29.04.2021 - 08:43 Uhr
FichtelbergOberpfalz

Vor 50 Jahren: Entdeckung der Zauberwelt des Gleißinger Fels

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Dank eines Forscherteams wurde der Gleißinger Fels zu einem Besucherbergwerk. Vor 50 Jahren stieg es zum ersten Mal hinab in die Tiefe. Albert Lichtblau aus Fichtelberg war damals dabei. Er erinnert sich an das Abenteuer.

Das Team, das den Gleißinger Fels erforscht hat (von links): Armin Hofmann, Manfred Reichenberger, Albert Lichtblau und Anton Specht.
von Gisela KuhbandnerProfil

Der älteste Erwerbszweig im Fichtelgebirge ist der Bergbau, der - wie zahlreiche Fundorte beweisen - schon in prähistorischer Zeit betrieben wurde. Einer Sage nach soll sogar Siegfried sein Schwert aus (damals) oberpfälzischem Erz geschmiedet haben.

Im Besucherbergwerk Gleißinger Fels, dessen Anlage über Tage derzeit großzügig aus- und angebaut sowie modernisiert wird, kann man bei einer spannenden Reise in die Vergangenheit auf Spurensuche gehen: in die Unterwelt des wuchtigen Ochsenkopfmassivs, durch uralte handgeschlagene Stollen, in schwindelerregende Höhen und gruselige Tiefen, staunen angesichts der vielen glänzenden, funkelnden, gleißenden Schätze. Und das dank eines rührigen Forscherteams aus Fichtelberg und Neubau, das vor genau 50 Jahren in das geschlossene Bergwerk einstieg, Gänge und Stollen erkundete, vermaß und fotografierte.

Gründung eines Forscherteams

Nach dem Krieg war das Bergwerk immer mehr in Vergessenheit geraten. Die Menschen hatten andere Sorgen. Erst 20 Jahre später rückte der Gleißinger Fels wieder in das Interesse der Öffentlichkeit. Immer wieder sprach man von der Schaffung landschaftstypischer Fremdenverkehrsattraktionen und in diesem Zusammenhang auch von der Wiedereröffnung alter Bergwerksstollen.

Genaue Lagekenntnisse waren aber nicht vorhanden. Von diesem Bestreben angeregt, gründete sich in Eigeninitiative im Frühjahr 1971 ein Forscherteam, bestehend aus Armin Hofmann aus Neubau (verstorben 2019), dem Fichtelberger Albert Lichtblau und Anton Specht aus Neubau (verstorben 2004): Drei Männer, erfahrene Bergsteiger, die sich bei vielen Alpentouren Kletterkenntnisse erworben und unter anderem sogar den Mont Blanc bestiegen hatten, sowie der damalige Kreisheimatpfleger Manfred Reichenberger aus Fichtelberg (verstorben 1983), der Schreibung und Messung übernahm, gingen das Wagnis planvoll an.

„Nicht reine Abenteuerlust, eher die Lust zum Wiederentdecken, trieb uns zu diesem Unternehmen. Auch das Interesse an der Heimatgeschichte spielte eine große Rolle“, erzählt Albert Lichtblau heute. Er ist der einzige noch Lebende aus dem damaligen Team und war jahrelang Heimatforscher sowie Chronist der Fichtelgebirgsgemeinde.

„Weil die ehemaligen Stolleneingänge verschüttet waren, seilten wir uns in einem engen Luftschacht etwa 200 Meter oberhalb des jetzigen Besucherbergwerks in den Jahren 1971/72 insgesamt 22 Mal 52 Meter in die Tiefe ab“, erinnert sich Lichtblau. „Mehr rutschend als laufend glitten wir in den Berg. Steinschlag, unterirdisches Wasser, glitschiger Fels, lebensbedrohender Sauerstoffmangel machten jeden Einstieg zu einem Risiko.“ Diese Fakten sind auch in der Chronik „Heimat im obersten Fichtelnaabtal“ (Band I) dokumentiert, die Lichtblau mit dem 2020 verstorbenen Horst Pecher und Armin Hofmann verfasst hat.

In Abend- und Nachtstunden geforscht

„Aus zeitlichen Gründen und zum Schutz vor neugierigen Blicken forschten wir in den Abend- und Nachtstunden", berichtet Lichtblau, der noch unzählige Dias in seinem Archiv hat. „Und uns tat sich im Schein der Grubenlampen in dieser Unterwelt eine Zauberwelt auf, schimmernde Stollenwände, einzelne Seen, dunkle Schächte, pilzartige Gewächse, modernde Holzstützen, schwere Eisentüren und vieles mehr“, erinnert sich Lichtblau, als ob das Unternehmen gestern gewesen wäre.

„Nach wochenlanger Arbeit war endlich das Wesentliche festgehalten. Man fühlte sich eins mit Quarz- und Granitwänden, hatte sich an das Poltern der Steinschläge, das monotone Plätschern des Bergwassers gewöhnt. Man sah das Sterben des faulen Gesteins, die modernden Eingeweide eines durchwühlten und ausgehöhlten Bergs und witterte förmlich die täglich zunehmenden Gefahren ... und bewunderte abschließend noch einmal den Mut, den Fleiß und das Können unserer namentlich längst vergessenen Vorfahren, die vor Jahrhunderten im erzenen Bauch des Ochsenkopfes ihr tägliches Brot unter heute unvorstellbaren Arbeitsbedingungen den gewinnversprechenden Eingeweiden des uralten Vichtelbergs abrangen. Und man glaubte, das zuckende Hämmern von Keilhaue, Pickel und Bohrer zu vernehmen.“ Diese und weitere Passagen zitiert die Chronik aus der Broschüre „Unter Tage - Ehemaliger Bergbau Gleißinger Fels“ Fichtelberg.

Verfasser ist der sehr früh verstorbene Manfred Reichenberger, damaliger Kreisheimatpfleger und Mitglied des Forscherteams. Auf 70 reich bebilderten Seiten macht er den Leser vertraut mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit des Bergbaus im Fichtelgebirge, nimmt ihn in Wort und Bild mit auf die spannende, manches Mal schon Gänsehaut hervorrufende Spurensuche im Bauch des alten „Vichtelbergs“. In spannenden Vorträgen, mit aussagekräftigen Dias dokumentiert, hatte das Forscherteam – erstmals am 1. Mai 1971 - seine gewonnenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Broschüre „Unter Tage – ehemaliger Bergbau Gleißinger Fels" von Verfasser Manfred Reichenberger ist für 5 Euro im Gasthof Specht, Neubau, erhältlich (Telefonnummer 09272/9730).

Infos zum Besucherbergwerk gibt es hier

Vor 100 Jahren ist der Ochsenkopfturm eingestürzt

Fichtelberg

„Nicht reine Abenteuerlust, eher die Lust zum Wiederentdecken, trieb uns zu diesem Unternehmen. Auch das Interesse an der Heimatgeschichte spielte eine große Rolle.“

Albert Lichtblau

„Weil die ehemaligen Stolleneingänge verschüttet waren, seilten wir uns in einem engen Luftschacht etwa 200 Meter oberhalb des jetzigen Besucherbergwerks in den Jahren 1971/72 insgesamt 22 Mal 52 Meter in die Tiefe ab.“

Albert Lichtblau

„Aus zeitlichen Gründen und zum Schutz vor neugierigen Blicken forschten wir in den Abend- und Nachtstunden."

Albert Lichtblau

„Und uns tat sich im Schein der Grubenlampen in dieser Unterwelt eine Zauberwelt auf, schimmernde Stollenwände, einzelne Seen, dunkle Schächte, pilzartige Gewächse, modernde Holzstützen, schwere Eisentüren und vieles mehr.“

Albert Lichtblau

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