recycelt den Ausschuss.

Spiel mit Sand, Splitt und Glas

Wie hat es die Firma an die Spitze geschafft? Die Konkurrenz ist ja nicht gerade klein, alleine in Deutschland gibt es Hunderte Betonsteinwerke. Bernhard Godelmann sitzt im Konferenzraum im ersten Stock des Bürogebäudes auf dem 30 Hektar großen Firmengelände an der Grenze zum Kreis Amberg-Sulzbach. Er lächelt, als ihm die Frage gestellt wird. Die knappe Antwort: "Das Produkt." Dann holt er doch noch etwas aus.

Godelmann bezeichnet sein Unternehmen als "Premium-Hersteller". Es produziert neben den Ökosteinen auch großformatige, an der Oberfläche veredelte Pflastersteine, die aus verschiedensten Natursteinen zusammengemischt sind. Wie ein Koch mit den Gewürzen spielt, tüftelt die acht Mann starke Entwicklungsabteilung bei Godelmann mit verschiedenen Materialien wie Sand, Splitt oder Glas und kreiert neue Steine. Mehr als 3000 solcher Rezepte hat die Fensterbacher Firma mittlerweile im Angebot. "Weil die Steine so speziell sind, liefern wie sie nach Hamburg, Berlin oder Paris", sagt Bernhard Godelmann. "Überall, wo bei Design und Gestaltung etwas Besonderes gewünscht wird, landen dann Pflastersteine aus der Oberpfalz."

Wie eben auf der Reeperbahn. Dafür hat Godelmann mit den Architekten und der Stadt Hamburg eine rötliche Pflaster-Oberfläche entwickelt, oben angeschliffen, mit viel rotem Granit - nie wird künstlich gefärbt. "Abends spiegeln sich dann die roten Lichter aus den Fenstern in der Oberfläche des Pflasters", erklärt der Geschäftsführer und klingt stolz. "Zwischen uns hier in Fensterbach und Hamburg gibt's 50 andere Betonwerke, aber die machen halt nur Standard, und die Qualität ist halt auch anders", sagt er. Godelmann kann es spezieller, maßgeschneiderter. "Wir haben mittlerweile den Ruf, dass wir bei solchen Aufträgen zum Zug kommen." Der Firmen-Slogan lautet: "Die Stein-Erfinder."

Mitarbeiterzahl verdoppelt

Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen, die Mitarbeiterzahl liegt bei etwa 430. Das sind doppelt so viele wie noch 2015. Am Anfang, vor 73 Jahren, waren es mit Gründer Karl Godelmann sechs. Wie viel Umsatz die Firma macht, möchte Bernhard Godelmann nicht sagen. Vielmehr möchte er über die Auszeichnungen sprechen, die sein Familienunternehmen in letzter Zeit erhalten hat. Unter anderem ein Preis für Nachhaltigkeit. "Das ist einzigartig für ein Betonwerk", sagt Godelmann, der seit zehn Jahren das operative Geschäft alleine verantwortet.

Draußen auf dem Werksgelände ist es naturgemäß laut und staubig. Ein Laster rollt an gelben, roten, beigen Sandbergen vorbei, Zutaten für die 3000 Stein-Rezepte. Überall lagern Pflastersteine, links, rechts, fünf, sechs Meter hoch. Die Steine warten auf ihre Auslieferung, auf kleinen Zetteln stehen die Zielorte. Auf dem einen steht Kümmersbruck, auf dem anderen Bozen.

Godelmann baut Gastankstelle für ihre Lastwagen

Fensterbach

Auszeichnung für Godelmann

Högling Gemeinde Fensterbach
Keine Coronakrise bei Godelmann:

„Wir sind im positiven Sinn betroffen“, sagt Geschäftsführer Bernhard Godelmann über die Coronakrise. „Wir haben ein sehr gutes Frühjahr hinter uns.“ Die Firma beantragte keine Kurzarbeit. Die eingeschränkte Reisemöglichkeit hätte wohl die Leute dazu bewegt, sich daheim um das kümmern, was sie schon lange mal machen wollten. Etwa Garten oder Pflaster erneuern. „Es kann aber sein, dass jetzt so viel gemacht wurde, dass wir irgendwann nächstes Jahr eine Delle haben.“ Die Gefahr, dass finanziell stark belastete Kommunen plötzlich Aufträge zurückziehen oder verschieben, sei durchaus da. Aber bisher sei das noch nicht vorgekommen.

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